JAN ‘N JUNE – Wie zwei Hamburgerinnen die Welt verändern

31.05.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Anna Bronowski und Juliana Holtzheimer sind die Gründerinnen von Jan N June

Die beiden Hamburger Designerinnen Anna und Jula starteten im Jahr 2014 mit JAN ‘N JUNE ihr eigenes Label. Obwohl sie ihr Modestudium gerade erst abgeschlossen hatten, sorgten ein großer Wille, eine ordentliche Portion Mut und der Wunsch nach Veränderung für eine beispielhafte Gründung.

Alles begann mit einem Crowdfunding-Projekt. Heute, wenige Jahre später, sitzen wir mit Anna Bronowski und Juliana Holtzheimer zusammen in der Hamburger Innenstadt. Die Sonne scheint, und die beiden Designerinnen sind gut gelaunt – was, wie wir glauben, vermutlich nicht nur an dem fabelhaften Wetter liegt. Anna und Jula leben ihren Traum, mit dem sie ganz nebenbei auch noch einen großen Beitrag für unsere Umwelt leisten und das allgemeine Bewusstsein bei ihren Kundinnen und der Industrie schärfen.

Mit JAN ‘N JUNE verfolgen die beiden eine ganz besondere Mission: Faire und nachhaltige Mode zu bezahlbaren Preisen. Dabei legen sie nicht nur großen Wert darauf, dass für ihre vegane Kleidung ausschließlich bio-zertifizierte Materialien verwendet werden. Durch die sogenannte Eco-ID kann jede Käuferin detailliert nachverfolgen, woher ein bestimmtes Teil kommt und welche Reise es hinter sich hat – beim Scannen des Codes lässt sich sogar das Anbaugebiet des Rohstoffes nachvollziehen. Das Konzept kommt super an. JAN ‘N JUNE wächst stetig und hat es inzwischen sogar über die europäischen Grenzen hinaus in einen Laden nach New York geschafft.

Welche großen Ziele Anna und Jula in Zukunft verfolgen, welchen Herausforderungen sich die beiden täglich stellen müssen und was sie jungen Gründerinnen raten, haben sie uns im Interview verraten.

JanNJune Outfit
Bildquelle: Lena Scherer

Wie hat sich JAN ‘N JUNE seit der ersten Kollektionspräsentation im Januar 2015 entwickelt?

Jula: Nach der Präsentation der Frühjahr-/Sommer-Kollektion 2015 sind wir im März mit dem Online-Shop an den Start gegangen, in dem es zunächst nur wenige Teile zu kaufen gab. In den darauffolgenden Wochen und Monaten fanden auch ohne signifikante Werbemaßnahmen einige Leute den Weg zu unserem Shop – es gab aber auch zwei Monate, in denen wir insgesamt nur zwei Bestellungen hatten. Wir haben mit einer selbstgebauten Version des Shops begonnen und arbeiten bis heute damit. Die neue Website kommt aber bald! Weiterhin sind wir gerade dabei, in ein richtiges Büro zu ziehen. Seit Mitte 2017 haben wir eine Werkstudentin und seit Januar eine erste Festangestellte im Team.

Anna: Allerdings lief vor allem der erste Monat gar nicht so schlecht, weil viele Leute durch das Crowdfunding auf die Kollektion gewartet haben. Nach der Messe im Januar 2016 sind wir und auch der Online-Shop stetig gewachsen. Hinzu kamen auch die ersten Ordern von kleinen Boutiquen. Inzwischen sind wir bei 70 Einzelhändlern europaweit vertreten und in insgesamt 12 Ländern erhältlich. Ein Laden befindet sich sogar in New York. Wie Jula schon sagt, sind wir gerade dabei, unseren Online-Shop neu zu gestalten.

Seid ihr inzwischen rentabel?

Jula: Wir sind auf einem richtig guten Weg. Wir verdienen keine enormen Gehälter. Es ist immer noch alles auf Sparflamme, aber wir haben uns auch lange gar nichts bezahlt, und es ist schön, dass die Zeiten vorbei sind. Jetzt kommt bald eine große Miete dazu und immer mehr Mitarbeiter.

