Top oder Flop? So war mein Geburtsvorbereitungskurs

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Lesezeit: 4 Minuten
Mit diesem Ende des Geburtsvorbereitungskurses hatte ich nicht gerechnet

Nach dem Ende meines Geburtsvorbereitungskurses am vergangenen Wochenende blieben Tränen und kurzzeitige Verzweiflung zurück. Eine Tatsache, mit der ich nie im Leben gerechnet hätte.

Anfang Dezember 2019 meldete ich meinen Mann und mich zu einem Geburtsvorbereitungskurs an. Ähnlich wie bei der Hebammensuche (in der letzten Woche habe ich euch davon berichtet) musste ich auch hierfür mehrere Kurse heraussuchen und nach verfügbaren Kapazitäten fragen. In unserer näheren Umgebung kamen für März bis April nur noch fünf Kurse infrage. Zwei Anfragen blieben ohne Rückmeldung und zweimal erhielt ich eine Absage. Zum Glück bekam ich kurze Zeit später von dem letzten noch verbliebenen Kurs eine Bestätigung. Nachdem wir von der Hebamme, die den Kurs leiten sollte, alle Unterlagen erhalten hatten, füllte ich diese sofort aus, überwies die Partnergebühr (für die werdende Mutter werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen) und freute mich auf die zwei Wochenenden, an denen der Kurs samstags und sonntags für jeweils vier Stunden stattfinden sollte. 

Willkommen zum Geburtsvorbereitungskurs

Am letzten Februar-Wochenende machten wir uns auf zu unserer ersten Einheit. Zu Beginn bekamen wir eine thematische Orientierung über den Kurs. Es sollten die vier Geburtsphasen (Eröffnungsphase, Übergangsphase, Austreibungsphase, Nachgeburt) besprochen, aber auch ganz praktische Tipps vermittelt werden, und es sollte auch ausreichend Zeit bleiben, um auf persönliche Ängste und Fragen einzugehen. Doch zunächst ging es erst einmal mit einer Vorstellungsrunde los. Direkt neben uns saß ein Pärchen, deren errechneter Geburtstermin nicht nur zwei Tage nach unserem liegt, sondern das sogar auch am selben Tag geheiratet hat wie mein Mann und ich. Ich liebe derartige Zufälle – vielleicht sehen wir uns ja sogar im Kreißsaal wieder, denn natürlich entbinden wir auch in derselben Klinik… Jedenfalls fühlte mich mit diesem und den anderen Pärchen von Anfang an super wohl. Von der ersten Sekunde an herrschte eine angenehme und lockere Atmosphäre – was nicht zuletzt auch an der Hebamme lag, die wunderbar ungezwungen mit allem umging und uns durch ihre Art einen sicheren Ort schuf, in dem wir uns entspannen konnten.  

Ich wusste schon als kleines Mädchen, dass ich irgendwann einmal Mutter werden würde...

Damit hatte ich nicht gerechnet…

Ich wusste schon als kleines Mädchen, dass ich irgendwann einmal Mutter werden würde, und hatte mich entsprechend als Frau schon im Vorhinein intensiv mit den Themen Schwangerschaft und Geburt beschäftigt. Und trotzdem nahm ich bereits aus den ersten beiden Tagen viele nützliche Dinge mit. Wir sprachen beispielsweise darüber, woran man genau merkt, dass die Geburt bald losgeht: Neben dem Offensichtlichsten – den Wehen – gehören zu den Anzeichen unter anderem noch der Abgang des sogenannten Schleimpfropfens, innere Unruhe und vielleicht sogar Durchfall. Außerdem probierten wir diverse Geburtspositionen aus, und auch die Männer bekamen erklärt, wie sie ihre Frauen in den unterschiedlichen Situationen und Positionen am besten unterstützen können. Auch eher angstbesetzte Themen wie Geburtsverletzungen wurden nicht außen vor gelassen. Die Hebamme, die selbst bereits zwei Kinder bekommen hat, hat es tatsächlich geschafft, uns dahingehend so zu beruhigen, dass ich mir persönlich darüber gar keine Gedanken mehr mache. Und selbst mein Mann, der anfangs sehr skeptisch in Bezug auf den Kurs war, fühlte sich am Ende des ersten Wochenendes total bestärkt. 

