Lisa Andersen: Das Surfen löste ein Suchtgefühl in ihr aus

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: WilkPR
Lisa Andersen hatte eine schwierige Kindheit.

Lisa Andersen ist eine Athletin und eine Surf-Legende, die schon viel in ihrem Leben erlebt hat. Nach einer schwierigen Kindheit kämpfte sie sich an die Spitze eines Sportes, den eine ganze Zeit lang ausschließlich Männer dominierten. Heute ist sie zweifache Mutter und ein großes Vorbild für ihre eigenen Kinder sowie viele Frauen weltweit. 

 

Wir bekamen die Gelegenheit, Lisa ein paar Fragen zu stellen und mit ihr in die Vergangenheit und in die Gegenwart einzutauchen. Was sie bereut und wie hart es war, sich als Surferin zu beweisen, hat sie uns verraten. 

Was war die größte Lektion, die du in deinem Leben lernen musstest? 

Die mit Abstand härteste Lektion, die ich lernen musste, war, den Sport und seine Anfänge zu respektieren. Zu Beginn war es für uns Frauen einfach ein hartes Pflaster. Und ich musste auch lernen, die männlichen Surfer vor mir zu achten, obwohl das nicht immer einfach war. 

Die meisten Mädchen waren stärker als ich und akzeptierten einen Teil der männlichen Dominanz nicht.

Erzähl uns mehr davon. Wie war es, sich in einem von Männern dominierten Sport zu behaupten?

Für mich und andere Mädchen war es zu dieser Zeit schwer. Die Frauen versuchten, in eine Art reinen Jugenclub zu kommen und sich dort anzupassen. Die meisten Mädchen waren stärker als ich und akzeptierten einen Teil der männlichen Dominanz nicht. Aber ich habe gelernt, dass ich mir meinen Respekt nur dort draußen auf dem Wasser hart erkämpfen kann – und das habe ich getan. 

Frauen haben im Surf-Sport also einen langen Weg zurückgelegt. Inwieweit fällt es Frauen im Jahr 2019 leichter, beim Surfen Fuß zu fassen, als zu der Zeit, als du mit dem Sport begonnen hast?

Der Sport entwickelt sich bis heute weiter und macht große Fortschritte. Viele der jungen Mädchen, die heute in diesem Sport Fuß fassen, kenne ich bereits, seitdem sie 8 oder 9 Jahre alt waren. Ich habe immer wieder die Gelegenheit, sie in einem Camp oder auf einer besonderen Event mit Roxy zu begleiten und mit ihnen zu arbeiten. Ich bin unglaublich stolz auf sie. Mädchen lassen sich immer früher vom Surfen inspirieren. Zudem gibt es heute viel mehr Möglichkeiten, um frühzeitig mit dem Sport in Berührung zu kommen. 

Lisa Andersen bezwingt die Wellen wie keine andere.

Bist du ein Kopf- oder ein Herzmensch? Kannst du uns ein Beispiel geben? 

Ich bin ein ganz klar ein Herzmensch – mein Kopf hat da nur selten etwas zu melden. Ich gehöre auch zu denjenigen Menschen, die andere Personen immer an die erste Stelle setzen. Erst die anderen, dann ich. So sagt es mir mein Herz. Mein Kopf kann leider viel zu urteilend sein. 

Erinnerst du dich an den Moment, an dem du realisiert hast, dass Surfen genau dein Ding ist? 

Ich denke, es war der Moment, in dem ich zum ersten Mal eine Welle geritten habe. Von da an kam es auch immer häufiger vor, dass mich die Leute lobten und ich immer mehr Zuspruch erhielt. Das fühlte sich unglaublich gut an. Allerdings erinnere ich mich nicht genau an diese besagte allererste Welle. Ich kann mich nur noch an das Gefühl erinnern, das ich verspürte, als ich aufgestanden bin, so richtig schnell wurde und der Welle mitten ins Gesicht schaute. Das löste ein absolutes Suchtgefühl in mir aus. 

Ich sehe das alles nicht mehr so verbissen und streng.

Wie oft stehst du aktuell noch auf dem Surf-Brett? Fühlt es sich anders an als früher?

Ich surfe nicht mehr so viel, wie ich gern würde. Ich habe eine Menge Rückenprobleme aufgrund von Skoliose und Arthritis. Deshalb musste ich in den letzten Jahren meine Herangehensweise ändern. Ich gehe nun einfach raus, um ein paar Wellen zu reiten, und nicht, um irgendjemanden zu beeindrucken oder mit irgendjemandem in Konkurrenz zu treten. Ich sehe das alles nicht mehr so verbissen und streng. 

Welche deiner Stärken hat dich dorthin gebracht, wo du heute bist? 

Die Liebe zu meinen Kindern hat mich zu einer stärkeren und sehr beschützenden Frau werden lassen. Ein Elternteil zu sein ist ein größerer Job, als Surferin zu sein. Ich möchte es einfach besser machen, als meine Eltern früher.

 

Du bist ein Vorbild für viele Mädchen und Frauen. Wer ist dein Vorbild?

Meine Vorbilder haben sich mit der Zeit immer wieder verändert. Ich sah zu allen MeisterInnen des Sports auf, aber später im Leben war es meine Mutter, die ich am meisten bewunderte. Ich habe nie verstanden, was sie durchgemacht hat, bis ich selbst Mutter wurde. 

Lisa Andersen mit ihrer damals noch kleinen Tochter.

Du hast zwei Kinder. Sind die beiden auch so verrückt nach dem Wellenreiten, wie du es bist?

Ja, ich bin Mutter von zwei wundervollen Kindern und drei Hunden (lacht). Beide Kinder nehmen Surfunterricht in der High School, doch sie sind bei Weitem nicht so verrückt danach wie ich. 

Ich finde es sehr schwierig zurückzublicken.

Rückblickend betrachtet: Gibt es etwas, das du heute in deiner Karriere und in deinem Privatleben anders machen würdest?

Ich finde es sehr schwierig zurückzublicken. Das tue ich auch nur ganz selten, denn ich würde niemals etwas ändern wollen. Das Leben ist unberechenbar, und ich hatte das Glück, alles zu lernen und zu erleben, um so zu werden, wie ich jetzt bin. Ich bereue nichts. 

Vielen Dank für deine Zeit und das Interview, liebe Lisa! 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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