»Du bist doch jetzt eine Ehefrau«

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
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Das ändert sich nach der Hochzeit
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In den letzten Wochen höre ich immer wieder die gleiche Frage: »Und? Fühlst du dich nach der Hochzeit irgendwie anders?« Meine Antwort ist immer gleich, nämlich dass sich im Grunde nicht viel verändert hat. Doch das kommt nicht überall gut an, wie ich gerade erleben durfte.
 

Für mich persönlich hat sich nach der Hochzeit kaum etwas verändert. Ich fühle mich toll, bin einfach glücklich und unglaublich stolz auf meinen Mann. Mit Sicherheit hat uns das Versprechen, das wir uns vor unserer Familie und unseren Freunden gegeben haben, noch ein Stück weiter zusammengeschweißt. Doch am Ende sind wir noch immer dieselben – das ist auch gut so, und daran möchten wir auch auf keinen Fall etwas ändern. 

Ein Krisengespräch bei Soljanka & Schnitzel

Wenn es nach meiner Großtante und meinem Großonkel ginge, sollten wir uns an der einen oder anderen Stelle allerdings doch mal so unsere Gedanken machen – und eventuell doch noch schnell etwas verändern. Meistens sehen wir uns nur zu größeren Familienfeiern – so auch am 75. Geburtstag meines Großvaters. Eines vorweg: In den letzten Jahren durfte ich schon häufiger feststellen, dass unsere Ansichten gerne einmal in zwei völlig unterschiedliche Richtungen gehen. In der großen Runde wurde also schnell klar, dass es zum wiederholten Male einiger Erklärungen bedarf.

 

So durften wir uns anhören, dass unsere Entscheidung, erst einmal auf den gleichen Nachnamen zu verzichten, eigentlich so nicht richtig sei. An dieser Stelle schien auch die Erklärung sie nicht zu besänftigen, dass ich meinen Mann über alles liebe, es aufgrund meines Berufes allerdings aktuell für vorteilhafter erachte, wenn sich mein Nachname nicht ändert – und, ich bin ehrlich, ich finde meinen Nachnamen einfach schöner und bin auch deshalb noch nicht bereit, ihn abzulegen. Doch wer den Schritt in die Ehe gehe, müsse ihn auch »vollständig« gehen, so das Credo der beiden.

Und dann wäre da noch die Sache mit dem Hochzeitsdatum, für die wir uns auch an diesem Tag wieder rechtfertigen mussten. Denn erst nach unserer freien Trauung folgte der Termin im Standesamt. Die für einige »ungewöhnliche« Vorgehensweise war genau richtig für uns. Deshalb erklären wir unsere bevorzugte Reihenfolge gern und nehmen auch ohne Weiteres in Kauf, dass es vielleicht nicht für jeden nachvollziehbar ist. 

 

Frisuren für Ehefrauen? 

Zu diesem Zeitpunkt wurde es für mich persönlich Zeit, über etwas oder auch jemand anderes zu sprechen. Doch diese Rechnung hatte ich ohne meinen Vater gemacht, der das Thema plötzlich auf meine Haare lenkte. Denn auch die sorgen immer wieder für Diskussionen. Über viele Jahre wollte ich mit meinen Locken rein gar nichts zu tun haben. Nachdem ich aufgehört hatte, sie zu glätten, bekam ich durch meine Wahlheimat Hamburg, meine tolle Friseurin Jana und durch viele Freunde und einige Familienmitglieder den Mut, den ich brauchte – und die Einsicht – um mich mit meinen natürlichen Haaren zu akzeptieren. Mein Vater stellte also fest, dass ihm meine Haare aktuell sehr gut gefallen und ich daran am besten nichts ändern darf. In diesem Moment teilte ich ihm grinsend mit, dass ich bereits einen Friseurtermin vereinbart habe und meine Haare künftig wieder kurz tragen möchte.

Diese Information löste bei einem Teil der Anwesenden Begeisterung aus – den anderen Teil versetzte ich damit jedoch zunächst in eine Schockstarre und dann in einen Protest. Als ich meiner Großtante dann auch noch ein Bild von vor vier Jahren zeigte, auf dem die Frisur zu sehen ist, die ich mir auch jetzt wieder vorstelle, plusterte sie sich auf und erklärte mir streng, dass diese Frisur einfach viel zu wild sei, denn: »Du bist doch jetzt eine Ehefrau – das geht nicht!« Wow, das hat gesessen. Wird mir meine Friseurin künftig ein Buch aufschlagen, in dem Frisuren ausschließlich für Ehefrauen zu sehen sind? Und was genau löst eine – nach Meinung meiner Großtante – »wilde Frisur« in Kombination mit einem Ehering wohl bei anderen Menschen aus? Und nein, ich erwarte keine Antworten auf diese rein hypothetischen Fragen, denn natürlich entscheide ich immer noch selbst, was auf meinem Kopf passiert. Doch als ich mein »Hamburger Schnitzel« anschnitt, fühlte ich mich plötzlich in die 50er Jahre zurückversetzt.

