Tipps und Tricks für einen gelungenen Start in die Selbstständigkeit

28.08.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Tipps und Tricks für die Selbstständigkeit

Es ist der Traum vieler Menschen: Endlich selbstständig arbeiten, selber entscheiden von wo, wie viel und für wen gearbeitet wird. Doch bis zu einem Alltag, ohne Sorgen, Überstunden und einem geregelten Einkommen, kann es ein harter und steiniger Weg sein. Wir haben uns Tipps von zwei Frauen geholt, die ganz genau wissen, worauf es bei den ersten Schritten in die Selbstständigkeit zu achten gilt.

Carina (Femininjas/Pink Compass) und Susan (Sue loves NYC) haben es gewagt – den Schritt in die Selbstständigkeit. Raus aus der Festanstellung und hinein in ein Leben, das von Selbstbestimmung, aber auch von Herausforderungen geprägt ist. Bei beiden fing vor einigen Jahren alles mit dem eigenen Blog an. Wenn es um die Gründung geht, sind sich beide einig, dass es nicht nur auf eine gute Idee ankommt, sondern auch der richtige Zeitpunkt gefunden werden muss. Aber auch die Themen Motivation und Geduld spielen eine große Rolle. In den letzten Jahren haben beide Frauen positive sowie negative Erfahrungen gemacht, die sie in Worte gefasst haben und gerne mit künftigen Selbstständigen teilen.

“Mach dir keine Sorgen viele Fehler zu machen. Um Erfolg zu haben, musst du nur einmal richtig liegen.” – Drew Houston – Mitbegründer & Ceo von Dropbox / Internet-Milliardär

Wer sich selbstständig machen möchte, braucht eine einzigartige Idee
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Selbstständigkeit: Grundlegende Tipps und Tricks von Carina und Susan

1. Eine innovative Idee

Es ist wichtig mutig zu sein und zu experimentieren. Allerdings muss es sich bei der alles entscheidenden Idee um etwas handeln, was es entweder noch nicht auf dem Markt gibt – oder sie muss bedeutend besser sein, als das, was die Konkurrenten bisher machen. Hinzu kommt, dass die eigene Leidenschaft für das Produkt oder die Sache einfach enorm groß sein muss, um später erfolgreich sein zu können.

2. Der Businessplan

Es existiert eine grandiose Idee. Jetzt sollten unbedingt ein Businessplan und eine Kalkulation erstellt werden – beides ist essenziell für den Start in die Selbständigkeit. So bleiben das Ziel und die Finanzen immer im Fokus. Beides ist enorm wichtig. Denn der Alltag wird komplex werden und ständig davon ablenken.

3. Der Gründerzuschuss

Es lohnt sich bei einer Gründerberatung in Erfahrung zu bringen, ob eventuell ein Gründerzuschuss infrage kommt. Je nachdem, wie hoch dieser ausfällt, schafft das ein finanzielles Polster bzw. ein gutes Kapital, um erste, nötige Kosten für das eigene Business zu decken. So können auch die Nerven geschont werden, die beim Einstieg in die Selbstständigkeit mindestens genauso wichtig sind, wie ein gutes Netzwerk.

4. Der Zeitplan

Aus der Erfahrung können auch Carina und Susan sagen: Es lohnt sich immer mehr Zeit einzuplanen, als es in der Vorstellung eventuell selbst gewünscht ist. Der Businessplan sieht nach sechs Monaten den ersten Mitarbeiter oder einen Relaunch der Website vor? Carina empfiehlt einen 5-Jahres-Plan, der die Visionen genau festhält. Sich daran lang hangeln ist unbedingt notwendig, doch Ungeduld bringt niemanden weiter. Die darauffolgende Enttäuschung auch nicht. In der Regel dauert alles etwas länger, als gewünscht.

5. Die Rücklagen

Rücklagen sind das A und O. Ohne Ersparnisse kann es ganz schnell eng werden und der Traum von der Selbstständigkeit platzen. Denn neben dem Zeitplan, der sich, wenn auch ungewollt, oft weiter nach hinten verlagert, kann sich das auch negativ auf die zuvor kalkulierten Investitionen übertragen. Zudem kann es dauern, bis sich die Selbstständigkeit wirklich auszahlt und nicht mehr nur Ausgaben getätigt werden müssen. Das liegt natürlich unter anderem auch daran, dass die Auftragslage Schwankungen unterliegen wird oder das Produkt einfach mehr Zeit braucht, als erwartet.

6. Nötige von unnötigen Investitionen unterscheiden

Aus Gutgläubigkeit oder einfach aus Unwissen, passiert es anfangs Vielen, dass sie unnötige Investitionen – beispielsweise für Dienstleistungen – tätigen, die in Wahrheit gar nicht notwendig sind, oder auf den ersten Blick günstig erscheinen. Es ist wichtig zu prüfen, ob bestimmte Dienstleistungen wirklich langfristig etwas bringen und ob kostengünstige Alternativen qualitativ Sinn machen.

