Safari meines Lebens – Teil 1

28.10.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Marisa macht's sichtbar: Abenteuer Safari

Ich bin zurück aus den Flitterwochen – und von einer Reise, die ich am liebsten immer und immer wieder erleben würde…

“Man kann Afrika nicht einfach besuchen und dann wieder wegfahren. Man wird vielmehr ein Teil davon und das Land nimmt einen Platz tief in der eigenen Seele ein.” Dies sind die Worte von John Strelecky, dem Autor von “Safari des Lebens” – einem Buch, das wir von lieben Freunden zur Hochzeit geschenkt bekommen haben. Während der Reise nahm ich mir jeden Abend etwas Zeit, um darin zu lesen. Schnell wurde mir klar, dass das, was ich dort las, tatsächlich zum Teil mit dem übereinstimmte, was wir erlebten.

Wo sind die anderen?

Ähnlich wie die Hauptfigur Jack haben auch wir uns vor mehr als drei Wochen auf den Weg nach Afrika, genauer: nach Tansania (Ostafrika) gemacht – nicht etwa, um monatelang nach dem Sinn des eigenen Lebens zu suchen, sondern um unsere Flitterwochen mit einer Safari zu beginnen und die Natur, die Leute und speziell diesen Teil Afrikas besser kennenzulernen. Am Kilimanjaro Airport angekommen ging es für uns mit einem Safari-Jeep (schon bei der kurzen Fahrt stellte sich direkt ein Hochgefühl ein) in die erste Lodge, in der wir den Abend und die Nacht verbrachten. Eine ziemlich aufregende Situation, denn am nächsten Morgen sollten wir nicht nur von unserem Fahrer abgeholt werden und mit der Safari starten, sondern auch den Rest der Gruppe kennenlernen, mit der wir ganze sieben Tage zusammen durch verschiedene Nationalparks fahren sollten.

Marisa macht's sichtbar: Abenteuer Safari
Bildquelle: privat

Beim Frühstück am nächsten Morgen schauten wir uns die Leute ganz genau an und rätselten, welche Paare, Familien oder Einzelpersonen sich wohl zu uns gesellen würden. Und dann hieß es warten. Im Eingangsbereich der Lodge schauten wir zu, wie immer wieder Menschen abgeholt wurden und sich mit ihrem Guide bekanntmachten. Als fast niemand mehr da war, stand er plötzlich vor uns. Groß und mit einem freundlichen und breiten Lächeln stellte sich Anwar uns vor. Der 37-Jährige arbeitet seit zehn Jahren als Fahrer und hat schon unzählige Touren geführt. Er begleitete uns zu seinem Jeep und startete den Motor. Moment mal, dachten wir, wo sind denn die anderen? “Es gibt keine anderen”, sagte er und überraschte uns sichtlich mit dieser Information. Das Reisebüro hatte uns zwar im Vorhinein erklärt, dass die Fahrten häufig in Kleingruppen durchgeführt würden. Dass damit aber auch nur zwei Personen gemeint sein könnten, hätten wir nie gedacht. Und zu Beginn waren wir für einen kurzen Augenblick sogar etwas enttäuscht, da wir uns auch schon ein bisschen darauf gefreut hatten, neue Leute kennenzulernen.

“Jambo – willkommen zu Hause”

Doch die Enttäuschung wich schnell dem Staunen, als wir unseren ersten kleinen Stopp in der pulsierenden Stadt Arusha (im Nordosten Tansanias) einlegten, um dort noch ein Briefing für die kommenden Tage zu erhalten. Eine junge Frau ging mit uns die geplante Route durch, gab uns Tipps dazu, wie wir uns in Gegenwart der Tiere verhalten sollten und welche Kleidung angebracht sei. Und dann schaute sie mich an, deutete auf meine Haare und fragte, woher wir kämen. Wir erklärten ihr, dass ein großer Teil meiner Familie aus Westafrika stamme. Mit einem breiten Grinsen sagte sie daraufhin: “Also dann, willkommen zu Hause, Claudia”. Davon abgesehen, dass ich mich tatsächlich von Anfang an wie zu Hause fühlte (was vor allem an den netten Menschen lag, die wir bis zu diesem Zeitpunkt bereits hatten treffen dürfen), freute ich mich sehr über diese Begrüßung.

Zebratränke: Tansania
Bildquelle: privat
Marisa macht's sichtbar: Safari
Bildquelle: privat

Die erste Begegnung mit den “Gentle Giants”

Bevor es dann zum ersten Mal auf einen sogenannten “Game Drive” ging, fuhr uns Anwar in unsere nächste Unterkunft, das Maramboi Tented Camp, wo wir zunächst unser Gepäck abstellten und ein Mittagessen bekamen. Eine Location, die mit Worten kaum zu beschreiben ist. Egal, wo wir standen oder saßen – aus jeder Position konnten wir Giraffen, Zebras oder Gnus beim Fressen und Trinken beobachten. Ab und zu kam eine Herde Warzenschweine vorbei. Wir waren mitten in der Wildnis und genossen die wundervollen Ausblicke. Nach dem Essen fuhren wir in den Tarangire-Nationalpark, wo wir direkt auf eine kleine Herde Zebras, eine Giraffe und unseren ersten Elefanten trafen. Obwohl das Tier ein ganzes Stück von uns entfernt war, klopfte mein Herz beinah hörbar. Ich war so aufgeregt und konnte es kaum glauben. Und dann kamen wir den „Gentle Giants“ – den „sanften Riesen“, wie Anwar die Elefanten nannte –, so richtig nah. Bereits von Weitem konnten wir eine Herde von etwa 15-20 Elefanten erspähen, die sich aufgrund ihrer gedämpften Hufe beinah geräuschlos bewegen können.