Das Handbuch für die gute Ehefrau

Im Jahr 1955 veröffentlichte die Zeitschrift Housekeeping Monthly eine Art »Handbuch für die gute Ehefrau«. Der Guide gibt eine Liste von verschiedenen Verhaltensweisen vor, die gegenüber dem Ehemann angemessen sind. Darin stehen beispielsweise Richtlinien wie: »Du wirst ihm viel zu erzählen haben, aber seine Rückkehr ist nicht der richtige Moment dafür. Warte, bis er ein Gespräch beginnt und denk immer daran, dass seine Argumente wichtiger sind als deine!« (Wie bitte?) Oder auch: »Mache den Abend zu seinem Moment. Sei nicht aufgebracht, wenn er spät kommt oder außerhalb isst, anstatt seine Zeit mit dir zu verbringen. Versuche zu verstehen, dass sein Leben voll von Stress ist und er sich entspannende Momente verdient hat.« (Ernsthaft??) Äußerst »interessant« ist auch dieser Vorschlag: »Dein Ziel ist es, das Haus zu einem Ort der Ruhe und des Friedens zu machen, wo dein Mann auftanken kann. Langweile ihn nicht mit deinen Beschwerden und Problemen.« (Geht’s noch???) Kaum vorstellbar, wo wir Frauen heute stünden, wenn genau das unsere primären Ziele wären.

Für die Frisur einer »guten« Ehefrau gibt es zwar keine konkreten Richtlinien, doch heißt es dort: »Unterbrich die Arbeiten 15 Minuten bevor er zurückkehrt, sodass du dich zurecht machen kannst. Zieh etwas Sauberes an, schminke dich und steck dir eine Schleife ins Haar.« Mit »unterbrich die Arbeiten« sind natürlich die im Haushalt gemeint. Wer sich zu der damaligen Zeit gezwungen sah, sich an diese Regeln zu halten, sollte natürlich keiner weiteren Tätigkeit nachgehen – der Haushalt, die Kinder und der Ehemann sollten zu jederzeit im Fokus stehen. Und offenbar auch die Schleife im Haar, auf die meine Großtante zwar ganz sicher keinen Wert legt – doch dass die Haare zu jederzeit ordentlich und auf gar keinen Fall wild aussehen, darauf schon. 

Ich für meinen Teil bin ziemlich froh, dass wir das Jahr 1955 längst hinter uns gelassen haben und diese altmodischen Strukturen nur noch sehr selten eine Rolle spielen – und ich bin auch ziemlich froh über meinen Friseurtermin und einen Haarschnitt, der nur mir ganz allein gefallen muss… 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

15 Kommentare

Elisabeth Radicke
#11 — vor 3 Monaten 1 Woche
Hallo ihr Lieben alle,

erst mal freue ich mich. dass sie überhaupt geheiratet haben und in dem Familienkontext liebt der junge Mann sie wohl genau weil sie so ist samt Haaren !!! :) Ich find‹ sie auch schön und dass es nicht langweilig ist auf Gottes schöner Erde, an ihm liegt’s nicht ... worauf solche Artikel manchmal hinauslaufen und woher solche verstaubten Ansichten angeblich kommen sollen ...
Aber Angehörige sind uns ja trotzdem nahe und dem kann man sich auch nicht mit ›Scheinselbstbewusstein‹ entziehen und miteinander reden, vor allem wenn es so ruhig vonstatten geht, hat wirklich noch keinem geschadet. Auch wenn solche merkwürdigen Tipps gut gemeint sind, letztendlich entscheidet die Liebe über den Verlauf der Ehe und die Motive unseres Handelns. Und die hängen nicht an Äußerlichkeiten sondern an unserem Entscheiden und Gott kann schon gut helfen zu sehen und zu verstehen.
Und ich freue mich sehr über den netten Ton dieser Kolumne, da hätte viel Negatives Raum haben können und diese Richtung ist doch schon mal sehr gut. Von Herzen ALLES BESTE!
Claudia Marisa Alves de Castro
#11.1 — vor 3 Monaten 1 Woche
Liebe Frau Radicke, vielen Dank für ihren lieben Kommentar. Ich kann ihnen da nur zustimmen. Auch für sie alles Liebe!

