Eine unerwartete Lieferung

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Lesezeit: 3 Minuten
Wenn Kindern ihren Eltern das Internet erklären

Kann man aus Versehen etwas bestellen, was man eigentlich gar nicht haben wollte? Nein? Doch, das geht! Ich sage nur: Herzlich Willkommen im Internet. 

 

Ich liebe meine Eltern für ihren Humor. Dieser kann manchmal zwar auch ganz schön schräg sein, aber mit den beiden wird es garantiert nie langweilig. Natürlich kommt es auch hin und wieder vor, dass nur die beiden lachen – ich kann ja schließlich nicht alles witzig finden. Worüber ich auch nur im Nachhinein lachen kann, sind unsere unterschiedlichen Herangehensweisen an das Internet. Gerade haben wir auf Monda einen Artikel dazu veröffentlicht, dass Digital Natives (zu denen ich mich zähle) oft ziemlich genervt von den technischen Fragen ihrer Eltern sind (Hier geht es zum Artikel). Mich persönlich stören die Fragen als solche eigentlich nicht, allerdings werde ich ziemlich schnell ungeduldig, wenn meine Erklärungen partout nicht ankommen oder mein Gegenüber es am Ende doch besser zu wissen meint und plötzlich mir sagen will, wie es richtig ist.

»Lösch das Foto!«

Natürlich weiß auch ich nicht alles. Aber ohne hochnäsig oder eingebildet klingen zu wollen: Da ich mit dem Internet arbeite, kenne ich mich doch ziemlich gut damit aus und möchte behaupten, meinen Eltern das Prinzip von Facebook erklären zu können. Und dennoch hat es gefühlt Jahre gedauert, bis mein Vater endlich verstanden hatte, dass seine Pinnwand so eingestellt war, dass alle sie sehen konnten und nicht etwa nur er selbst. Das störte mich sehr, denn hin und wieder teilte er unvorteilhafte Fotos von mir und behauptete dann, dass er diese direkt an eine ganz bestimmte Person gesendet habe und niemand sonst sie sehen könne. Doch, und ob die gesehen wurden! »Lösch das Foto!« gehörte eine Zeitlang zu einem meiner meistverwendeten Sätze. Ziemlich niedlich fand ich es hingegen, als mein Vater mir mit ernster Miene und voller Stolz verkündete, er sei nun mit Denzel Washington befreundet. 

Sie haben Smartphones, Laptops und Tablets und wissen häufig nicht was sie damit tun: Eltern.

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser?

Halbe Herzinfarkte bekomme ich übrigens, wenn meine Eltern mir nicht minder stolz erzählen, sie hätten sich spontan auf einem Meinungsforschungsportal angemeldet und würden nun regelmäßig Fragen beantworten und dafür sogar Prämien erhalten. Sorgen mache ich mir darum, dass sie persönliche und sensible Daten geteilt haben oder nun vertraglich gebunden und zur Teilnahme gezwungen sein könnten. Inzwischen ist es sogar so weit, dass mir nur der Gedanke daran Angst bereitet, was ich wohl vorfinden könnte, wenn ich die E-Mail-Konten der beiden durchschauen würde. Ich rechne mit ominösen Newslettern und Nachrichten.

Dass man äußerst vorsichtig im Umgang mit Nachrichten sein muss, die einem das große Geld versprechen, wenn man dies oder jenes tut, sollte sich eigentlich von selbst verstehen. Doch auch hier habe ich immer wieder die Befürchtung, dass meine Eltern (oder auch meine Großeltern, die aber ausschließlich offline unterwegs sind) irgendwann einmal in eine dieser Fallen tappen. Denn selbst ich bin oft erst mal stutzig, wenn ich wieder einmal eine dieser ziemlich glaubwürdig und echt wirkenden E-Mails zugeschickt bekomme, die mich beinah glauben machen, dass sie tatsächlich echt seien ­– bisher habe ich solche Fake-Mails jedoch glücklicherweise immer durchschaut und sofort gelöscht. 

Eine unerwartete Lieferung 

Eine Lektion, die ich den beiden zu vermitteln versucht habe, ist, dass sie erst einmal alles gründlich lesen und verstehen müssen, bevor sie irgendetwas anklicken und bestätigen. In der Vergangenheit waren die Finger jedoch häufig schneller. So erklärten mir beide eines Tages genervt, sie hätten irgendwelche Tabletten geschickt bekommen, ohne sie bestellt zu haben. Da man Dinge in der Regel nicht einfach so zugeschickt bekommt, fragte ich dennoch nach, ob sie die Lieferung vielleicht nicht doch aus Versehen im Internet in Auftrag gegeben haben könnten. Zum Glück hatte die Firma wenigstens keine Kontodaten von ihnen, denn dem Paket lag eine Rechnung bei. Als sie alles zurückschickten, kam es kurze Zeit später erneut bei ihnen an. Inzwischen hat sich die Sache jedoch erledigt. 

Ein wenig Misstrauen schadet nicht

Meiner Meinung nach wird es in den kommenden Jahren immer wichtiger, sich mit einer gesunden Portion Skepsis durchs Netz zu bewegen. Auch wenn die Sicherheit immer weiter voranschreitet – auch die Hacker schlafen nicht. Die Internetkriminalität hält das BKA ordentlich in Schach. Es ist einfach so: Die Hemmschwelle im Netz ist einfach viel niedriger. Einer fremden Person auf der Straße würden sicher nur die wenigsten ihre E-Mail-Adresse verraten, nur weil diese einem dafür irgendetwas verspricht (Warum muss ich hier nur daran denken, wie ich früher immer ermahnt wurde, keine Süßigkeiten von Fremden anzunehmen?). Im Internet ist sie allerdings schnell eingetippt. Wer hier nicht eine gesunde Vorsicht walten lässt und sich unter anderem auch mit sicheren Passwörtern schützt, kann schnell zum Opfer werden. 

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Liebe Deutsche Bahn, warum tust du mir das an?

Die Deutsche Bahn und ich, wir haben ein ganz spezielles Verhältnis zueinander. Während meiner bisherigen Bahnfahrten lief meistens immer irgendetwas schief. Bei meiner letzten Reise erlitt ich dann sogar beinah einen Nervenzusammenbruch. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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