Safari meines Lebens – Teil 2

04.11.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Safari meines Lebens – Teil 2

Es sah ganz danach aus, als sei das Glück auf unserer Seite. Denn schon bald sollten wir den nächsten Haken hinter eines der Tiere der Big Five setzen können…

Und tatsächlich: In der Serengeti stießen wir sogar auf zwei Leoparden, von denen wir allerdings zunächst nur einzelne Körperteile erspähen konnten: Eine Leopardin fanden wir auf einem Baum liegend. Zu sehen war lediglich ihr Schwanz, eine Hinterpfote und ein Teil ihres schlanken Körpers. Noch am selben Tag entdeckten wir ein weiteres Leopardenweibchen, das uns nur ihren schönen Kopf präsentierte und den Körper hinter einer Felswand versteckte. Doch das sollten nicht die einzigen beiden Leoparden bleiben…

Eine unerwartete Verabschiedung

Am nächsten Morgen verließen wir das Kati Kati Zeltcamp nur schweren Herzens. Inzwischen wissen wir: Mitten in der Savanne in einem Zelt zu übernachten, ist einfach das Größte. Nachts konnten wir die Löwinnen auf der Jagd rufen und die Hyänen lachen hören. Morgens beobachteten wir aus dem Zelt heraus die Giraffen beim Frühstück, die es sich nur etwa 50 Meter von uns schmecken ließen. Und auch die Angestellten des Camps haben wir in unser Herz geschlossen. Wie ich finde, ist neben der Natur vor allem das Camp ein guter Grund, um der Serengeti einen Besuch abzustatten.

Serengeti Tansania
Bildquelle: privat

Beim Verlassen des Nationalparks sollten wir dann aber noch eine Überraschung erleben. Ganz dicht am Straßenrand warteten eine Gepardin und ihre drei Babys auf uns (ich habe noch nie etwas Niedlicheres gesehen). Wir beobachteten die vier eine kurze Zeit, und mit diesen wundervollen Bildern verließen wir die Savanne und begaben uns zurück auf die huckelige und staubige Piste, die uns einiges abverlangte. Da die Rückfahrt extrem anstrengend war, fuhr uns Anwar in die nächste Lodge – am Nachmittag hatten wir so Zeit, uns zu erholen. Es ging in das Ngorongoro Farm House, eine Lodge, die uns sofort in ihren Bann zog. Wie der Name schon sagt, gibt es hier neben den wundervollen Unterkünften auch einen laufenden Farmbetrieb. Zahlreiche Obst- und Gemüsesorten sowie Blumen und Kaffee werden hier angebaut, geerntet und in dieser und anderen Lodges weiterverarbeitet.

Ngorongoro Farmhouse
Bildquelle: privat

Die Big Five: Check!

Nach einer erholsamen Nacht ging es für uns auf große Mission. Im Ngorongoro-Krater leben tatsächlich noch einige Nashörner (in Tansania gibt es insgesamt nur noch ca. 133) – das letzte Tier, das wir noch sehen mussten, um auf unserer Liste alle Big Five abhaken zu können. Im totalen Nebel fuhren wir erst auf knapp 2000 Meter nach oben und dann wieder nach unten in das ehemalige Vulkangebiet. Im Gegensatz zu den vergangenen Tagen war es jetzt erstaunlich kalt. Wir fuhren an Büffeln und Gnus vorbei und entdeckten plötzlich eine Herde von schätzungsweise knapp 1000 Zebras – ein sensationeller Anblick. Und dann wurde es noch ein bisschen sensationeller, denn mitten unter ihnen befand sich tatsächlich eine Nashornmutter mit ihrem Kleinen. Ziemlich weit weg, aber vor allem im Profil erkennbar: Das große und auch das kleine Horn. Trotz der Kälte, die uns immer mehr in die Glieder fuhr, versuchten wir, so viele Fotos wie möglich zu schießen und natürlich die Situation einfach nur zu beobachten und zu genießen.

Und dann wurde es plötzlich unruhig. In der Nähe der Nashörner rannten die Zebras abrupt los,
eine Staubwolke wurde aufgewirbelt, durch die man das, was sich dort gerade abspielte, nur schemenhaft erkennen konnte: Eine Löwenherde, die sich offenbar im hohen Gras versteckt gehalten hatte, überraschte die Zebras und schnappte sich eines der kleineren Tiere. Ein Naturschauspiel, das nur natürlich ist – dennoch tat mir die Zebramutter leid, die eine lange Zeit nicht ablassen konnte und sich den Löwen immer wieder näherte, um nach ihrem Kleinen zu schauen.

Ngorongoro Krater Tansania
Bildquelle: privat

Eine Rettung in letzter Sekunde

Den Tag über verbrachten wir noch im Ngorongoro-Krater, bevor wir uns schweren Herzens auf den Rückweg machten. Unterwegs blieben wir noch mehrfach stehen, um Zebras und Gnus zu beobachten und vor uns die Straße überqueren zu lassen – und um Hyänen beim Schmusen im Matsch zuzuschauen. Und dann wurde es plötzlich noch einmal dramatisch. Über Funk bekam unser Guide Anwar immer wieder Informationen auf Suaheli. Und plötzlich drückte er aufs Gas. Hinter uns wirbelte der Staub auf, und wir fragten ihn immer wieder, wohin er uns bringen würde, bis uns plötzlich ein Jeep mit einem Anhänger entgegenkam. Darauf zu sehen war ein Käfig, in dem ein Leopard vor Angst fauchte. Das Tier hatte sich offenbar in ein Dorf verirrt. Die Bewohner hatten versucht, ihre Kinder und das Vieh zu schützen und hatten den Leoparden angegriffen. Mit blutigem Gesicht wurde die Raubkatze tiefer in das Naturschutzgebiet gefahren. Unser Guide erklärte uns, dass ein Tierarzt ihn vor der Auswilderung erst noch versorgen würde.