Elefanten im Tarangire Nationalpark Tansania
Bildquelle: privat

Unser Guide fuhr ganz nah an die Herde heran, stellte den Motor ab und bat uns, einfach nur ruhig zu bleiben und auf ihn und die Tiere zu vertrauen. Und so standen wir in völliger Stille in dem Jeep mit dem zuvor geöffneten Dach und beobachten, wie große und kleine Elefanten unseren Weg kreuzten, kurz skeptisch zum Auto schauten und dann ganz entspannt weiterliefen – bis sie schließlich komplett verschwunden waren. In den kommenden Tagen sollten wir noch weitere Momente wie diesen erleben dürfen. Immer wieder faszinierend, atemberaubend und schön.

Probier’s mal mit Gemütlichkeit…

Nach einem entspannten Abend in der Lodge und einem leckeren vier Gänge-Menü (worüber wir uns von nun an beinah täglich zum Mittag- und Abendessen freuen durften, was für uns mehr als ungewohnt war), ging es am nächsten Morgen weiter zum Lake-Manyara-Nationalpark. Hier machten wir uns auf zu einer heißen Quelle, beobachteten Büffel beim Grasen und Nilpferde beim Gemütlich-durch-den-See-Gleiten. Einige Zeit später begegneten wir einer großen Pavianfamilie, die sich uns völlig angstfrei in den Weg setzte, um gemütlich ihr Mittagessen zu genießen. Da wir erst einmal keine Chance hatten, auf der Straße voranzukommen, blieb uns minutenlang nichts anderes übrig, als diese fantastische Szenerie einfach nur zu beobachten. Am späten Nachmittag verließen wir den Nationalpark, um in der nächsten Unterkunft einzuchecken und den Abend gemütlich ausklingen zu lassen.

Pavian im Lake Manyara National Park Tansania
Bildquelle: privat

“Are you the teacher?”

Auf den nächsten Morgen freuten wir uns besonders, denn nach mehreren Stunden Fahrt stand für uns nicht nur der Besuch in einem Massai-Dorf und in der sogenannten “Wiege der Menschheit” an (in der Olduvai-Schlucht wurden unter anderem Hominide gefunden), sondern auch die Fahrt in die Serengeti (übersetzt: ‘das endlose Land’). Unser Weg führte uns über äußerst staubige und huckelige Pisten, was die Fahrten zum Teil sehr anstrengend machte. Während der Besichtigung des Massai-Dorfes und des dazugehörigen “Kindergartens” durfte ich eine sehr lustige Begegnung machen. Während wir mit den Kindern interagierten, traten zwei ebenfalls deutsche Touristen in die Hütte, grinsten mich an und fragten aufgeregt: “Are you the teacher?” Wie sie darauf kamen? Meine lockigen Haare und mein dunklerer Teint ließen mich in ihren Augen perfekt mit der Szenerie verschmelzen. Der Gedanke an diese Situation bringt mich auch jetzt noch unweigerlich zum Grinsen, denn damit wäre ich also die allererste weibliche Massai in einer Funktionshose.

Nachdem wir Olduvai hinter uns gelassen hatten und das Tor zur Serengeti durchfuhren, dauerte es keine zehn Minuten, bis sich uns die erste Gepardin präsentierte. Im Schatten an einen Felsen gelegt ruhte sie sich aus und schien nur darauf zu warten, dass erneut die Nacht über die Serengeti hereinbricht, um wieder auf die Jagd gehen zu können.

Gepardin in der Serengeti
Bildquelle: privat

Zwei Tage lang – die Nächte verbrachten wir im Kati Kati Zeltcamp (die Camps werden nach etwa einem Jahr an einen anderen Ort verlegt, um an der Stelle, wo die Zelte standen, das Gras wieder wachsen zu lassen) – sahen wir neben den schönsten Sonnenuntergängen noch mehr Elefanten, Paviane, zahlreiche Löwenfamilien, Nilpferde und Büffelherden, diverse Vogelarten, Giraffen und Hyänen, unzählige Gnus, Gazellen und Zebras. Anwar hatte uns vorher erklärt, dass wir auf gar keinen Fall enttäuscht sein sollten, wenn es uns nicht gelingen würde, die Liste der Big Five zu vervollständigen. Denn gerade bei Nashörnern und Leoparden gestalte es sich in der Regel als äußerst schwierig, diese zu entdecken. Bis zu diesem Zeitpunkt konnten wir jedoch schon drei Haken setzen: Wir hatten Elefanten, Büffel und Löwen gesehen.

Ob wir das Glück hatten, doch noch alle Big Five zu sehen, und wie die Reise weiterging, erfährst du in der nächsten Woche…

Das Beitragsbild ist von privat

share:
FacebookPinterest
Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

  1. Thormut Gilbert

    Hallo !

    Ich hab den Reisebericht mit grosser Aufmerksamkeit gelesen und muss sagen dass mein Herz in Tanzania gebleiben ist als das schoenste Land welches ich besucht habe in Afrika. Da ich eine laengere Zeit in Tanzania war hab ich auch das Glueck gehabt die nicht so bekannten Nationalparks in Tanzania zu besuchen. Ich persoenlich habe den Sueden und Suedwesten von Tanzania als den schoeneren Teil gefunden und finde den Ruaha NP und den Selous als absolut wundervoll und nicht so ueberrannt von Touristen wie die Serengeti und der Ngoro Ngoro Krater. Ich bin durch 6 andere afrikanische gereist welche auch schoen waren aber nicht an Tanzania ren kommen. Viele Gruesse.

kommentieren