Warum Dankbarkeit der Schlüssel zum Glück ist…

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Aus diesem Grund sollten wir dankbar sein…
Alle Menschen wollen glücklich sein. Ich natürlich auch. Doch im Alltag fällt auf: Wir konzentrieren uns wesentlich häufiger auf die vermeintlich negativen Dinge und stehen uns und unserem Glück immer wieder selbst im Weg. Wieso fällt es uns so schwer, das Gute zu sehen?
 

In den letzten Tagen habe ich mir einige Gedanken über das Glücklichsein gemacht und mich gefragt, wieso es uns Menschen so schwerfällt, dem Glück in unserem Leben Raum zu geben (Wie man den Unglückstag des Jahres berechnen kann, erfährst du hier). Über das Thema an sich wird seit Jahrhunderten gegrübelt und geforscht – schon die Philosophen der Antike haben über diesen Urwunsch der Menschen geschrieben und sich gefragt, wie dessen Erreichung möglichst nachhaltig in Erfüllung gehen kann. 

Stelle ich FreundInnen oder Familienmitglieder die Frage »Bist du glücklich?« kommt nur sehr selten eine selbstbewusste und klare Antwort. Ich selbst muss häufig sogar eine Weile überlegen, bevor ich dann zaghaft so etwas sage wie: »Ja, eigentlich schon.« Nach meiner Hochzeit war ich mir eine Zeit lang mehr als sicher und beteuerte immer wieder, dass ich der glücklichste Mensch auf dieser Welt sei. Nach einigen Wochen war die Euphorie jedoch verloren, und der Alltag schien mich sogar ein eine kleine Sinnkrise zu stürzen. 

Um glücklich zu sein, braucht es keinen materiellen Reichtum

Obwohl das Glück für verschiedene Menschen auch unterschiedliche Definitionen hat, haben wir doch alle eines gemeinsam. Immer streben wir nach mehr und geben uns meist nur für eine gewisse Zeit mit dem zufrieden, was wir derzeit erreicht haben. »Zu meinem persönlichen Glück fehlen mir noch ein Haus und zwei Kinder.« Oder: »Eine Gehaltserhöhung und jedes Jahr drei Wochen Karibik-Urlaub würden mich so richtig glücklich machen.« Und was kommt danach? Was passiert, wenn wir all unsere Vorstellungen auf unserer bisherigen To-do-Liste des Lebens abgehakt haben? Wir setzen uns neue Ziele. Das ist toll und für die persönliche Entwicklung wunderbar – doch verknüpfen wir auch diese neuen Ziele wieder und wieder mit unserer persönlichen Definition von Glück, dem wir also permanent hinterherhecheln, das wir aber nie erreichen. Wie Dominik Spenst in »Das 6-Minuten Tagebuch« erklärt, sind wir Meister darin, unser Glück mit jedem neuen Ziel endlos nach hinten zu verschieben. Er ist der Meinung, dass wir aber niemals wirklich glücklich werden können, solange wir unter anderem davon ausgehen, dass wir unser Ziel allein durch materiellen Reichtum erreichen können. Indem wir also starr auf das blicken, was wir noch nicht erreicht haben, vergessen wir viel zu oft, wofür wir genau in diesem Moment glücklich und vor allem dankbar sein können. Und das ist sogar eine ganze Menge. 

Wir haben zwei Leben. Das zweite beginnt in dem Moment, in dem wir erkennen, dass wir nur eines haben.

Konfuzius

Dass uns Geld tatsächlich nur bis zu einem bestimmten Punkt »glücklich machen« kann, ist inzwischen sogar wissenschaftlich erwiesen. Geld kann zwar für Sicherheit und Zufriedenheit sorgen, doch braucht es dafür laut der Wissenschaftler Angus Deaton und Daniel Kahneman lediglich ein maximales Jahreseinkommen von umgerechnet etwa 64.000 Euro. Alles, was darüber hinausgeht, hat ihren Untersuchungen zufolge keinen Einfluss mehr auf unser Wohlbefinden, da wir uns eben viel zu schnell an einen gewissen Standard gewöhnen. 

Wer glücklich ist, lebt länger…

Übrigens gibt es auch die Theorie, dass die Fähigkeit zum Glücklichsein bis zu 50 Prozent an unseren Genen liegt. Zu dieser Erkenntnis kam der amerikanische Sozialwissenschaftler Arthur Brooks. Erleben wir dann auch noch im Laufe unseres Lebens vor allem Positives und – besonders wichtig – glückliche Beziehungen (zu den Eltern, Freunden, PartnerInnen), ist die Wahrscheinlichkeit umso höher, dass wir Menschen dauerhaft glücklich werden. So konnte auch herausgefunden werden, dass Personen, die keine feste Partnerin oder festen Partner haben, dafür aber konstante freundschaftliche Beziehungen pflegen, dennoch wesentlich zufriedener und glücklicher sind als Menschen, die die meiste Zeit allein sind. 

Es sind nicht die äußeren Umstände, die das Leben verändern, sondern die inneren Veränderungen, die sich im Leben äußern.

Wilma Thomalla, deutsche Publizistin

Übrigens ist es nicht nur ein diffuses Gefühl, dass ein Mehr an Glück irgendwie erstrebenswert ist. Tatsächlich gibt es handfeste Gründe dafür, das eigene Leben glücklicher zu gestalten: Statistiken zeigen, dass glückliche Menschen kreativer, produktiver und insgesamt lebensfroher sind. Zudem leiden sie seltener an Diabetes, Bluthochdruck und Depressionen. Ihr Immunsystem ist stärker, und auch die Gefahr, einen Herzinfarkt zu erleiden, sinkt. Insgesamt soll sich ihre Lebenserwartung um bis zu fünf bis zehn Jahre erhöhen!

Wie werde ich glücklich?

Aber wie anstellen? Nach allem, was ich in den letzten Tagen gelesen und erfahren habe, ist Glück vor allem ein Ergebnis der inneren Einstellung. Wie bereits erwähnt, sollten wir auf keinen Fall versuchen, unser Glück im Materiellen zu suchen oder von der nächsten Beförderung abhängig zu machen. Sondern: Die Wissenschaft ist sich sicher, dass wir vor allem durch Dankbarkeit langanhaltend glücklich, zuversichtlicher und sogar tatkräftiger werden. Wer dankbar ist, erlebt ein tiefes Gefühl der Daseinsfreude und der Genügsamkeit, erklärt auch Coach und Bloggerin Ulrike Bossmann auf ihrem Blog »Soulsweet«.

Es gibt mehrere Möglichkeiten, um sich in Dankbarkeit zu üben. Ich schreibe seit Kurzem jeden Morgen nach dem Aufwachen drei Dinge in mein 6-Minuten Tagebuch (hierüber werde ich in den kommenden Wochen noch ausführlicher berichten), für die ich dankbar bin. Somit starte ich positiv in den Tag und gebe den positiven Dingen mit der Zeit immer mehr Raum in meinem Leben – so die Theorie. Wie sich das kleine „Experiment“ in meinem Alltag bemerkbar macht, wird sich zeigen. Ich bleibe auf jeden Fall dran, denn das nächste Mal, wenn mich jemand fragt, ob ich glücklich bin, möchte ich laut und selbstbewusst mit einem Lächeln sagen: »Ja, das bin ich!«

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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