Shareholder Value: Was ist das?

Words by Monda Magazin
Photography: Nathan Dumalao
Ein Mann im Anzug und eine Frau in Absatzschuhen und schwarzem Kostüm stehen auf dem Dach eines Bürogebäudes und unterhalten sich

Warum dich der Begriff Shareholder Value interessieren sollte? Ende August überraschten 181 Firmenlenkende die US‐amerikanische Öffentlichkeit, als sie mit viel Pathos ihre Abkehr vom Shareholder Value erklärten. Für die Finanzwelt schien das auf den ersten Blick einem Erdbeben gleichzukommen. Warum? Der Shareholder Value ist eines der wesentlichen Konzepte des Kapitalismus. Aber was steckt genau hinter diesem Konzept, und warum war diese Ankündigung so bedeutend?

 

Was ist der Shareholder Value?

Das Konzept aus den späten 1980er Jahren geht vor allem auf Professor Alfred Rappaport zurück, der in den USA an einer renommierten Elite‐Universität Wirtschaftswissenschaft lehrte. Seine These war, dass die Unternehmensstrategie und das Handeln des Managements alleine auf Renditemaximierung ausgerichtet sein sollten, um langfristig den Unternehmenswert zu steigern. Dabei geht es einzig um den Gewinn der Eigentümer, die auf Englisch »Shareholder« heißen. Dazu gehören auch Menschen, die Aktienanteile an einem Unternehmen gekauft haben.

 

 

Das primär verfolgte Ziel nach dem Shareholder Value ist also, den Wert der Unternehmensanteile maximal zu steigern. Für das Management springt dabei auch etwas raus, denn Gewinn‑ oder Unternehmensbeteiligungen sind bei diesen Unternehmen ein wesentlicher Teil des Gehalts der obersten Führungsriege.

Warum aber wollen global führende, schwergewichtige Unternehmen – wie Amazon und Apple – und wichtige Banken wie JP Morgan Chase auf den ersten Blick nun nicht mehr maximal viel Geld verdienen? Und ist es nicht auch wirtschaftlich für alle von Nachteil, wenn gutverdienende Unternehmen nicht mehr »den maximalen Wert« aus ihrer Unternehmung rausholen wollen?

Vom Shareholder Value zum Stakeholder Value

 

Gleich zu Beginn des Statements der 181 US-amerikanischen Unternehmen wurde eine neue Marschroute ausgerufen. Man wolle nun einen »modernen Standard für Corporate Responsibility« – also die unternehmerische Verantwortung – setzen.  Anders und etwas verkürzt formuliert ließe sich sagen, dass sich die Unternehmen nicht mehr nur für die Shareholder verantwortlich fühlen, sondern sich nun auch der Verantwortung für andere Menschen und Themen stellen wollen.  Damit kommen sie in der Realität der Gegenwart an. Verantwortung für Kunden, Lieferanten, Mitarbeitende, den Staat oder die Umwelt spielen inzwischen eine größere Rolle. Neben den Eigentümern sind dies weitere Interessengruppen des Unternehmens, die im Englischen »Stakeholder« genannt werden. Sie haben keine direkten Anteile an einem einzelnen Unternehmen, beeinflussen aber trotzdem dessen Entwicklung. Das neue Konzept wird deshalb auch »Stakeholder Value« genannt. Dieses Konzept wird seit geraumer Zeit in der Wirtschaftswissenschaft diskutiert und wurde als Erweiterung des Shareholder Values eingeführt.

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Die neue Macht der Stakeholder

Wenn sich Unternehmen nicht mehr nur vom finanziellen Interesse der direkten Besitzer leiten lassen, sondern alle Interessensgruppen mit in den Blick nehmen, dann nennt sich das Konzept dahinter Stakeholder Value. Welchen Einfluss dieses Konzept auch auf euch hat, haben wir kurz zusammengefasst.

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