In reply to #11 by Elisabeth Radicke

Therese
#9 — vor 4 Monaten
Also es stö´t mir an diesem Artiekl besonders übel auf, dass anscheinend nicht mal in Erwähnung gezogen wurde, dass beide nach der Hochzeit den Nachnamen der Braut tragen?!?! Das ist allerdings sehr befremdlich und sagt mehr aus, als der belanglose Rest.
Claudia Marisa Alves de Castro
#9.1 — vor 3 Monaten 1 Woche
Hallo liebe Therese, vielen Dank für deinen Kommentar. Wir haben in der Vergangenheit durchaus darüber gesprochen, meinen Nachnamen als Familiennamen zu wählen. Doch so wie er meine Sichtweise verstehen kann, kann ich seine natürlich auch voll und ganz nachvollziehen. Aktuell besprechen wir auch immer wieder eine Kombination beider Namen. Vielleicht wird sich also doch bald etwas ändern ;) Ganz liebe Grüße!

In reply to #9 by Therese

Ingeborg Herrnber
#8 — vor 6 Monaten
Hallo Claudia Marisa! Jetzt schreibt Dir eine deutsche Oma, 81 Jahre alt. Deine Probleme gab es vor vielen Jahren in Deutschland auch. Mädchen durften « das nicht« und »das nicht«. Wir sind heute endlich als Weibliche Menschen freier und anerkannt. Und da sagt uns unser Stolz, was wir tun und lassen. Auch so verhalten wir uns gegenüber jedem Mann. Deine Locken sind wunderschön, entscheide selbst, was Dir gefällt. Mir hat vor 10 Jahren eine Kollegin gesagt»ich trage meine grauen Haare in Ehren«, meine Anwort war« und ich trage meine gefärbten Haare in Ehren. So denke! VIel Freude an Deinem neuen Leben! Es grüßt Dich Ingeborg Herrnberg
Claudia Marisa Alves de Castro
#8.1 — vor 3 Monaten 1 Woche
Hallo liebe Ingeborg, vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Ja, niemand kann es allen Menschen auf dieser Welt recht machen – das müssen wir auch nicht bzw. möchte ich auch nicht. Das wäre doch auch viel zu anstrengend ;) Alles Liebe und viele Grüße aus Hamburg!

In reply to #8 by Ingeborg Herrnber

Ingeborg Herrnber
#7 — vor 6 Monaten
Hallo Claudia Marisa! Jetzt schreibt Dir eine deutsche Oma, 81 Jahre alt. Deine Probleme gab es vor vielen Jahren in Deutschland auch. Mädchen durften « das nicht« und »das nicht«. Wir sind heute endlich als Weibliche Menschen freier und anerkannt. Und da sagt uns unser Stolz, was wir tun und lassen. Auch so verhalten wir uns gegenüber jedem Mann. Deine Locken sind wunderschön, entscheide selbst, was Dir gefällt. Mir hat vor 10 Jahren eine Kollegin gesagt»ich trage meine grauen Haare in Ehren«, meine Anwort war« und ich trage meine gefärbten Haare in Ehren. So denke! VIel Freude an Deinem neuen Leben! Es grüßt Dich Ingeborg Herrnberg
sadelux
#6 — vor 6 Monaten 1 Woche
Ganz ehrlich: Ein leider ziemlich oberflächlicher Artikel, der lediglich die Gefühlswelt eines heranwachsenden Klientels bedient.

Kurz gesagt: Verhaltensnormen aus den 1950ern mit heutigen Maßstäben zu messen ist lächerlich. Im »Idealbild« (nicht zu verwechseln mit der Wirklichkeit) der beschriebenen Zeit war der Mann Alleinverdiener und brachte die Familie durch. Dementsprechend war im »Idealbild« die Aufgabe der Frau den Mann dabei zu unterstützen und die Familie zusammenzuhalten.

Im heutigen »Idealbild« sind beide Parnter studierte Vollverdiener, die sich mit der Kindererziehung abwechseln und dabei trotzdem beide an die Spitze der Karriereleiter klettern.

Beides »Idealbilder« sind (und waren) Quatsch - die Wahrheit liegt (wie immer) irgendwo im Grau dazwischen.

