Eine schrecklich witzige Urlaubserinnerung

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Die Wanderung zum Cherro Chato wurde unerwartet ungemütlich

Ein Leben ohne Verreisen? Das kann ich mir nicht vorstellen. Dabei ist für mich nicht nur die Reise selbst unglaublich bereichernd. Auch auf die Erinnerungen, die ich im Anschluss für immer bei mir trage, möchte ich nicht verzichten – und schon gar nicht auf die ziemlich verrückten und lustigen…

 

Ich liebe es zu verreisen und so dem Alltag für einige Zeit zu entfliehen. Diese Auszeiten sind für mich immer etwas ganz Besonderes, und schon Wochen vorher freue ich mich auf das, was mich wohl erwartet. Im Urlaub versuche ich, jeden Augenblick bis zuletzt zu genießen und mich voll und ganz zu entspannen. Bis zuletzt zu genießen fiel mir bis vor einigen Jahren allerdings noch schwer. Schon mehrere Tage vor der Abreise habe ich mich dann darüber geärgert, dass mich der Alltag bald wieder hat – und ich ihn. Inzwischen kann ich diese negativen Gedanken ganz gut ausblenden, denn wie heißt es so schön: Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub. Außerdem sorgt spätestens der Anflug auf mein geliebtes Hamburg für ein breites Grinsen in meinem Gesicht. Wie ich schon mehrfach in meiner Kolumne offenbart habe, liebe ich mein Zuhause wirklich sehr und freue mich trotz Traumurlaub immer wieder, hierher zurückzukehren. 

So durchlebe ich meine Urlaube mehrfach

Davon abgesehen ist der Urlaub mit der Abreise nie schon zu 100 Prozent vorbei. Denn in den Wochen danach läuft es häufig so ab, dass wir unserer Familie und unseren Freunden in Etappen unsere Urlaubsstorys und -bilder präsentieren. Somit durchleben wir alles mehrfach. Und jedes Mal gibt es auch viel zu erzählen. So sind meiner Familie und mir in der Vergangenheit eine Menge skurriler Dinge passiert, die in den jeweiligen Momenten vielleicht sogar ärgerlich oder nervig waren, inzwischen allerdings schon längst einfach nur noch witzig sind. Beim Kofferpacken für meinen bevorstehenden Urlaub und in Vorfreude auf die kommenden Foto-Präsentationen musste ich gerade an die unterschiedlichsten Erlebnisse aus den letzten Jahren denken. 

Adiletten und Füße

Für die allererste Fernreise mit meinen Eltern hatten wir uns die neue Videokamera meines Großvaters geliehen. Im Jahr davor hatten wir noch eine Sofortbildkamera dabei – soll heißen, wir alle waren noch unsicher, was die korrekte Bedienung dieser Technik anging. So wussten wir nicht, dass wir das gefilmte Material zwischendurch mal hätten anschauen können, um zu überprüfen, wie die Aufnahmen geworden waren. Wieder in Deutschland angekommen, hatten wir nicht nur tolle Geschichten zu erzählen, sondern waren auch stolz darauf, meinen Großeltern alles auf dem Fernsehbildschirm zeigen zu können. Nachdem das Video etwa fünf Minuten gelaufen war, verfielen wir erst in eine Schockstarre und dann in tobendes Gelächter. Mein Vater, der hauptsächlich für die Aufnahmen verantwortlich war, hatte es während des gesamten Urlaubes geschafft, zu etwa 80 Prozent nichts weiter als seine Füße zu filmen. Er hatte Play und Pause verwechselt und die Kamera jedes Mal laufen lassen, wenn wir uns durch die Gegend bewegten und das Gerät, das eigentlich alle atemberaubenden Momente hätte festhalten sollen, in seiner Hand baumelte. Die Aufnahmen dieses einzigartigen Afrika-Urlaubes zeigen also die schlurfenden Füße meines Vaters in blau-weißen Adiletten. Bis heute lachen wir uns über diese Szenen kaputt. 

Der Mann mit der Pistole

Vor ein paar Jahren waren mein Mann und ich mit seinen Eltern auf einer Tour durch die USA. Unser erster Stopp war San Francisco. Eine Stadt, in der ich damals bereits zum zweiten Mal war und die mich voll und ganz in ihren Bann gezogen hatte. Ich freute mich sehr und war voller Euphorie. Kurz nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, verabredeten wir uns in der Lobby, um etwas essen zu gehen. Unten angekommen gab es jedoch plötzlich Geschrei – die Menschen in der Lobby gingen in Deckung und ich tat es ihnen gleich. Während der Rezeptionist panisch mit der Polizei telefonierte, sah ich erst, was überhaupt los war: Im Gebäude gegenüber konnte ich durch die großzügigen Glasscheiben erkennen, dass ein Mann mit einer Pistole auf eine Frau zielte. Die beiden schienen heftig zu diskutieren, dann gab der Mann wie in Zeitlupe einen Schuss ab und die Frau ging zu Boden. Nach einem kurzen Moment der Stille – niemand traute sich zu atmen, alle schauten nur ungläubig in das gegenüberliegende Gebäude – stand die Frau wieder auf, begab sich wieder in Position und die gleiche Szene wiederholte sich erneut. 

