Julia Schygulla im Interview: „Et kütt wie et kütt!“

18.06.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Julia Schygulla ist die Bumble Deutschland Chefin

Julia Schygulla begann ihre Karriere als Modejournalistin – heute ist sie Head of Germany der Networking-App Bumble. Ein Erfolgsweg, über den wir gern mehr erfahren wollten…

Schon während ihrer Grundschulzeit wusste Julia Schygulla, dass sie später Autorin oder Journalistin werden wollte. Nach einigen Praktika ging ihr Wunsch, zunächst als Moderedakteurin und dann als Fashion News Director bei der InStyle, in Erfüllung. Nach einer schicksalhaften Begegnung mit der Bumble-Chefin Whitney Wolfe ging es für Julia in einen anderen Kosmos des Geschichtenerzählens: Seit Juli 2017 verantwortet sie von einem Büro im Herzen Münchens aus den Ausbau der Community und die Markenbekanntheit der App auf dem deutschen Markt.

Doch wie es genau zum Tausch Mode- gegen Techbranche kam, und was man ihrer Meinung nach braucht, um als Karrierefrau erfolgreich durchzustarten, das hat uns Julia Schygulla im Interview verraten.

Liebe Julia, du bist noch ziemlich jung und hast bereits eine tolle Karriere hingelegt. War es schon immer dein Ziel, mit Anfang 30 „Head of…“ zu sein?

Ich habe meine Karriere nicht am Reißbrett geplant. Dazu ist das Leben viel zu unvorhersehbar. Ich wusste aber immer, was mich interessiert und wo meine Leidenschaften liegen. Ich glaube, eine Karriere ist immer dann besonders erfolgreich, wenn man etwas macht, das einem Spaß macht. Dann ist man automatisch gut und kann auch schnell aufsteigen.

Wie genau sahen deine Karriereschritte bisher aus?

Ich habe einen Magister in Kommunikationswissenschaft an der Uni Münster gemacht, die eine exzellente Lehre hatte und auch sehr praxisnah ausgerichtet war. Die Semesterferien meines Studiums habe ich immer für Praktika genutzt. Wenn man in den Kreativbereich will, sind sie meiner Meinung nach ebenso wertvoll wie das Studium an sich – wenn nicht sogar noch wichtiger. Ich war zum Beispiel bei der Rheinischen Post, der Gala. Nach meinem Grundstudium habe ich ein Praktikum bei meinem damaligen Lieblingsmagazin, der InStyle, absolviert. Die Chefredakteurin Annette Weber war mein großes Vorbild – und wurde im Zuge des Praktikums zu meiner wichtigsten beruflichen Mentorin. Ich erinnere mich noch genau an ihre Worte: “Julia, die guten Praktikantinnen kommen wieder. Dann werden sie Volontärin und dann Redakteurin.” Und genauso lief es bei mir ab. Schließlich stieg ich dann zur Fashion News Director auf. Im Zuge der Arbeit bei der InStyle habe ich neben zahlreichen Modedesignern und Kreativen der Szene auch viele Internet-Unternehmer interviewt, da ich die Techszene sehr spannend fand – ob Netflix, Airbnb oder Instagram. Bei einem Pressedinner lernte ich die Bumble-Chefin Whitney Wolfe kennen, die mir die Deutschlandleitung der Networking-App anbot. Also entschloss ich mich, Digitalerfahrung in dieser Position zu sammeln.

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What is the #OneConnection that changed your professional life? Out of the many brilliant people I got to meet in my career, my mentor and friend @nettiweber has been a game changer. On my path from intern to editor to fashion news director at InStyle, Annette has been an amazing editor in chief believing in me from day one, giving me creative freedom, always having my back and in the spirit of @bumble and @bumblebizz being a woman that supports other women. This is us at Paris Fashion Week, where Annette let me work for some months when I needed to escape Munich. Merci for everything! What is your #OneConnection story? @ricarda_landgrebe @drbarbarasturm @magdalenaoehl #BumbleBizz @BumbleBizz 📸by @theurbanspotter

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Zu welchem Zeitpunkt warst du dir sicher, welchen beruflichen Weg du in deinem Leben verfolgen möchtest?

Im Grundschulalter. Ich habe so gerne Aufsätze geschrieben, dass ich entschied, Schriftstellerin zu werden. Als Teenager wurde daraus dann der Berufswunsch Journalistin. Da ich mich schon als kleines Mädchen sehr für Mode begeistert habe, entschloss ich mich schließlich dazu, beruflich meine Passionen für Mode und Kommunikation zu verbinden.

Ich bin gerne unter Menschen, netzwerke – ob beruflich oder privat

– Julia Schygulla

Wo soll es künftig für dich hingehen?

Eine schwere Frage! Ich glaube, man kann das Leben nur bedingt planen. Ich hoffe, dass ich beruflich immer vor allem das mache, was mir Freude bereitet und meinen Horizont erweitert.

Wie viel Einfluss hat der Ort, an dem du aufgewachsen bist, auf deine Persönlichkeit?

Ich bin gebürtige Düsseldorferin. Den Rheinländern sagt man ja nach, besonders offen und herzlich zu sein. Ich bin gerne unter Menschen, netzwerke – ob beruflich oder privat. Meine liebsten Lebensweisheiten aus dem Rheinland sind die Sprüche “Et kütt wie et kütt” (Es kommt wie es kommt) und “Et hett noch immer joot jejange” (Alles wird gut).

