Ein letztes Mal mit Brille?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Halte ich meine Brille zum letzten Mal in den Händen?
Im Juli 2018 habe ich in meiner Kolumne berichtet, dass ich mir die Augen lasern lassen möchte. Jetzt ist es tatsächlich soweit…  

Wenn du das hier liest, mache ich mich zum einen vermutlich gerade auf den Weg zum Wahllokal, um meine Stimme für die Europawahl abzugeben – und zum anderen werde ich für diese Schritte keine Kontaktlinsen und auch keine Brille mehr brauchen – so hoffe ich zumindest. 

 

Gerade (diese Kolumne schreibe ich einige Tage vor dem Eingriff) bin ich trotz der bevorstehenden Operation noch ganz entspannt. Doch obwohl ich versuche, positiv zu denken, keimt in mir dennoch manchmal die Sorge auf, dass die Laserbehandlung meine Fehlsichtigkeit vielleicht doch nicht vollständig korrigieren wird. Mit -8 Dioptrien gehöre ich schon zu den härteren Fällen. Doch wäre es für mich auch schon ein absoluter Erfolg, wenn ich künftig nur noch beim Fernsehschauen oder Autofahren eine Brille benötigen würde. Davon abgesehen mag ich Brillen eigentlich sogar sehr gerne – nur eben nicht meine. Denn meine Brillengläser sind aktuell bereits so dick, dass sie ein gewisses Gewicht erreicht haben und sich auch nicht mehr wirklich schön dünn schleifen lassen. Darüber hinaus werden meine Augen dadurch optisch so verkleinert, dass ich persönlich finde, dass ich mit meiner aktuellen Brille irgendwie witzig aussehe. 

Meiner aktuellen Entspannung ging aber doch ein extremes Auf und Ab der Gefühle voraus, denn in den vergangenen Wochen habe ich mir natürlich doch die verschiedensten Gedanken bezüglich der OP gemacht. Dieses Durcheinander sorgte zwischenzeitlich sogar dafür, dass ich die OP absagen wollte. Und das, obwohl es doch mein größter Traum ist, morgens direkt nach dem Aufwachen meine Umgebung klar und deutlich sehen zu können, ohne vorher die Brille aufsetzen zu müssen. Oder zum Sport gehen zu können, ohne vorher die Kontaktlinsen einsetzen zu müssen, obwohl meine Augen gerade gereizt sind. 

Ein gutes Gefühl ist wichtig

Dass ich den Eingriff erst jetzt, mit 29 Jahren, vornehmen lasse, hat einen ganz einfachen Grund: Wer seine Augen lasern lassen möchte, muss warten, bis die Sehstärke für einen längeren Zeitraum unverändert bleibt. Seit meinem 10. Lebensjahr sind meine Augen aber beinah halbjährlich schlechter geworden. Erst seit etwa zwei Jahren hat sich zum Glück nicht mehr so viel getan. Daher fing ich im letzten Jahr intensiver an, mich mit dem Thema zu beschäftigen und mich umzuhören. Viele Bekannte haben bereits Erfahrungen mit dem Augenlasern gemacht. Dank ihrer Tipps und Empfehlungen landete ich in zwei unterschiedlichen Zentren, in denen ich mich beraten ließ. In beiden fühlte ich mich wohl, doch am Ende spielte neben dem guten Gefühl auch der Preis eine Rolle. Während ich in der einen Klinik knapp 6.000 Euro für das Einsetzen einer dauerhaften Linse hätte zahlen können, sind es bei der LASEK-Methode, für die ich mich schlussendlich entschieden habe, nur 2.200 Euro. Denn da das Augenlasern, wie in meinem Fall – ich könnte die Brille ja tragen – noch immer zu den »nicht notwendigen« Eingriffen zählt, bezahlen die gesetzlichen Krankenkassen nichts dazu. Aus diesem Grund muss ich übrigens in der nächsten Woche auch Urlaub nehmen und kann mich nicht krankschreiben lassen. 

LASEK: So läuft die Laserbehandlung

LASEK (das steht übrigens für »Laser Epitheliale Keratomileusis« – beeindruckend, nicht?) wird unter anderem dann angewendet, wenn die Hornhaut nicht dick genug ist, um die klassische LASIK-Methode durchzuführen. Nachdem das Augen betäubt wurde, wird beim LASEK-Verfahren zunächst die oberste Schicht der Hornhaut mit einer Alkohollösung angeweicht und vollständig beiseitegeschoben. Anschließend wird die Fehlsichtigkeit durch den Laser korrigiert. Dabei ist die Technik mittlerweile so weit fortgeschritten, dass ein Erblinden unmöglich ist – bei minimalen Bewegungen während des Eingriffes würde sich der Laser sofort von allein abschalten und könnte schon deshalb keinen größeren Schaden anrichten.  

Um die Augen nach dem Eingriff zu schützen, wird dann noch für vier Tage eine harte Linse – die als eine Art Pflaster fungiert – in die Augen eingesetzt. So hat die zuvor entfernte Schicht auch Zeit, um wieder festzuwachsen. Nach wenigen Minuten ist alles vorbei, und im besten Fall stellt sich direkt eine Verbesserung der Sehleistung ein, die mit den Tagen dann immer weiter voranschreitet. 

Im ersten Beratungsgespräch, in dem durch einige Test festgestellt wurde, ob ich für das Lasern an sich und im Speziellen für genau dieses Verfahren geeignet bin, wurde ich darauf hingewiesen, dass im Gegensatz zum LASIK-Verfahren stärkere Schmerzen auftreten können. Außerdem kann es bis zu einem halben Jahr dauern, bis wirklich alles verheilt und die endgültige und damit 100-prozentige Sehleistung erreicht ist. 

Und tschüss, Brille?

Die Laserbehandlung wird bei mir von einem Augenarzt im UKE Hamburg durchgeführt. Den Arzt lerne ich bereits einen Tag vorher kennen. Diese Tatsache gibt mir ein gutes Gefühl und lässt mich vor dem Eingriff an sich aktuell noch keine Angst spüren. Vor den Schmerzen im Nachhinein allerdings schon. Die haben mich auch dazu veranlasst, in den vergangenen Wochen mehrmals in der Klinik anzurufen, um immer wieder aufkommende Fragen loszuwerden. Ebenfalls äußerte ich auch meine Befürchtung, der Laser könne meine Augen nur um wenige Dioptrien korrigieren. Diese Bedenken räumte die Dame am Telefon freundlich und hoffnungsvoll mit den Worten: »Also, nach dem Eingriff werden Sie Ihre Brille wegwerfen«, aus.

Ich bin wirklich sehr gespannt und kann es kaum erwarten, hier von dem Eingriff und dem Ergebnis zu berichten. Also, wir »sehen« uns…

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Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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