Schnell stellte sich heraus, dass es sich um einen Schauspielkurs handelte – wir hatten also die Probe dieser dramatischen Szene mitverfolgt. Als alle verstanden hatten, was da gerade passiert war bzw. was da gerade nichtpassiert war, verwandelte sich die Stimmung von einer auf die andere Sekunde von angsterfüllt, panisch und düster in eine Art »Ist irgendetwas gewesen?«-Stimmung. Da dieser Moment im Grunde tatsächlich ernst hätte sein können, kann ich darüber nicht so wirklich lachen. Doch die Gesamtsituation, die Reaktionen sowie die sich rasend schnell verändernde Gefühlslage der Menschen um mich herum bringen mich auch Jahre später unweigerlich zum Schmunzeln. 

 

Einmal Vulkanwanderung für Anfänger bitte… 

Eine Geschichte ich auch immer wieder gerne erzähle, ist diese: Während einer ereignisreichen Rundreise durch Costa Rica machten mein Mann und ich zwei Tage in La Fortuna Halt. Hier hatten wir eine Wanderung auf den Cerro Chato, einen 1140 Meter hohen Vulkan, geplant. In einem Fremdenführer lasen wir von einer Strecke, die für Anfänger geeignet und leicht zu bewältigen sei. Wir selbst bezeichneten uns zwar nicht als Anfänger, hatten aber nichts gegen eine gemütliche Wanderung. Als der Tag gekommen war, regnete es und die Vulkanspitze hing in den Wolken. Da die Strecke als »sehr leicht« ausgeschrieben war, zogen wir uns regenfest an und fuhren trotz des schlechten Wetters zum Startpunkt. Hier begrüßten uns mehrere Ranger, von denen sich einer ziemlich ernst unsere Namen und Telefonnummern notierte. Als wir die Männer dann nach Schirmen fragten, fingen sie laut an zu lachen und versprachen uns, dass wir diese nicht brauchen würden. 

In diesem Moment hatten wir die Hoffnung, dass es also schon bald aufhören würde zu regnen. Doch da hatten wir uns getäuscht. Schon zu Beginn ging es dann bereits so steil nach oben, dass ich nach etwa 20 Minuten eine erste Verschnaufpause einlegen musste. Hinzu kam, dass es immer wieder richtig stark anfing zu regnen und wir mit jedem Schritt nasser wurden. Zusätzlich beunruhigte uns, dass wir selbst nach zwei Stunden noch niemandem begegnet waren. Und dann wurde es gruselig. Der starke Regen hatte einzelne Wege weggespült. Wir mussten nun richtig klettern und uns an Ästen festkrallen, um den Vulkan weiter besteigen zu können. Hier wurde uns klar, dass uns ein Schirm spätestens ab jetzt nur noch behindert hätte. Da wir uns immer wieder gut zuredeten und sagten, dass wir demnächst oben sein müssten, wollten wir auf keinen Fall aufgeben. Inzwischen war ich bis auf meine Socken durchweicht, die Wolken kamen immer näher, im Wald um uns herum knackte es, und noch immer kam uns niemand entgegen, bis wir vor einer Wand standen. Mein Mann krallte sich an Felsen fest und zog sich hoch, um anschließend mich nach oben zu ziehen, oder er drückte mich mit seinen Händen von unten nach oben. Mit diesen körperlichen Anstrengungen hatten wir absolut nicht gerechnet. Plötzlich stolperte uns ein Wanderer entgegen, der nur schnell »Hallo« sagte und uns bestätigte, dass wir auf dem richtigen Weg und gleich oben seien. Dort angekommen hatte ich für einen kurzen Moment Tränen in den Augen. Ich war echt erschöpft und konnte nicht glauben, dass dies eine Strecke für Anfänger sein sollte. Zudem werden die Leute nach dem schweren Anstieg in der Regel mit dem wunderschönen Blick auf einen 500 Meter großen Kratersee, die Laguna Cerro Chato, belohnt. Doch aufgrund des Nebels konnten wir kaum 10 Meter weit schauen. Wir waren zu optimistisch gewesen und hatten uns die Wanderung ein bisschen anders vorgestellt. 

Doch schon auf dem Weg nach unten begannen wir immer wieder zu lachen und uns gegenseitig unsere Jacken auszuwringen. Nach knapp sechs Stunden waren wir wieder zurück in unserer Unterkunft. Meine wenige Tage zuvor in San José gekauften Wanderschuhe musste ich nach diesem einen Trip übrigens wegwerfen. Im Nachhinein bin ich allerdings sehr froh darüber, dass wir durchgehalten und diese tolle Erfahrung gemacht haben. Und die Bilder von uns im Vulkanmatsch sind einfach der Wahnsinn! 

An dieser Stelle könnte ich noch von vielen weiteren lustigen und verrückten Geschichten erzählen – vermutlich könnte ich ein ganzes Buch damit füllen. Ob ich in dieser Woche auf Mallorca ähnliche Geschichten sammeln und mit nach Hause bringen werde? Ich gehe fest davon aus und werde natürlich in der kommenden Woche davon berichten. 

Welche skurrilen, lustigen oder schrecklich schönen Urlaubserlebnisse kommen dir gerade ins Gedächtnis? Teile sie mit mir in den Kommentaren.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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