Studium und Steuern: So bekommst du dein Geld zurück

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Christian Dubovan auf Unsplash
Euro-Scheine in Händen
Während eines Studiums fallen viele Kosten an, die steuerlich geltend gemacht werden können. Eine Steuererklärung lohnt sich und im Idealfall erwarten dich Rückerstattungen von mehreren Tausend Euro.
 

Ein Studium kann ganz schön hart sein. Die meisten Studierenden wollen und müssen neben der Zeit an der Uni ihren Unterhalt mit einem Nebenjob verdienen. Wer nicht bei seinen Eltern wohnen möchte oder kann, hat schließlich Miete zu zahlen und dafür zu sorgen, dass der Kühlschrank gut gefüllt ist. Auch nicht alle erhalten automatisch BAföG oder können sich auf anderweitige Unterstützung, wie etwa durch die Eltern, verlassen.

Mit der Steuererklärung gibt es Geld zurück

Da es während des Studiums auf jeden Euro ankommen kann, ist es besonders erfreulich, dass viele der anfallenden Kosten von der Steuer abgesetzt werden können. Eine Steuererklärung, die mithilfe eines Online-Portals, wie etwa studentensteuererklärung.de, oder eines Steuerberaters erledigt werden kann, lohnt sich also. Häufig, doch nicht für alles, werden als Nachweis Kaufbelege zur Vorlage verlangt. Die anfallenden Kosten gelten als Werbungskosten, die allerdings erst dann abgesetzt werden können, wenn bereits Steuern an den Fiskus gezahlt wurden. Das heißt, Studierende müssten dafür schon während des Studiums ein steuerpflichtiges Einkommen vorweisen. Was aber viele nicht wissen: Auch für alle, die während des Studiums noch nicht oder zu wenig verdienen und daher noch keine Steuern zahlen, lohnt sich die Steuererklärung. Denn für diesen Fall gibt es den sogenannten Verlustvortrag.

Was ist ein Verlustvortrag?

Mit dem Verlustvortrag kann dem Finanzamt jährlich mitgeteilt werden, wie hoch die Studienkosten in dem jeweiligen Jahr waren.

Dafür werden die angefallenen Kosten in der Steuererklärung angegeben – sie stellen den »Verlust« dar, den sich das Finanzamt merkt. Nach der Studienzeit, sobald durch einen Job entsprechend Steuern gezahlt werden müssen, werden die Verluste aus der Studienzeit steuerlich verrechnet. Für den Berufseinstieg ergibt sich also so eine steuerliche Entlastung. Aber welche Kosten können überhaupt steuerlich geltend gemacht werden?

 

Diese Studienkosten kannst du von der Steuer absetzen

 

Studiengebühren, Semesterbeiträge und Studienkredit

Einige Bildungseinrichtungen verlangen pro Semester Gebühren von ihren Studierenden. Diese Studiengebühren oder Semesterbeiträge können vollständig in die Steuererklärung mit einbezogen werden. Dazu zählen übrigens auch Kurs- und Prüfungsgebühren. Wer einen Studienkredit aufnehmen muss, kann nach dem Studium, wenn es ans Zurückzahlen geht, die Schuldzinsen von der Steuer absetzen. Das hilft einem zwar während des Studiums nicht beim Geldsparen, ist aber trotzdem gut zu wissen!

 

Fahrtkosten zur Uni oder Bibliothek

Wer auf das Auto, die Bahn oder den Bus abgewiesen ist, um zur Universität oder Bibliothek zu gelangen, kann 30 Cent pro Kilometer von der Steuer absetzen. Und nicht nur das: Für Studierende, die sich im Rahmen der universitären Ausbildung außerhalb ihres Wohnortes aufhalten müssen, zum Beispiel für Exkursionen oder Praktika, kann sogar ein Anspruch auf Verpflegungsmehraufwand bestehen.

 

Fachliteratur und Lehrmaterialien

Wer auf ganz bestimmte Fachliteratur angewiesen ist und sich diese nicht in der Bibliothek ausleihen kann, darf diese Kosten ebenfalls angeben. Es lohnt sich außerdem, die Belege für sämtliche Kopierkosten, Schreibmaterialien, Druckerpapier, Hefter und mehr aufzubewahren und bei der Steuererklärung zu berücksichtigen.

 

Weitere Arbeitsgeräte wie Laptop, Smartphone oder Tablet

Schon längst sind Laptops, Smartphones oder Tablets aus einigen Studiengängen oder einzelnen Vorlesungen nicht mehr wegzudenken – die Arbeitsgeräte werden für den Studienverlauf immer notwendiger. Deshalb ist es auch möglich, im Jahr der Anschaffung bis zu 800 Euro pro Gerät steuerlich geltend zu machen.

Aktuell bis zu 7 Jahre rückwirkend kann die Steuererklärung eingereicht werden.

Druckkosten für Haus und Abschlussarbeiten

Deine Bachelor- oder Masterarbeit ist so gut wie fertig und muss jetzt nur noch gedruckt werden? Dann hebe auch hier die Belege auf und gib diese in deiner nächsten Steuererklärung mit an. Auch für Hausarbeiten, die größer ausfallen oder sogar mehrfach gedruckt werden müssen, können die Kosten abgesetzt werden.

 

Unterkunfts- und Umzugskosten

Bei einem Umzug können sich Studierende bis zu 764 Euro erstatten lassen – und das sogar ohne Belege. Sollte die neue Wohnung dann als Zweitwohnsitz gemeldet sein und trotz Studium nicht den Lebensmittelpunkt darstellen, können auch die Mietkosten in der Steuererklärung angegeben werden. Hier ist allerdings zu beachten, dass mindestens 10 Prozent der Miete von der Studentin oder dem Studenten selbst gezahlt werden müssen, da das Finanzamt die Ausgaben sonst nicht anerkennt.

 

Auslandssemester und Praktikum

Du möchtest ein Auslandssemester machen oder während deines Studiums ein Praktikum absolvieren? Dann vergiss danach nicht, eine Steuererklärung zu machen. Denn hier kannst du Flüge, Unterkunft und Verpflegung steuerlich geltend machen. 

Ziemlich viele Kosten können also während oder direkt nach dem Studium von der Steuer abgesetzt werden und sich so zumindest teilweise erstatten lassen. Die Studentensteuererklärung kann aktuell bis zu 7 Jahren rückwirkend erstellt werden. Wer sich jetzt auch noch an alle vorgegebenen Fristen hält, hat mit der Steuererklärung zwar einen kleinen Aufwand, doch lohnt sich dieser – wie wir finden – am Ende allemal.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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