So war der allererste Urlaub mit meinen Großeltern

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: privat
Meine Großeltern und ich auf Fehmarn

Am vergangenen Wochenende waren mein Mann und ich zusammen mit meinen Großeltern auf Fehmarn. Dies war der allererste Urlaub mit den Menschen, denen ich so viel zu verdanken habe. 

 

In meiner Kindheit habe ich jedes Wochenende bei meinen Großeltern verbracht. Jeden Freitag begann für mich eine Art »Feriengefühl«, von dem ich mich sonntags nur schwer wieder trennen konnte – häufig fiel der Abschied sogar tränenreich aus. Als ich immer älter wurde, wurden auch die Übernachtungen seltener – gesehen haben wir uns dennoch regelmäßig. Mit meinem Umzug nach Hamburg wurden die Momente mit meinen Großeltern dann noch rarer. Aus diesem Grund ist das letzte Wochenende auch etwas ganz Besonderes für mich.

Der erste Urlaub seit Jahrzehnten

Um uns für ihre Liebe, Großzügigkeit und Unterstützung in allen Lebenslagen zu bedanken, haben mein Mann und ich meinen Großeltern ein verlängertes Wochenende auf Fehmarn geschenkt. Ich hatte noch nie zuvor einen richtigen Urlaub mit den beiden unternommen. Die »Wochenendurlaube« in meiner Kindheit und Jugend verbrachten wir zumeist auf der heimischen Terrasse und schoben allenfalls immer wieder Tagesausflüge in einen Freizeitpark oder an einen Badesee ein. Schon allein deshalb beschloss ich, dass es höchste Zeit wurde, meine Großeltern endlich einmal aus ihrem Alltag herauszuholen. Und obwohl der Wetterbericht auch einen Tag vor Abreise noch Dauerregen ankündigte, freuten wir uns auf die Tage im Ferienhaus direkt am Meer. Am Freitagmittag ging es los, doch nicht auf direktem Weg auf die, wie es heißt, sonnenreichste Insel Deutschlands: Vorher machten wir noch Halt in Lübeck. Hier spazierten wir durch die schöne Altstadt und deckten uns bei Niederegger mit Marzipan ein. Danach entschieden wir uns noch für einen weiteren Zwischenstopp in Heiligenhafen. Nach Kaffee und Kuchen schlenderten wir durch die Kleinstadt, bevor es dann endlich über die berühmte Fehmarnsundbrücke auf die Insel ging.

Das erste Mal gemeinsam im Urlaub…

So hat uns Fehmarn überrascht

Die Unterkunft hatten wir bereits mehrere Wochen im Voraus auf einer Plattform für Ferienwohnungen und -häuser im Internet gebucht und wurden nicht enttäuscht. Der über 60 Quadratmeter große Bungalow mit zwei Schlafzimmern, neuer Küche und neuem Badezimmer sowie großem Wohn- und Essbereich und einer tollen Terrasse mit Grill und gepflegter Wiese, sorgte dafür, dass wir uns direkt wohlfühlten. Besonders traumhaft war der Blick auf die Ostsee, der sich uns aus fast allen Bereichen der Wohnung bot. Nachdem wir das Meer nach unserer Ankunft ausgiebig begrüßt hatten, machten wir uns auf den Weg, um alles für einen entspannten Grillabend zu besorgen – so ging unser erster Tag mit leckerem Essen und schönen Gesprächen zu Ende.

Am nächsten Morgen wurden wir völlig unerwartet von der Sonne überrascht, die sich (noch viel überraschender) bis zu unserer Abreise von ihrer allerbesten Seite zeigte und uns sogar einen leichten Sonnenbrand verpasste. Zu solchen Überraschungen kommt es hier wohl häufiger – was auch die Ferienhausbesitzer noch einmal unterstrichen: Die gewöhnliche Handywettervorhersage liegt meistens falsch. Wer so hoch in den Norden fährt, sollte sich eher das dänische Wetter oder das Küstenwetter vom Deutschen Wetterdienst anschauen und dabei auch darauf achten, aus welcher Richtung der Wind kommt. Denn oftmals ziehen die Regenwolken an der Insel vorbei. 

Wir schätzten uns glücklich und nutzten das gute Wetter für eine Fahrradtour mit verschiedenen Stopps, unter anderem am Südstrand und in Burg, dem mit etwa 6.000 Einwohnern größten Ort und gleichzeitig demZentrum der StadtFehmarn.Nach knapp 25 Kilometern war ich übrigens mehr als stolz: Mein Großvater ist gerade 76 Jahre alt geworden und meisterte die Tour so, als wäre er gerade einmal halb so alt.

Ansonsten besuchten wir während unseres Aufenthaltes noch ein Museum, gingen am Strand spazieren und spielten Spiele auf der sonnigen Terrasse unserer Unterkunft. Und schick essen gegangen sind wir natürlich auch – besonders gut hat es uns in einem auf der Insel bekannten Fischlokal, in der Aalkate,  geschmeckt.

Mit dem Fahrrad lässt sich die Insel bestens erkunden…

Fehmarn ist immer einen Besuch wert

Nach meinem ersten Besuch auf Fehmarn kann ich also mit Sicherheit sagen, dass das nicht mein letztes Mal auf der Insel gewesen sein wird. Dabei spielt es für mich kaum eine Rolle, ob man bei hochsommerlichen Temperaturen die Tage am Strand verbringt oder sich bei schlechterem Wetter anderweitig beschäftigt. Zu tun gibt es genug. Neben zahlreichen Kirchen gibt es mehrere Museen, Häfen, Leuchttürme, Naturschutzgebiete und vieles mehr zu besichtigen. Wer einen Tagesausflug nach Dänemark machen möchte, hat es übrigens auch nicht mehr weit. Das einzige, was uns »negativ« aufgefallen ist, sind die zum Teil extrem schmalen Straßen, auf denen sich zwei entgegenkommende Autos nur mit großer Vorsicht aneinander vorbeischlängeln können. Doch wer kann, sollte das Auto ohnehin einfach stehen lassen. Die insgesamt 185 km² große »Sonneninsel« lässt sich auch zu Fuß oder mit dem Fahrradziemlich gut erkunden. 

 

Der allererste Kurzurlaub mit meinen Großeltern war definitiv eine tolle und besondere Erfahrung für mich. Im nächsten Jahr möchten wir wieder zusammen wegfahren. Ob es dann wieder nach Fehmarn geht oder auf eine andere Insel, haben wir noch nicht entschieden. Doch dies scheint der Beginn einer wundervollen Tradition zu sein, auf die ich schon nach dem ersten Mal gar nicht mehr verzichten mag… 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

Rolf-Peter Lacher
#1 — vor 2 Monaten 2 Wochen
Nun ja, man hätte - bei aller Diskretiom - gern erfahren, wie sich denn die Großeltern geäußert haben. Vielleicht spielte die Erinnerung an die Kindheit der Autorin eine Rolle. Vielleicht haben die Großeltern von ihrem Alltag geredet, den dieses Wochenende auf glückliche Weise unterbrochen hat. Das weiß man nicht. Man erfährt vor allem: Fehmarn ist eine Reise wert.
Wir sind auch,Großeltern. Mit unseren Enkeln halten wir es ganz anders: wann immer einer acht, neun Jahre alt war bzw. sein wird, machten bzw. machen wir mit ihm eine Reise nach China. Auf diese Weise haben alle mit uns gemeinsame Erinnerungen.

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