Nach dieser großen Aufregung fuhren wir einen langen Weg nach oben und hinaus aus dem Krater. Und dann wurde uns bewusst, dass unsere Safari damit tatsächlich beendet war. Wehmütig ging es für uns zurück ins Farm House, wo wir noch eine Nacht verbrachten. Am nächsten Morgen fuhren wir mit Anwar zurück nach Arusha. Nach einer mehrstündigen Fahrt wurden wir dorthin zurückgebracht, wo unsere Safari mit dem Briefing vor sieben Tagen begonnen hatte. Da die letzten Tage so intensiv, atemberaubend und berührend gewesen waren, konnte ich meine Tränen nicht unterdrücken – und obwohl noch ein entspannender Badeurlaub auf Sansibar vor uns lag, wäre ich am liebsten direkt wieder zurück in die Serengeti gefahren. Und in diesem Moment kamen mir wieder die Worte von Autor John Strelecky ins Gedächtnis: „Man kann Afrika nicht einfach besuchen und dann wieder wegfahren. Man wird vielmehr ein Teil davon und das Land nimmt einen Platz tief in der eigenen Seele ein.“ Ab diesem Moment wurde mir wirklich bewusst, was Strelecky mit diesen Worten gemeint hatte. Ich konnte es fühlen.

Ich bin so unendlich glücklich und dankbar dafür, dass ich diese Reise machen durfte und konnte. Die Eindrücke und Erlebnisse werden für immer tief in meinem Herzen ruhen. Und eines Tages möchte ich auf jeden Fall zurückkehren – und dann vielleicht sogar für eine längere Zeit…

Sansibar: Mapenzi Beach
Sansibar: Mapenzi Beach ; Bildquelle: privat

Du hast den ersten Teil meines Abenteuers verpasst? Hier geht es zum Artikel!

Meine persönlichen Safari-Tipps

Tipp 1: Verzichte auf Hartschalenkoffer: Wenn du unterwegs bist, bietet sich grundsätzlich so wenig Gepäck wie möglich an – aber gerade Hartschalenkoffer sind eher unpraktisch. Kleinere Stoffreisetaschen kommen auch bei den Fahrern und dem Personal in den Lodges gut an.

Tipp 2: Fernglas nicht vergessen: Manchmal sind die Tiere sehr weit weg. Wer das Fernglas vergisst, lässt sich eventuell sehr viele wundervolle An- und Augenblicke entgehen.

Tipp 3: Unbedingt ein Teleobjektiv besorgen: Auf einer Safari kommt man leider mit der Handykamera oder einer Kamera mit einem kleinen Objektiv nicht sehr weit und wird die Tiere im Anschluss nur beschreiben und nicht auf einem schönen Foto zeigen können.

Tipp 4: Helle Funktionskleidung schützt vor Mücken- und Fliegenstichen: Vor allem in Tansania gibt es neben stechfreudigen Tsetsefliegen (übertragen die Schlafkrankheit) auch Malariamücken und Mücken, die das Gelbfieber übertragen. Gegen Letzteres muss man ohnehin geimpft sein, um einreisen zu dürfen. “Angriffe” können allerdings eingedämmt werden, wenn man sich in lange und helle Kleidung hüllt.

Tipp 5: Öfter aufstehen und dehnen: Durch die langen Fahrten auf den unebenen Straßen kann es schnell zu Rückenschmerzen kommen. Sobald sich eine Gelegenheit ergibt, sollte man daher nicht vergessen aufzustehen und ein wenig umherzugehen. Am Morgen oder Abend sind zusätzlich ein paar Dehnübungen empfehlenswert. Dein Rücken wird es dir danken.

Tipp 6: Vegetarisch oder vegan: Wer auf einer durchorganisierten Safari-Tour Extra-Wünsche hat, was das Essen betrifft, kann sich fast immer darauf verlassen, zumindest etwas Vegetarisches serviert bekommen zu können. Doch im Allgemeinen ist die Küche in Tansania sehr fleischlastig. Um ständige Erklärungen zu vermeiden, lohnt es sich also, dem Veranstalter spezielle Wünsche im Vorhinein mitzuteilen.

Tipp 7: Kamera weg und genießen: Klar möchte man alle wundervollen Eindrücke festhalten – doch kann ich nur raten, die Kamera auch einmal für mehrere Minuten aus den Händen zu legen, um die Umgebung und die Tiere einfach nur zu beobachten und auf sich wirken zu lassen. Diese Momente bleiben garantiert für alle Ewigkeit im Gedächtnis verankert.

Tipp 8: Ein Tuch als Mundschutz: Vor allem auf dem Weg in die Serengeti gelangt trotz geschlossener Fenster so viel Staub in den Jeep, dass man es kaum noch wagt, tief ein- und auszuatmen. Ein Mundschutz ist wärmstens zu empfehlen.

Tipp 9: Höre unbedingt auf die Anweisungen des erfahrenen Guides: In der Wildnis haben die Tiere das Sagen. Aus diesem Grund ist es wichtig, immer auf die Worte des Fahrers und des Personals in den Lodges zu hören und ihnen zu vertrauen.

Das Beitragsbild ist übrigens von privat

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Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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