7. Die Konkurrenz

Es ist sinnvoll die Konkurrenz im Blick zu behalten. Allerdings sollten eine ständige Beeinflussung und Ablenkung vermieden werden, um den Blick für das Wesentliche frei zu halten. Täglich Zahlen und Taktiken der Anderen analysieren kann nicht nur nervenaufreibend sein (wieso läuft es bei denen besser?), sondern verhindert auch, sich auf die Verbesserung des eigenen Unternehmens zu konzentrieren. Eine ausführliche Konkurrenzanalyse findet zu Beginn ihren Platz im Businessplan. Sie kann ein Rahmen für das weitere Beobachten sein.

Selbstständigkeit: So klappt es!
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8. Netzwerken

Eine der wichtigsten Empfehlungen: Wer gute Kontakte hat, lebt leichter. Ein gutes Netzwerk spart Zeit und im Zweifel sogar Nerven und Geld. Hier sollte viel Zeit und Energie investiert werden. Denn die zahlt sich am schnellsten aus.

9. Eine ehrliche Selbsteinschätzung

Von Zeit zu Zeit ist es wichtig, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und eigene Schwächen zu erkennen, um sie rechtzeitig anzugehen. Da gibt es schon länger die Angst vor einem bestimmten Telefonat oder einer komplizierten Steuerangelegenheit? Das Hinauszögern bekämpft die Dämonen nicht, sondern macht alles nur noch schlimmer. Derartige Dinge sollten also besser gestern, als heute erledigt werden.

10. Der tägliche Arbeitseinsatz

Wer selbstständig sein möchte, muss sich bewusst sein, dass es vor allem zu Beginn keine fünf Stunden Tage geben wird. Bei Carina kamen anfangs 60 bis 70 Stunden die Woche zusammen. Wer darauf keine Lust hat, oder dafür vermutlich nicht die Kraft aufbringen kann – beides ist vollkommen legitim – sollte den Schritt in die Selbstständigkeit noch einmal überdenken.

11. Kritik von außen

Niemals, also wirklich nie(!), wird jedem alles gefallen, was wir machen. Es wird immer wieder Kritik geben. Vermutlich selbst dann, wenn der Businessplan eine Idee zur Bekämpfung des Hungers auf dieser Welt enthält. Daher bringt es auch nichts, sich ständig anpassen zu wollen. Die eigene Zielgruppe ist wichtig und darauf sollte der Fokus gelegt werden. Beschwerden darüber hinaus, sollten, wenn nötig, sachlich beantwortet werden, aber nicht zum kompletten Umschwenken des Businessplans führen. Kritik ist vollkommen normal. Kommt sie von den richtigen Leuten, wie etwa der Kernzielgruppe, kann sie das Business sogar pushen.

12. Durchhaltevermögen beweisen

Ebenfalls einer der wichtigsten Tipps: Unbedingt dranbleiben! Wer seine Hausaufgaben gut gemacht hat, wird Erfolge ernten – manchmal dauert es nur einfach länger, als geplant (siehe Punkt 4).

13. Ist der Job wirklich der Richtige?

Schon nach kurzer Zeit stellt sich heraus, ob der Job, trotz Stress und Sorgen, die Chance hat, zu einer der besten Entscheidungen des Lebens zu werden. Nur so ist garantiert, dass man bereit dazu ist, jeden Tag das Beste zu geben und sich ohne große Probleme selbst motivieren zu können. Die Selbstständigkeit kann Freiheiten bieten, allerdings auch verdammt einschränkend sein. Dazu empfehlen sich regelmäßige Gespräche mit Menschen, die in der Gründung bereits weiter sind. Sie können in etwa einschätzen, ob die Probleme, mit denen man konfrontiert ist, zum Prozess gehören, oder ob sie etwas damit zu tun haben, dass man im falschen Job steckt.

14. Jeder kann scheitern

Trotz aller Kalkulationen und Pläne kann es sein, dass etwas schiefgeht. Darauf sollten alle Selbstständigen, nicht nur zu Beginn, sondern während der gesamten Zeit der Selbständigkeit, gefasst sein. Einen Fehler zu machen ist nicht schlimm, er sollte sich nur nicht zu oft wiederholen.

15. Der Arbeitsplatz

Und dann bleibt noch die Frage nach dem Arbeitsplatz. Zu Beginn sind extravagante Räumlichkeiten meistens nicht drin. In einigen Bereichen ist jedoch klar, dass von Beginn an ohne Ladenfläche, Werkstatt oder Ähnliches gar nichts läuft. Wo es auch ohne geht, muss eventuell zunächst der Esstisch im Wohnzimmer herhalten. Doch soll das so bleiben? Wenn das Unternehmen wächst und Mitarbeiter hinzukommen, ist es natürlich möglich Bürofläche anzumieten. Wer auch künftig allein arbeiten will, kann dieses beispielsweise in einem Co-Working Space oder im Home-Office tun. Wie man sich vor allem am heimischen Schreibtisch motiviert, erklärt uns Susan.

