So wirst du finanziell unabhängig

27.03.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro
So wirst du finanziell unabhängig

Derzeit können wir es beinah täglich lesen: An Sätzen wie “Frauen müssen finanziell unabhängig werden” ist kein Vorbeikommen mehr. Doch wie soll das gehen, und wo fangen wir an?

Wir können wirklich stolz auf uns sein. Immer mehr Frauen stehen finanziell auf eigenen Beinen. Doch sobald es um die Themen Altersvorsorge, Immobilien, Geldanlage oder Versicherungen geht, haben wir noch einiges aufzuholen. Denn diese Angelegenheiten überlassen wir noch viel zu häufig unseren Partnern oder Beratern. Das behaupten zumindest die derzeit erfolgreichsten Finanzblogs, die sowohl von Frauen als auch von Männern geführt werden. Das Problem: Die „Mein Mann macht das mit dem Geld“-Mentalität kann uns im „Worst Case“ ganz plötzlich in eine finanzielle Notlage versetzen.

75 % der Frauen droht später die Altersarmut

Natascha Wegelin, Unternehmerin und Finanzexpertin, hat es selbst erlebt. Im Januar 2016 gründete sie ihren Blog „Madame Moneypenny“, mit dem sie Frauen hilft, einen Weg in die finanzielle Unabhängigkeit zu finden. Ein fataler Fehler ein paar Jahre zuvor hatte in ihr den Wunsch geweckt, endlich selbst den Durchblick zu bekommen. Damals hatte sie eine private Rentenversicherung abgeschlossen, durch die sie kurze Zeit später mehrere Tausend Euro in den Sand setzte.

Wie sinnvoll es ist, das Geld nicht nur zu verdienen, sondern sich auch damit auseinanderzusetzen, belegen die Fakten: 75 % der Frauen zwischen 35 und 50 Jahren droht später die Altersarmut. Wie das europäische Statistikamt Eurostat mitteilt, verdienen Frauen in Deutschland noch immer etwa 21,5 % weniger als Männer. Hinzu kommt, dass wir weiterhin deutlich häufiger für den Nachwuchs auf die Karriere verzichten. Nach der Unterbrechung folgt meist der Einstieg in einen Teilzeit-Job. Was wir in dieser Zeit nicht in die Rentenkasse einzahlen können, steht uns – logischerweise – später auch nicht zur Verfügung.

Bildquelle: Unsplash

Schritt für Schritt in die finanzielle Unabhängigkeit

Um ein sorgenfreies Leben führen zu können, raten Experten immer häufiger dazu, sich unabhängig um einen Vorsorgeplan zu kümmern. Das Ziel: ein stabiles finanzielles Polster.
Doch wie soll das gehen? Um das Beste aus unserem Geld herauszuholen, hat Natascha Wegelin essenzielle Tipps für uns, mit denen die Unabhängigkeit gelingt:

1. Unabhängig informieren
Es klingt nicht nur einfach, es ist auch einfach: Wer unabhängig sein möchte, sollte sich auch unabhängig informieren. Am besten funktioniert das über Finanzblogs, wie den von Natascha Wegelin oder auch „Finanzvisier“, „Finanzrocker“ oder den Youtube-Kanal „Aktien im Kopf“. Hier bekommen wir einen ersten Eindruck davon, welche grundlegenden Möglichkeiten es gibt und worauf wir im Umgang mit den eigenen Finanzen achten können.

2. Einführung eines Drei-Konten-Modells
Um den Überblick über die eigenen Finanzen zu behalten, empfiehlt Natascha ein Drei-Konten-Modell. Heißt: Neben dem eigenen Konto und dem des Partners gibt es zusätzlich ein Haushaltskonto. Ausgaben wie der wöchentliche Einkauf oder die Miete gehen von Letzterem ab. Dinge, die nur dich allein betreffen, zahlst du mit deinem eigenen Konto.

