TU Eindhoven führt 100-Prozent-Frauenquote ein

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Esther Tuttle auf Unsplash
An der Universität Eindhoven gibt es eine 100 Prozent Frauenquote

Was einzelne Unternehmen und die Politik nicht schaffen, versucht die TU Eindhoven nun auf ihre Art und Weise konsequent durchzuziehen: Seit Anfang Juli 2019 gibt es hier eine 100-Prozent-Frauenquote. 

 

Die Technische Universität Eindhoven vergibt Jobs vorerst nur noch an Frauen. Was erst einmal ziemlich radikal klingt, ist für Universitätsrektor Frank Baaijens die einzige Möglichkeit, um endlich ein Gleichgewicht zwischen weiblichen und männlichen Kollegen zu schaffen. Im Interview mit Spiegel Online erklärt er: »Alle Maßnahmen haben gar nicht oder nur zu langsam gewirkt. Deshalb brauchen wir eine neue Lösung.«

TU Eindhoven bevorzugt »radikale« Lösung 

Um dem Ziel, mehr Frauen an die Universität zu bekommen, näher zu kommen, hat die niederländische Uni die 100-Prozent-Frauenquote eingeführt. Somit sollen künftig alle freiwerdenden Stellen erst einmal nur für Frauen ausgeschrieben und von ihnen besetzt werden.

Erst, wenn sich nach sechs Monaten keine Frauen auf die jeweilige Position bewerben, dürfen auch Männer wieder ran. Bei dem Konzept geht es übrigens nicht darum, Männern eine Position wegzunehmen. Die männlichen Kollegen, die bereits angestellt sind, können ihre Stelle natürlich behalten. Das Ziel ist es allerdings, dass am Ende 150 leere Stellen von Dozentinnen besetzt sind. Um einen kleinen Anreiz zu schaffen, hat sich Frank Baaijens Folgendes überlegt: »Außerdem erhalten die Frauen neben ihrem Einstiegsgehalt jeweils 100.000 Euro für Forschungsprojekte obendrauf, die sie beim Karrierestart unterstützen sollen«, erklärt er in dem Interview. 

Wir verschwenden kostbare Zeit

An der TU Eindhoven sind aktuell 15 bis 16 Prozent der Lehrkräfte weiblich. Statistiken lassen vermuten, dass es ohne entsprechende Maßnahmen noch bis zu 50 Jahre dauern würde, um auf die angestrebten 50 Prozent zu kommen – was übrigens nicht nur für die Universität, sondern auch für andere Einrichtungen und Unternehmen gilt. So lange will Baaijens nicht mehr warten. So erklärt er im Interview weiter, dass »Diversität und Innovation zusammenhängen«. Er und viele Wissenschaftler sind sich sicher, dass nur ein guter Mix für Fortschritt sorgen kann und sich die Zahl der Frauen in der Gesellschaft auch an der Anzahl der Universitätsmitarbeiterinnen widerspiegeln muss. »Wir können uns einfach nicht leisten, die Hälfte der intellektuellen Power zu verlieren, die wir eigentlich haben könnten.«

 

Deshalb ist er auch davon überzeugt, dass mehr Dozentinnen als Vorbilder für junge Frauen fungieren können, die sich für die männerdominierten MINT-Fächer (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) zwar interessieren und für die sie ebenfalls großes Talent mitbringen, in denen sie sich aber immer noch viel zu unwohl fühlen. 

Sollte das Konzept aufgehen, könnten sich weitere Universitäten oder sogar Unternehmen ein Beispiel an der TU nehmen. Und wer weiß, vielleicht müssen wir dann wirklich keine 50 Jahre mehr warten, bis Männer und Frauen in der Arbeitswelt gleichermaßen repräsentiert sind. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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