Und dazu passend: Wer mit seinem Vater und seiner Großtante in eine inhaltliche Diskussion über die eigenen Frisur einsteigt, dem fehlt doch ein wenig die Souveränität für die nächste Stufe auf der Karriereleiter.
Markus Maginski
#5 — vor 6 Monaten 1 Woche
@detlef: ein Doppelname mit Bindestrich??? Ich weiss nicht wie ihr Mann heisst, aber was könnte dabei rauskommen? Claudia Marisa Alves de Castro-Müller??? Oder Claudia Marisa Alves de Castro-Schmidthuber??? Nicht im Ernst...
Claudia Marisa Alves de Castro
#5.1 — vor 3 Monaten 1 Woche
Hallo Herr Maginski, ja das wäre wirklich zu lang und diese Möglichkeit ist auch vollkommen ausgeschlossen ;) Liebe Grüße!

In reply to #5 by Markus Maginski

Gerd
#4 — vor 6 Monaten 3 Wochen
Unverschämt in was sich Familienangehörige alles einmischen.
r
#4.1 — vor 6 Monaten 1 Woche
eine schlichtes nein genügt

In reply to #4 by Gerd

Detlef Schlenke
#3 — vor 6 Monaten 3 Wochen
Ein Doppelnachname mit Bindestrich zwischen den beiden Geburtsnamen ist sicherlich praktischer für den Rest des Lebens. Wie soll die Post sonst noch liefern können und wie ists mit Urlaub im Ausland ? Der Reisepass geht sonst kaum bei Besuch einer Bank und so...
Brigitte
#2 — vor 6 Monaten 4 Wochen
Super Beitrag kann das alles gut nachvollziehen. Nur Dein Vater tat mir leid, da er ja offenbar sehr liebevoll über Deine Haare gesprochen hat - ihm dann grinsend gleich wieder alles runter zu räumen erscheint auch nicht cool. Das die Ansichten älterer Menschen anders sind, weiß man ja und da kann man mE auch liebevoller damit umgehen und dennoch seinen eignen Weg beschreiten. Mag sein, dass ich auch erst (zu) spät zu dieser Erkenntnis gelangt bin. Mein Vater ist letzes Jahr verstorben.
Rüdiger
#1 — vor 7 Monaten
Hallo, sehr interessanter Beitrag »Du bist doch jetzt eine Ehefrau«
Er zeigt schön auf in welchen Denkstrukturen sich Menschen bewegen. Und das du zu der neuen Generation gehörst, die out of the Box kommt. Dieses Box Denken, man verhält sich so und nicht anders, ist der auf Familienstrukturen beruhende Überlieferungscodex der einem von Familie aufgezwungen wird. Die neuen Energien in denen wir uns aber bewegen , helfen uns anders zu bewegen. Box Denken kommt überall vor, in Politik, Wissenschaft, Religion, Gesellschaft und nicht zuletzt In der Familie und Freunden. Ich habe angefangen autentisch zu sein, das heißt mich von Erwartungen und Vorschriften zu verabschieden , die nicht meinem Wesen , Denken und Fühlen entsprechen. Es war nicht einfach, die psychologischen Hämmer kommen prompt geliefert. In Form von verbalen Angriffen und Vorwürfen.tut besonders weh, wenn es von Menschen kommt , die einem nahestehen. Nachdem ich diese Vorwürfe aber als manipulativ erkannt hatte, geschah etwas tolles , es hat mich von dem Gefühl der Schuld befreit und ich fühlte mich frei. Das heißt mein Handeln wurde autentisch . Nein heißt nein und ja heißt ja. Natürlich gibt es Situationen, wo man sich anpassen muß , z.B. Job.------- Haare, so schön das du das durchziehst. Ich konnte als Mann z.B.nie lange Haare tragen, mir wurde eingeimpft , sowas macht man nicht , bzw du nicht. Da war meine Mutter srikt. Mein älterer Bruder Rebell der 60 iger trug und trägt sie lang. Als ich endlich lange Haare tragen konnte gingen leider schon die Haare aus. 3 Jahre habe ich dann die Haare nach hinten mit Zopf wie ein alt Hippie geragen, jetzt sind sie ab. Next life I will do it different
Aber deine Locken sind fantastisch und die Frisur steht dir total :Die Familie wird sich daran gewöhnen müssen und auch das du ein wenig anders handelst als man das erwartet. Gut so mach weiter so

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