Polterabend – Warum das Porzellan zerbrechen muss

26.08.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Marisa macht's sichtbar: Ein Polterabend

Am vergangenen Wochenende fand unser Polterabend statt. Eine Tradition, die ich auf so vielen Ebenen völlig unterschätzt habe…

Die Idee für einen Polterabend kam nicht von mir. Meinem Verlobten war es ein großes Anliegen, alte und gute Freunde von früher, sowie enge Bekannte unserer beiden Familien – von denen nicht alle zur Hochzeit eingeladen sind – an unserem Glück teilhaben zu lassen. Als er vor wenigen Wochen mit diesem Gedanken zu mir kam, konnte ich ihn verstehen – große Begeisterung wollte sich bei mir jedoch nicht einstellen. Immerhin planen wir seit Monaten unsere Hochzeit und ein weiteres Fest kostet nicht nur Geld, sondern auch Zeit.

Polterabend: Einfach und rustikal

Der Kompromiss: Der Polterabend sollte einfach und rustikal werden. Mit großer Unterstützung von meinen Schwiegereltern in spe haben wir also einen Saal gemietet, Getränke bestellt und unsere Freunde und die Familie gebeten, Salate und Kuchen für den Abend beizusteuern. Nachdem wir den ganzen Samstagmorgen und -nachmittag Tische und Stühle aufgestellt, die Räumlichkeiten ein wenig dekoriert und belegte Brötchen vorbereitet hatten, stellte ich mir in einer ruhigen Minute die Frage, welchen konkreten Sinn und Zweck das Zertrümmern von Porzellan bei einem Polterabend eigentlich hat.

Was machen wir hier eigentlich? Geister vertreiben?

In meinem Freundeskreis sind Polterabende nicht üblich – alle bisher verheirateten Paare verzichteten darauf. Da mir also jegliche Berührungspunkte fehlten, habe ich mich, bis zu meinem eigenen Polterabend, gar nicht mit diesem Hochzeitsbrauch auseinandergesetzt. Inzwischen weiß ich, ein Polterabend ist dazu da, um dem künftigen Ehepaar alles Gute, und durch das Zerbrechen von Steingut oder Porzellan, Glück für die Ehe zu wünschen. Wir alle kennen das Motto: “Scherben bringen Glück”. Allerdings darf kein Glas zerstört werden, da das wiederum Unglück bringen soll. Der historische Ursprung des Polterabends ist nicht eindeutig geklärt. Jedoch fand laut Volkskundlerin Annette Remberg die Tradition im 16. Jahrhundert ihren Ursprung.

Ein Polterabend voller Liebe und Herzlichkeit

Doch ganz egal, wann und wo genau zum ersten Mal gepoltert wurde, im Nachhinein bin ich unglaublich dankbar. Ab 18 Uhr trudelten die Gäste nach und nach ein. Sie hatten bunte Teller und Tassen, sogar eine Kloschüssel im Gepäck. Alle begrüßten uns herzlich und wünschten uns für unsere gemeinsame Zukunft alles Gute. Nach dem Essen und vielen netten Gesprächen feierten wir gemeinsam die bevorstehende Hochzeit. Die ausgelassene Stimmung und das Gefühl der Verbundenheit mit all diesen Menschen, konnte die Aufregung der letzten Tage sogar kurzzeitig vergessen machen. Ich bin noch immer ganz überwältigt von der enorm großen Herzlichkeit und Liebe, die uns bereits jetzt durch dieses Fest entgegengebracht wurde.

Für mich sind das wirklich gute Aussichten auf unseren Hochzeitstag, der dank dieser vielen, wundervollen Menschen einfach nur der Schönste in unserem Leben werden kann. In diesem Sinne: Ein Hoch auf die Liebe. Ach und übrigens: Das nächste Mal, wenn ich mich an das Schreiben meiner Kolumne mache, bin ich eine verheiratete Frau… Ich freue mich darauf!

Das Beitragsbild ist von privat

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Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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