Nervlich am Ende: Diese Sache raubt mir den Verstand

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Hauskauf – Dieses Thema raubt mir den Verstand

Wie ihr inzwischen wisst, teile ich nicht nur die freudigen Momente meines Lebens mit euch. Seit Wochen trage ich einen Kampf mit mir selbst aus, den ich hoffentlich noch irgendwann gewinnen kann. Im Moment sieht es jedoch düster aus… 

 

Habt ihr euch schon einmal so an einem Vorhaben oder einem Gedanken »festgebissen«, dass ihr nicht mehr davon loskamt? Dass ihr Tag und Nacht darüber nachgedacht habt und deswegen sogar nicht schlafen konntet? Genauso ergeht es mir seit einigen Monaten. Das Problem dabei ist, dass aktuell noch kein Ende in Sicht ist und mich die Situation im Moment so sehr stresst, dass ich kaum noch Zeit finde, mich mit anderen, für mich ebenfalls wichtigen Dingen zu beschäftigen. Seit Anfang des Jahres versuchen mein Mann und ich, ein neues Zuhause zu finden. Das Gute daran ist eigentlich, dass wir im Grunde absolut keinen Druck haben – wir wohnen in einer tollen Wohnung in Zentrumsnähe, fühlen uns dort wohl und müssen auch nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt ausziehen. 

Der Druck steigt und steigt

Das Problem dabei ist, dass ich mir den Druck selbst mache und gerade nicht weiß, wie ich ihn lösen kann. Denn unser Wunsch nach einem Eigenheim ist zuletzt so groß geworden, dass wir uns immer tiefer in das Thema hineingestürzt haben. Zu Beginn sind wir die ganze Sache noch locker angegangen. Wir haben uns verschiedene Optionen herausgesucht und Termine mit den verantwortlichen BauunternehmerInnen vereinbart, wir haben uns mit GrundstücksmaklerInnen getroffen und Häuserparks besucht. Dies sollte uns helfen, uns zu orientieren und herauszufinden, wonach genau wir suchen und wie wir uns künftig vorstellen könnten zu wohnen. So stellte sich heraus, dass wir uns auf jeden Fall ein Haus und einen kleinen Garten wünschen. Und am liebsten möchten wir in Hamburg bleiben – dass es aufgrund der hohen Preise künftig nicht mehr so zentrumsnah sein wird, war für uns von Anfang an klar. 

Was kostet die Welt? Ungefähr so viel wie ein Haus mit Garten… 

Doch mit dem, was wir in den vergangenen Wochen und Monaten erlebt haben, hätten wir wirklich nicht gerechnet. Denn die anfängliche Euphorie, die uns auf der Haussuche begleitete, ist inzwischen beinah gänzlich verschwunden. Auch die Leichtigkeit, die das Thema zunächst hatte, hat sich bei mir vollkommen in Luft aufgelöst. Wieso? Wie gesagt haben wir uns zu Beginn einen Überblick verschafft und dabei schnell gemerkt, dass wir unser Budget dringend nach oben schrauben müssen. Ein für uns angemessen großes Haus mit Garten für 500.000 Euro? Keine Chance! Je näher wir uns mit den Immobilien und Projekten beschäftigten, die uns preislich keinenHerzstillstand verursachen würden, mussten wir feststellen, dass wir mit derartigen Häusern viel zu große Abstriche machen müssten. Also setzten wir uns intensiver mit dem Selberbauen auseinander. Wir begannen, nach Grundstücken zu schauen und hatten auch schon einen fabelhaften Hausbauer an der Hand. Doch zunächst kamen uns unter anderem 400-Quadratmeter-Grundstücke für 450.000 Euro oder mehr unter. Kleiner und noch teurer gibt es natürlich auch. Größer und günstiger nur selten. 