Ein positives Mindset ist und bleibt das Wichtigste

Was ebenfalls deutlich wurde: Ganz nach dem Motto »alles kann, nichts muss« ist jede Geburt und jede Frau so individuell, dass für eine Geburt – wie auch schon für die Schwangerschaft – so etwas wie eine Guideline nicht gibt. Der Kurs hat mir vermittelt, von Anfang an auf mich, meinen Körper und mein Baby zu hören. Ob ich während der Geburt stehen oder hocken werde, ob ich währenddessen Musik hören oder Schokolade essen möchte, bleibt die ganze Zeit mir überlassen. Voraussetzung ist natürlich, dass alles ohne Komplikationen verläuft – doch davon gehe ich natürlich erst einmal aus. Ein positives Mindset ist und bleibt das Wichtigste. 

Als ich diese Nachricht las, kamen mir sofort die Tränen.

Mit diesem Ende hatte ich nicht gerechnet

Ich für meinen Teil war also nach den ersten beiden Tagen Geburtsvorbereitungskurs total begeistert. Der dritte und vierte Teil sollte dann am 14. und 15. März stattfinden, und bereits Tage vorher freute ich mich schon sehr auf das Wiedersehen mit den anderen Pärchen und war natürlich auch auf die neuen Themen gespannt. Doch dann erhielten wir diese Nachricht: 

»Liebe werdenden Eltern,
aufgrund der aktuellen Lage werden ab sofort alle Kurse bis zum 30.4. absagt. Der Kurs jetzt am Wochenende wird also nicht stattfinden.«

Als ich diese Nachricht las, kamen mir sofort die Tränen. Ich weiß, dass ich die Geburt auch ohne Teil drei und vier meistern werde, doch das Coronavirus macht es mir einfach von Tag zu Tag immer unmöglicher, die wenige Zeit, die mir vor der Geburt noch bleibt, selbstbestimmt zu gestalten. Die Zeit im Mutterschutz wollte ich auch dazu nutzen, um zum vorerst letzten Mal ins Kino zu gehen, eine ganze Reihe an Lieblingsrestaurants zu besuchen, mich mit FreundInnen zu treffen, zum Frisör zu gehen, ins Schwimmbad zu gehen, Wellness zu machen und Massagen zu genießen, meine Großeltern zu besuchen, einen letzten Urlaub zu zweit zu unternehmen, meinen 30. Geburtstag zu feiern und vieles mehr. Das, was ich nicht aus Sicherheitsgründen schon selbst abgesagt hatte, wurde nach und nach von anderer Seite gecancelt. Dass mir also jetzt auch noch der Geburtsvorbereitungskurs – für den Schwangerschaftsyoga-Kurs gilt übrigens dasselbe – genommen wird, war für mich im ersten Moment ein kleiner Schock. Immerhin ging es hier nicht darum, noch einmal in den Genuss von tibetanischen Köstlichkeiten zu kommen, sondern mich auf die wichtigste Aufgabe meines Lebens vorzubereiten. 

Und noch mehr »Hiobsbotschaften«…

Inzwischen haben wir uns einen Online-Geburtsvorbereitungskurs herausgesucht, um die fehlenden Themen mit Hilfe von Videos und Podcasts nachzuholen. Und auch die Hebamme aus dem Kurs hat uns noch Unterlagen zukommen lassen, die wir uns an diesem Wochenende genauer anschauen möchten. Tja, und als wäre das noch nicht genug, rief vor wenigen Minuten auch noch die Sprechstundenhilfe meiner Frauenärztin an. Sie erklärte mir, dass sich meine Ärztin aufgrund des Verdachts auf Corona aktuell in zweiwöchiger Quarantäne befinde und meine nächste Vorsorgeuntersuchung daher nicht bei ihr stattfinden könne. Für meine Frauenärztin tut mir das wahnsinnig leid und ich hoffe wirklich von ganzem Herzen, dass es ihr bald wieder besser geht bzw. sich der Verdacht gar nicht erst bestätigt. Doch nach dem Telefonat fing ich einfach nur noch an zu lachen. Was ich jetzt am liebsten tun würde? Ich würde gern mein Handy ausschalten und sämtliche Stecker ziehen, um keine »Hiobsbotschaften« mehr zu erhalten und auch nichts mehr vom Virus zu hören. Und vielleicht mache ich das auch – zumindest für ein paar Stunden. Denn draußen scheint die Sonne und ich denke, ein Spaziergang ist jetzt genau das Richtige! 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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