3. Ausgaben fair aufteilen
Es ist wenig sinnvoll, die Miete 50:50 aufzuteilen, wenn einer der Partner wesentlich weniger verdient. Deshalb sollte der zu bezahlende Betrag immer im Verhältnis zum Verdienst berechnet werden. Hier ein einfaches Rechenbeispiel mit den folgenden Werten: Netto-Einkommen Partner A: 2000 Euro, Netto-Einkommen Partner B: 3500 Euro, Haushaltseinkommen gesamt: 5500 Euro, Miete: 1300 Euro. Der zu bezahlende Posten (hier also die Miete) wird mit dem jeweiligen Netto-Einkommen multipliziert, das Ergebnis anschließend durch das Gesamteinkommen geteilt:

Miete Partner A: 2000*1300/5500= 472,72 Euro
Miete Partner B: 3500*1300/5500= 827,27 Euro

4. Die Familienplanung sollte in die Finanzplanung mit einbezogen werden
Wenn du dich dazu entscheidest, für die Familie auf die Karriere zu verzichten, empfiehlt Natascha einen finanziellen Ausgleich durch den Partner. Heißt: Der Mann könnte für die Frau in eine private Altersvorsorge, zum Beispiel in Form von Aktienfonds, einzahlen. So kann der Lohnverzicht ausgeglichen werden. Im Fall einer Scheidung bist du so abgesichert. Das gilt übrigens auch für Frauen in Teilzeit – und selbstverständlich auch umgekehrt, falls der Mann für die Familie eine Auszeit nimmt.

5. Geld in Aktien investieren
Natascha rät jungen Frauen dazu, frühzeitig mit dem Investieren zu beginnen. Aktieninvestments, etwa in breitgestreute Indexfonds, lohnen sich auf Dauer und sind nicht schwer zu verstehen. Ein sehr guter Anfang, der sich nach einer längeren Laufzeit positiv auszahlen kann.

Dass sich vor allem Männer um die Finanzen kümmern, hat laut Natascha Wegelin übrigens nichts mit deren allgemeinen besseren Verständnis für Finanzen zu tun. Sie ist der Meinung, dass insbesondere tief verankerte Rollenbilder dafür verantwortlich sind: Männer kümmern sich ums Geld, Frauen um Haus und Kinder. Obwohl diese extreme Kategorisierung nicht mehr ganz so streng gelebt wird, scheint sie dennoch weiterhin präsent zu sein.

Und eines ist wirklich beruhigend: Natascha hat ihre Finanzen inzwischen vollkommen im Griff – und das, obwohl sie damals eine Vier in Mathe hatte. Ähnlich wie Einstein – und der war ja bekanntermaßen trotzdem ein Genie!

Natascha Wegelin klärt Frauen über Finanzen auf
Natascha Wegelin klärt Frauen über Finanzen auf / Bildquelle: Jacqueline Häußler

Das Beitragsbild ist übrigens von Andrew Dong auf Unsplash

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Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

2 Kommentare

  1. Andrea

    Sind das nicht Luxusprobleme?

    Wenn es eng ist, oder man/frau gemeinsam etwas aufbaut, bleibt eben für beide Seiten wenig bis gar nichts. Dann sind auch die Fragen betreffend Vermögensaufbau rein akademisch! – Für die Durchschnittsfrau werden sich andere Fragen stellen – sobald sie am Boden der Tatsachen angekommen ist.
    Eher hilfreich ist es, wenn Rentenansprüche bei Scheidung/Trennung aufgeteilt bzw. übertragen werden. Dies ist nur gerecht. Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau, die ihn unterstützt und vielleicht in vielem zurücksteckt.

  2. Fabian

    Einsteins Biograph verwechselte die Schulnoten

    Auch die nächste Etappe seines Lebens nährte später den Mythos vom Schulversager: Einstein schaffte die Aufnahmeprüfung für das Polytechnikum in Zürich nicht. Allerdings konnte der Hochbegabte nur mit einer Ausnahmegenehmigung antreten, denn statt der vorgeschriebenen 18 war er erst 16 Jahre alt. Trotzdem erzielte er in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern beste Ergebnisse, während er in anderen Bereichen Wissenslücken zeigte.

    Daraufhin holte Einstein erst einmal in der Aargauer Kantonschule sein Abitur nach. Sein Abschlusszeugnis wimmelte von „Fünfen“ und „Sechsen“ – unter anderem hatte er in Physik eine „Sechs“. Dummerweise übersah sein Biograph, dass das in der Schweiz die Bestnoten waren und schuf so endgültig den Mythos vom schwachen Schüler, der später auf wundersame Weise zum unvergleichlichen Genie mutierte

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