Noch etwas naiv setzte ich dann meine Hoffnungen in zwei Grundstücke (sie überzeugten uns von der Lage, der Größe unddem Preis) und sah mich bereits im eigenen Garten sitzen. Warum hier alles nur scheinbar stimmte, konnten wir bei der Besichtigung sofort hören: Wir hatten uns zuvor keine Gedanken über die Einflugschneise gemacht und standen zweimal auf wunderschönen Grundstücken in wunderschönen Stadtteilen und verkehrsberuhigten Straßen. Doch während wir das Gespräch mit den Grundstücksmaklern führten, donnerten alle 5 bis 10 Minuten die Flieger über unsere Köpfe hinweg – wirklich schade. Wirklich schade war es auch, als uns ein Grundstück angeboten wurde und die Verkäuferinnen sich in letzter Sekunde dafür entschieden, dass sie nicht nur den Preis für das zu bebauende Land kassieren wollten, sondern auch eine Provision für jedes Haus das darauf entsteht. Das Grundstück wäre tatsächlich so groß gewesen, dass drei Parteien darauf Platz gefunden hätten. 

Wer zu langsam ist, verliert

Wenige Wochen später stießen wir dann auf ein weiteres scheinbar sehr vielversprechendes Grundstück. Doch als wir uns mit dem Grundstücksmakler trafen und er noch vor Ort verlangte, dass wir einen von ihm handgeschriebenen Zettel unterschreiben, auf dem wir einem Kauf zustimmen, wurde es uns zunächst zu viel. Allerdings konnte ich nicht lockerlassen. Über Wochen versuchten wir, alles Nötige zu klären, um den Kauf doch noch über die Bühne zu kriegen. Nach Gesprächen bei der Baubehörde und mit anderen Experten wurden unsere Zweifel allerdings größer anstatt kleiner. Letztendlich verabschiedeten wir uns von dieser »schönen« Möglichkeit und versuchten, die nächste zu ergreifen. Schon kurze Zeit später standen wir auf dem nächsten Grundstück – diesmal für ein Bauprojekt mit Einzel- und Doppelhäusern. Für eine intensivere Besprechung machten wir für den übernächsten Tag einen Termin mit dem Makler aus. Nur wenige Stunden nach unserer Besichtigung dann das: Alle geplanten Häuser waren bereits reserviert und unser Termin geplatzt. So durften wir also auch lernen, dass es in vielen Fällen kaum möglich ist, sich eingehender mit den einzelnen Projekten zu beschäftigen. Denn wer sich die Zeit nimmt, um alles zu verstehen und sich auch wirklich sicher zu sein, bekommt einfach kein Stück mehr vom Kuchen. 

Wie geht es jetzt weiter?

So läuft es also seit Monaten. Es sind schon sehr viel Energie, Zeit und Nerven in die Suche geflossen. Neben der Arbeit und unserem Privatleben haben wir gefühlt Hunderte Portfolios gewälzt, Telefonate geführt und Besichtigungen unternommen – und wurden bisher doch nur immer wieder enttäuscht. Die logische Konsequenz wäre zu diesem Zeitpunkt eigentlich, erstmal etwas Ruhe einkehren zu lassen, die Füße stillzuhalten und mit klarem Kopf noch einmal neu an die Sache ranzugehen. Doch nicht mit mir. Obwohl ich kaum noch die Kraft habe, lässt mir das Thema aber keine Ruhe. Wie besessen durchsuche ich doch immer wieder das Internet nach passenden Angeboten. Was mir ein wenig das Herz bricht, aber aufgrund der zum Teil viel zu hohen Preise kaum anders möglich zu sein scheint: Aktuell schauen wir uns – mal mehr, mal weniger intensiv – auch immer wieder nach Immobilien außerhalb von Hamburg um. 

 

Der harte Kampf mit mir selbst

Ob wir uns am Ende wirklich dazu durchringen können, die Stadt zu verlassen? Sobald das perfekte Angebot vor der Tür steht, vermutlich ja. Wann das sein wird? Ich wünschte, ich wüsste es. Vielleicht gelingt es mir ja doch noch, mich etwas zu entspannen und den Druck aus der Sache zu nehmen – erst dann, so vermute ich, sehe ich die ganze Thematik nicht mehr so überemotional und kann mich der Angelegenheit wieder wesentlich rationaler und logischer annähern. In den letzten Monaten haben wir zumindest eine Menge dazugelernt, und viele Fragezeichen rund um die Themen Hauskauf und Hausbau sind aus meinem Kopf verschwunden. So war diese Zeit stressig, aber wenigstens auch lehrreich. Dennoch möchte ich all das so nicht noch einmal durchmachen. Ich hoffe, ich kann mich künftig selbst davor bewahren.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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