“Für einen Neuanfang musst du nicht Super(wo)man sein. Du hast die Kraft dein Leben zu ändern. Natürlich nicht unüberlegt und auch nicht von heute auf morgen. Aber der Sprung ins kalte Wasser ist vielleicht am Ende so erfrischend, dass man sich fragt, warum man ihn nicht schon früher gewagt hat.” – Susan von Sue love NYC

Im Home-Office arbeiten: So geht's
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Arbeiten im Home Office: So macht Susan das

#1 Erst frühstücken

Los geht’s mit dem Zeitmanagement schon direkt nach dem Aufstehen. Man ist geneigt, sofort mit Mails (oder in meinen Fall Instagram) loszulegen – und dann bleibt man dort erst einmal eine Stunde hängen. Deswegen muss ich mich wirklich zwingen, das Handy erst einmal nicht in die Hand zu nehmen und zu frühstücken. Klingt übertrieben – aber wer im Home-Office arbeitet, sollte nicht morgens vor dem Frühstück im Pyjama loslegen (ich wechsle wenigstens in Sweater und Jogginghose oder Jeans).

#2 Du brauchst einen Rhythmus

Und da spreche ich jetzt nicht davon, dass du alles links liegen lassen sollst und im perfekten Rhythmus zu „Just Dance” auf der PlayStation tanzen sollst (nicht ablenken lassen!). Ich meine: Du brauchst einen Tages-Rhythmus. Im Home-Office effektiv arbeiten – das klappt bei mir tatsächlich am besten, wenn ich beispielsweise täglich zur selben Zeit aufstehe und die Mittagspause zeitlich ähnlich einplane. Apropos Pause: Auch andersrum nicht vergessen Pausen einzuplanen (sonst kommt nach ein paar Stunden das große „Uff” und nichts geht mehr).

#3 Erzwinge es nicht

Was du im Home-Office erst ganz neu lernst: Zu welcher Uhrzeit du besonders produktiv bist. Das ist bei mir beispielsweise vormittags und spätnachmittags. Wichtige Texte schreibe ich genau dann. Und zur Mittagszeit lege ich mir Termine mit Partnern oder Kollegen, gehe zu Veranstaltungen – oder mache auch einfach mal privat einen Zahnarzttermin aus. Sieh das Home-Office als Chance, deine Arbeit dann zu erledigen, wenn du auch wirklich produktiv bist. Du wirst merken, dass du Dinge teilweise viel schneller fertigbekommst.

#4 Zeit für die Alltags-to-Dos einplanen

Wenn man Zuhause arbeitet, dann ist man geneigt, zwischendurch „mal kurz” die Wohnung aufzuräumen. Oder morgens erst mal den Abwasch zu erledigen. Das alles raubt einem aber oft mehr Zeit als man denkt. Klar, erledige ich Sachen im Haushalt – wie Wäsche waschen – nebenbei. Alles, was jedoch länger dauern könnte, wird nach den wichtigsten Job-To-Dos eingeplant. Das klingt jetzt sehr strikt, aber damit meine ich beispielsweise: Nach dem Lunch wird abgewaschen. Und nicht morgens bevor ich überhaupt richtig angefangen habe. Hilft wirklich dabei, sich nicht zu verzetteln.

#5 Priorisieren

Prioritäten setzen, ist meiner Meinung nach das absolut Wichtigste. Nur so kann ich wirklich im Home-Office effektiv arbeiten. Ich liebe To-Do-Listen (einfach oldschool mit Kulli und Block zum Abhaken). Ganz oben stehen die Dinge, die du für den Job heute unbedingt erledigen musst. Dann beispielsweise ein privates To-Do und dann die Dinge, die auch morgen erledigt werden können. Klingt so einfach, ist aber so effektiv. Sonst hält man sich oft an Kleinigkeiten auf. Wichtigste Jobs zuerst! Manchmal sind die Mittel eben ganz einfach (und man braucht nur einen Zettel und einen Stift), damit das Zeitmanagement im Home-Office gut klappt. Bei all dem Strukturieren aber auch nicht vergessen, die Yoga-Stunde abends einzuplanen. Ein Ausgleich ist nämlich wahnsinnig wichtig, damit das Home-Office nicht zum Dauerstress wird.

Klingt alles gut soweit? Dann könnte das mit der Selbstständigkeit wirklich etwas werden… Viel Erfolg dabei!

Das Beitragsbild ist übrigens von Nicole Honeywill auf Unsplash

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Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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