Warum ich keine Lust auf den Black-Friday-Wahnsinn hatte

02.12.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro

Es war ein Tag, auf den viele bereits das ganze Jahr über gewartet hatten: In der vergangenen Woche (am 23. November) fand der Black Friday statt – und am Montag (dem 26. November) wurde der von Amazon ins Leben gerufene Cyber Monday mit zusätzlichen Rabatten zelebriert. Inzwischen sind das für mich zwei Tage, an denen ich mich viel lieber bewusst nach wirklich sinnvollen Schnäppchen und Aktionen umschaue.

Schon lange Zeit vor dem Black Friday platzte mein E-Mail-Postfach aus allen Nähten. Obwohl ich gerade erst einige Newsletter deabonniert hatte, bekam ich beinah stündlich Nachrichten wie diese: „Nicht verpassen: 30 % am Black Friday“, „Verpasse nicht deinen Black Friday Deal“ oder „Wahnsinn! Bis zu 70 % reduziert“. Und auch über Social Media bekam ich durch die allgegenwärtige Werbung und diverse Influencer beinah das Gefühl vermittelt, dass es ein großes Verbrechen sei, an diesem „besonderen“ Schnäppchen-Tag nicht hemmungslos einzukaufen.

Maßlosen Konsum finde ich unangebracht

Doch genau wie in den Jahren zuvor galt für mich auch in diesem Jahr die Devise, dass ich auf gar keinen Fall etwas kaufen möchte, nur weil es fast nichts mehr kostet. Was ich nicht wirklich brauche oder mir nicht bereits seit langer Zeit wünsche, findet auf gar keinen Fall den Weg in einen Warenkorb. Denn so ein Verhalten finde ich ehrlich gesagt unverständlich. Bei dem Gedanken daran, wie viele Menschen in den letzten Tagen Dinge gekauft haben, weil der niedrige Preis es scheinbar verlangte, wurde ich nachdenklich. Denn aktuell gibt es doch so vieles, auf das wir uns besinnen solltenmaßloser Konsum ist, selbst kurz vor Weihnachten, meiner Meinung nach wirklich unangebracht.

Der Black Friday generiert Milliarden-Umsätze

Für die Einzelhändler ist der Black Friday jedoch der wichtigste Tag im Jahr. In den USA leitet dieser – immer einen Tag nach Thanksgiving – das Weihnachtsgeschäft ein. Und auch in Europa wird der Black Friday immer beliebter und sorgt für Milliarden-Umsätze. Allein in Deutschland betrug der Umsatz in diesem Jahr etwa 2,4 Milliarden Euro und somit etwa 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Und auch ich habe in geringem Maß dazu beigetragen. Meine Online-Shopping-Black-Friday-Ausbeute: Ein Travel Case für meine elektrische Zahnbürste und einen Blumenstrauß eines kleineren Anbieters, dem ich nun seit vielen Jahren eine treue Kundin bin. Wie ich finde ein äußerst überschaubarer Einkauf – doch genau so wollte ich es schließlich auch halten.

Black-Friday-Aktionen, die wirkliche Freude bereiten

Doch wie wir wissen, ist nach dem Black Friday vor dem Black Friday. Wer also ähnlich wie ich schon in diesem Jahr dachte, dass dieser Tag auch anders und vielleicht sogar sinnvoller gestaltet werden kann, kann es 2019 gleich einmal ausprobieren.

Bei kleinen Unternehmen kaufen

Ein guter Anfang, um der Maßlosigkeit den Rücken zu kehren, ist mit Sicherheit, den Einkauf – ob online oder offline – auf ein Minimum zu reduzieren bzw. wirklich nur das zu kaufen, was persönlich als wichtig oder nützlich erachtet wird. Ebenfalls gut: Ob reduziert oder nicht, es lohnt sich immer an kleinere Unternehmen zu denken, diese zu unterstützen und nicht nur bei großen Konzernen einzukaufen.

Spendenaktionen unterstützen

Ich finde es außerdem wirklich toll, bewusst dort zu kaufen, wo die Einnahmen in Form von Spenden an Menschen und Organisationen gehen, die das Geld dringend brauchen. Meine Kollegin hat mich auf eine Aktion von dm aufmerksam gemacht: Der Black Friday wurde hier kurzerhand zum „Giving Friday“ umbenannt. Was dabei herauskam, ist einfach unglaublich! 5 Prozent des gesamten Tagesumsatzes wurden für die Bildung von Kindern und Jugendlichen gespendet – die Spendensumme betrug am Ende stolze 1.485.315,68 Euro.

Bereits 2012 wurde der Giving Tuesday als Gegenbewegung zum Black Friday ins Leben gerufen. Vor einigen Tagen – und natürlich auch wieder im nächsten Jahr – organisieren Vereine und Organisationen auch direkt und ohne Umwege Spendenaktionen. Seit 2015 spielt dieser Tag auch bei uns in Deutschland eine große Rolle. Die Anlaufstelle mit allen wichtigen Informationen ist betterplace.org. Unter dem Motto „Verschenk keinen Plunder, spende für Wunder!“ kann jeder auch heute noch etwas Gutes tun.

Make Smthng Week

„Gemeinsam wollen wir zeigen, wie ein zukunftsorientierter, nachhaltiger Umgang mit unseren Ressourcen möglich ist. Sei dabei und werde ein Teil unserer weltweiten Bewegung!“ – Initiatoren von „Make Smthng“

Und dann gibt es da noch die Make Smthng Week, die immer am 23. November startet. Die Online-Challenge steht unter dem Motto: Selbermachen statt neu kaufen. Die Aktion, mit der Konsumalternativen aufgezeigt werden sollen, wurde von Greenpeace ins Leben gerufen. Unterstützend mit an Bord sind internationale Partner wie Fashion Revolution, Shareable, Fab City Global Initiative, Fab Labs community, #breakfreefromplastic und Arts Thread.
Noch bis zum 2. Dezember gibt es weltweit verschiedene Veranstaltungen und Workshops, bei denen es beispielsweise um Kleidertausch, Fermentieren und Kompostieren, Do-it-Yourself-Kosmetik oder Zero-Waste-Alternativen geht. Wer möchte, kann zum Thema „Make Smthng – by nothing“ auch selbst Veranstaltungen ins Leben rufen.

Und wer sich dem Black Friday inklusive Schnäppchen-Wochenende und Cyber Monday einfach komplett entziehen möchte, kann auch ganz einfach die Innenstädte und Online-Shops dieser Welt meiden und mal wieder einen ausgiebigen Spaziergang genießen, ein spannendes Buch lesen oder Zeit mit der Familie verbringen. Ich finde, das klingt nicht nur äußerst sinnvoll, das ist es auch!

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Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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