Was ist deiner Meinung nach das wichtigste, um eine erfolgreiche “Business Woman” zu werden?

Erfolgreich ist meiner Meinung nach, wer seiner Leidenschaft nachgeht und seine Fähigkeiten gut kennt. Das spürt man sofort. Außerdem ist ein gutes Netzwerk unerlässlich. Dieses sollte mit Sorgfalt aufgebaut und gepflegt werden.

Eine fantastische Praktikantin ist ein ebenso wichtiger und wertvoller Kontakt wie der CEO eines großen Konzerns

– Julia Schygulla

Wie sammelst du für dich wichtige Kontakte und wie gehst du sicher, dass dich die Personen auch im Hinterkopf behalten?

Auch hier gab es bei mir nie einen Masterplan. Ich habe mich auf meine Intuition verlassen. Welches Gefühl habe ich bei einer Person? Wichtig ist, sich nicht von Hierarchien leiten zu lassen und nur “nach oben” zu netzwerken. Eine fantastische Praktikantin ist ein ebenso wichtiger und wertvoller Kontakt wie der CEO eines großen Konzerns. Hat man einen guten Draht zu einer Person, ergibt sich daraus automatisch eine nachhaltige Beziehung. Ich betreibe Networking sehr ungezwungen.

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Welche Bedeutung hat Social Media in Hinblick auf deine Karriere und dein Privatleben?

Social Media sehe ich in erster Linie als ein Networking-Tool. Gerade wenn das Netzwerk recht groß und international breit gestreut ist, sind soziale Netzwerke extrem hilfreich dabei, zu verfolgen, was die anderen gerade machen, und mitzuteilen, an welchen Projekten man selbst gerade arbeitet.

Du bist immer stilsicher gekleidet. Richtest du dich nach aktuellen Trends und was bedeutet guter Stil für dich?

Ich wusste schon als kleines Mädchen recht genau, was mir gefällt und was nicht. Meinen Stil habe ich trotz der langjährigen Arbeit in der Modebranche nie nach Trends, sondern meinem eigenen ästhetischen Empfinden ausgerichtet. Ich liebe Mode sehr, mache mir morgens vor dem Kleiderschrank allerdings nicht zu viele Gedanken, sondern kleide mich sehr intuitiv und mag klassische Stücke. Von Yves Saint Laurent stammt das schöne Zitat “Les modes passent, le style est éternel.” Mode vergeht, Stil bleibt. Guter Stil ist zeitlos. Schaut man sich Bilder der Bouvier-Schwestern, von Lee Radziwill und Jaqueline Kennedy Onassis, Lauren Hutton oder Jane Birkin an, könnte man sie genauso in die Jetzt-Zeit beamen. Das ist guter Stil.

Vertrauen ist die Basis einer jeden zwischenmenschlichen Beziehung

– Julia Schygulla

Vor Bumble hast du bei der InStyle gearbeitet. Wie groß sind die Unterschiede zwischen der Mode- und der Tech-Branche?

Beide Branchen haben ein schnelles Tempo, sind am Puls. Bumble ist ja anders als viele Companies im Silicon Valley von einer Frau, Whitney Wolfe, gegründet worden, und es arbeiten sehr viele Frauen für das Unternehmen. Ähnlich wie es auch in der Moderedaktion der Fall war. Für mich persönlich war der größte Unterschied, dass man beim Aufbau einer Auslandsdependance zum Generalisten wird. Sprich: Man betreut alle Bereiche – vom Marketing über die Pressearbeit bis hin zu administrativen Aufgaben.

Wie nutzt du Bumble in deinem Alltag?

Ich mag die Bumble-Bizz-Funktion sehr gerne, da man hier spannende Leute aus seiner eigenen, aber vor allem auch aus anderen Branchen kennenlernen kann.

Wie wichtig ist Vertrauen in deiner Position?

Vertrauen ist die Basis einer jeden zwischenmenschlichen Beziehung. Umso mehr, wenn man im Team arbeitet. Es ist immens wichtig zu wissen, dass man sich auf sein Team verlassen kann und alle an einem Strang ziehen.

Was tust du für deine Work-Life-Balance? Welche Hobbys verfolgst du?

Ich habe viele gute Freunde und ein enges Verhältnis zu meinen Eltern. Es ist mir unglaublich wichtig, mit ihnen in engem Austausch zu stehen und alle regelmäßig zu sehen. Das ist meine Basis fürs Glücklichsein. Außerdem praktiziere ich seit Jahren regelmäßig Yoga. Das hilft mir ungemein dabei, mich auszubalancieren und auch in stressigen Phasen Ruhe und einen klaren Fokus zu bewahren.

Gibt es große Vorbilder in deinem Leben?

Ich bewundere meine Mutter dafür, wie sie in jeder Lebenssituation Stil und einen kühlen Kopf bewahrt. Und dafür, mit wie viel Liebe und bedingungslosem Rückhalt meine Eltern mir zur Seite stehen. In meinem Freundeskreis gibt es viele Frauen, etwa Annette Weber und Dr. Barbara Sturm, die unglaublich spannend sind, mit Konsequenz ihre Karriere verfolgt haben und für andere Frauen einstehen.

Vielen lieben Dank für das Interview!

Das Beitragsbild ist von Patricia Lukas

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Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

1 Kommentar

  1. Inge Autenrieth

    Sorry, Ihre “Übersetzung” eist falsch…. es muss heissen: es ist noch immer gut ausgegangen, was sich nicht auf die Zukunft bezieht sondern auf die Vergangenheit .

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