Muslimin Haifa Beseisso verändert die Welt: Fly with Haifa

15.04.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Haifa Beseisso ist nicht nur für muslimische Frauen ein großes Vorbild

Bei YouTube und Instagram folgen ihr Hunderttausende Menschen. Haifa Beseisso tut einfach das, was ihr Spaß macht und steckt ihre Follower mit grenzenloser Lebensfreude an. Ganz nebenbei räumt die Reisebloggerin auch noch mit starren Klischees auf.

Schottland, Bali, Dubai, Sansibar, London, Bangladesch, Paris, Marokko, Indonesien… Nein, das ist leider nicht unsere Monda Reiseliste für 2018. Das sind nur einige der Orte, an denen Haifa Beseisso bisher war. Du fragst dich: Haifa wer? Doch Haifa ist weltbekannt.

Die 27-jährige Muslimin ist Reisebloggerin und begeistert mit ihrem Blog, “Fly With Haifa”, unglaublich viele Menschen. Bei Instagram sind es derzeit 231.000 Follower – bei Youtube knapp 500.000 Abonnenten. Seit mehr als drei Jahren reist Haifa um die Welt oder nimmt ihre bisher vorwiegend muslimischen Zuschauer mit in ihren Alltag. Wenn sie gerade keine neuen Orte bereist, ist sie in Dubai zu Hause. Hier wuchs sie zusammen mit ihrer Schwester Tala auf. Von ihren Brüdern, die aus der ersten Ehe ihres Vaters stammen, traf sie zuletzt nach elf Jahren einen der Drei wieder. Und selbstverständlich gibt es von dem emotionalen Treffen einen Vlog auf ihrem Kanal. “Wir haben die gleiche DNA und das gleiche Blut fließt durch unsere Körper. Unsere Geschichte ist die Geschichte der ganzen Welt. Wir sind alle Brüder und Schwestern, leben aber an verschiedenen Orten und sprechen andere Sprachen. Wenn wir miteinander auskommen können, kann die ganze Welt miteinander auskommen”, erklärt sie in die Kamera, kurz bevor ihr Bruder am Flughafen landet.

Bevor sie das Projekt YouTube anging, arbeitete sie als angehende Fernsehmoderatorin bei einem arabischen Sender. Schnell wurde jedoch klar, dass sie den Beruf nicht ausüben kann. Die meisten Moderatorinnen zeigen sich unverschleiert vor der Kamera. Für Haifa, die stolz auf ihren Glauben ist und seit der Pubertät das Kopftuch trägt, kam das nicht infrage. Die Muslimin beschreibt ihr Kopftuch als ihren besten Freund und die beste Verbindung zu Gott. Schon jetzt ist klar: Haifa ist eine unglaublich spannende Persönlichkeit, die die Vorstellung von einem muslimischen Glauben mit all seinen strengen Regeln und Vorschriften an vielen Ecken und Enden vollkommen entstaubt. Die Bloggerin ist bunt, laut und selbstbestimmt. Sie stellt den westlichen Stereotyp einer Hidschab tragenden Muslimin auf den Kopf. Haifa tut das, worauf sie Lust hat. Sie reist, trifft Freunde und liebt es sich top zu stylen. Das Make-up und ihre Klamotten passen zu jederzeit zusammen – und auch immer zum Kopftuch. Eine moderne, junge Frau eben. Gestützt durch ihren Glauben, verfolgt sie ihre Visionen.

Und überhaupt: Wer sich einmal ein Video von Haifa angeschaut hat, möchte mehr sehen. Ihr Lächeln ist ansteckend, ihre warme, offene, tolerante, liebevolle und selbstbewusste Art sorgt für Begeisterung. Ihre Videos setzt sie mit sehr viel Kreativität und Humor um. Doch es geht um viel mehr. Ohne jemals Schuldige zu nennen oder direkt mit dem Finger auf Andere zu zeigen, macht Haifa deutlich, was in der Welt geschieht. So gibt es ein Video, in dem sie sich zu einer hübschen Braut stylen lässt. Sie spaziert in ihrem wunderschönen Brautkleid durch einen Freizeitpark und verteilt Einladungen zu ihrer Hochzeit. Auf den Karten ist zu lesen: “Willkommen zur Hochzeit von Haifa und dem Leben – Heute, morgen, jeden Tag. Du bist eingeladen.” Ohne es auch nur einmal konkret zu erwähnen, macht sie in an dieser Stelle auf viele junge muslimische Frauen aufmerksam, die unter dem ständigen Druck stehen, heiraten zu müssen. Haifa ist bereits verheiratet. Mit ihrem eigenen Leben und ihren eigenen Zielen.

Das Haifa einen richtigen Weg für sich gefunden hat, sagt ihr nicht nur ihr eigenes Gefühl. Auch ihre Follower feiern sie. Liebesbekundungen und bestärkende Worte zu ihren Videos und ihren Engagements finden sich auf ihren Kanälen zu Hauf. Das spornt Haifa an. Ende 2017 ging es für sie nach Bangladesch, um Geld für die Rohingya zu sammeln. Haifa entwickelt sich zu einem internationalen Star. Vogue Arabia hat sie bereits gefeatured. Für die Arte-Dokumention “Follow me”, in der es um arabische YouTuber geht, wurde sie zur Premiere nach Deutschland eingeladen. Auch mehrere Interviews standen auf dem Programm. Auch das Forbes-Magazin hat sie porträtiert. Als erste arabische YouTuberin überhaupt wurde sie außerdem zum Friedensnobelpreiskonzert nach Schweden eingeladen.

Ihre Videos dreht sie auf Arabisch und Englisch. Sie nutzt Untertitel, um von der einen in die andere Sprache zu übersetzen. Das ist für sie der beste Weg, um als Vermittlerin zwischen der arabischen und der westlichen Welt zu agieren. Denn ihre Mission ist klar. In ihrer Instagram-Beschreibung steht: “Ich glaube daran die Welt durch Farbe und Glitzer verändern zu können. Ich reise aus Liebe und um Sterotype auszulöschen.”

Wenn man ihren Followerzahlen und den vielen positiven, lebensfrohen Kommentaren glauben kann, gelingt ihr das sehr gut.

Hier findest du Haifa bei Instagram und YouTube

Das Beitragsbild ist übrigens von Haifa Beseisso auf Instagram

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Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

3 Kommentare

  1. P. Löffler

    Und wieder soll uns eine kopftuchtragende Frau als hip und modern vermittelt werden …
    Die Islamverbände leisten in Sachen Hirnwäsche Beachtliches und sind in den Mainstream-Medien sehr erfolgreich.
    Wie wäre es mit einem Bericht über Frauen im Iran, die sich gegen den Kopftuchzwang wehren, der – wie bekannt – keine religiöse, aber eine politische Einrichtung ist?

  2. Sarah

    Warum schließen Sie von einem Kopftuch auf das andere? Jeder Kopf ist anders und ebenso wie nicht jede trachtentragende Deutsche erzkonservativ ist, trifft das wohl auch auf die Thematik Kopftuch zu. Ich verstehe nicht, warum dabei immer ein Unterschied gemacht wird. Meist kennen die Urteilenden keine einzige oder zumindest nicht genügend Frauen mit Kopftuch persönlich. Aber wahrscheinlich kommt jetzt gleich ein: “Kein Interesse.”, oder nicht? Wer die Neugier auf andere Menschen verloren hat, will und wird wohl immer nur sein Weltbild bestätigt sehen.

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