Anna: Wir sind noch nicht ganz an dem Punkt angelangt, an dem alles perfekt läuft – ein bisschen höher muss es schon noch gehen. Aber wir schreiben nicht die ganze Zeit rote Zahlen. Einnahmen werden natürlich auch direkt refinanziert und alles läuft in die richtige Richtung – nämlich immer weiter bergauf.

Was genau hat euch damals gefehlt, als ihr den Entschluss gefasst habt, ein eigenes Label zu gründen?

Jula: Damals dachten wir: Warum gibt es kein nachhaltiges Modelabel mit einer großen Modeaffinität, das außerdem bezahlbar ist? Das Ziel ist es, Mode zu entwerfen, die Basics, aber auch schickere Sachen für die Party oder das Büro bereithält, um einfach alle Bereiche abzudecken – ohne dafür Unsummen ausgeben zu müssen. Der bezahlbare Aspekt ist uns also wirklich wichtig.

Anna: Es war außerdem so, dass wir uns sicher waren, dass, wenn wir es nicht machen, wird es früher oder später jemand anderes tun. Das hat uns also ein Stück weit angespornt, dieses Projekt in Angriff zu nehmen. Da die Lücke für uns so klaffend war.

Wie viel muss eure Kundin für das teuerste Produkt in eurem Shop zahlen?

Jula: Im Sommer ist es ein Trenchcoat, der 180 Euro kostet. Im Winter ist es ein Mantel, der bei 270 Euro liegt. In der aktuellen Kollektion haben wir auch einen Teddy-Mantel, der noch etwas teurer ist. Doch das soll eine Ausnahme bleiben. Los geht es übrigens mit einem T Shirt ab 30 Euro.

JanNJune Outfit
Bildquelle: Lena Scherer

Gibt es ein Teil, auf das ihr besonders stolz seid? Was verkauft sich am besten?

Jula: Das ist ganz klar das Triangle in Schwarz. Das ist ein Spaghetti-Top mit hochgezogenen Trägern. Das ist sehr beliebt.

Anna: Ja, das ist aus einem Tencel Interlock. Dieses Material ist relativ dick, aber kühl und fließend und nicht durchsichtig. Es trägt sich superschön auf der Haut. Wir wussten sofort, dass das ein Selbstläufer werden würde. Die Menge an Tops, die wir bisher verkauft haben, ist wirklich enorm.

Jula: Natürlich verkaufen sich Teile wie Tops, T-Shirts, schlichte schwarze Hosen und auch schwarze Pullover immer sehr gut. Zu den Lieblingen gehören aber gerade über unseren Online-Shop auch immer wieder Teile, die ein bisschen gewagter sind.

Wir verfolgen den nordischen, cleanen Stil und bleiben diesem immer treu.

Wie viele Kollektionen macht ihr im Jahr? Folgt ihr kommenden Trends?

Anna: Neben den zwei Kollektionen im Jahr haben wir immer mal wieder Sonderkollektionen. Diese lassen wir allerdings nur über den Online-Handel laufen. Zur Kollektionsentwicklung, fahren wir immer auf die Stoffmesse. Dort gibt es neben Stoffneuheiten auch eine Menge Trend- und Farbvorträge, aber auch Themen zu Silhouetten. Die Art, wie sich Trends durchsetzen, hat sich unglaublich gewandelt. Wir lassen uns inspirieren und schauen uns alles genau an.

Jula: Wir verfolgen den nordischen, cleanen Stil und bleiben diesem immer treu. Wir nehmen einige Einflüsse mit, setzen alles aber immer auf unsere eigene Art und Weise um. Wir haben zuletzt viel mit Neopren gearbeitet. Das sieht dann ein bisschen mehr edgy aus durch offen verarbeitete Kanten und hat mehr Coolness.

Ihr habt noch bis zum 2. Juni einen Pop-up-Shop in Hamburg. Sind weitere Städte geplant?

Jula: Bei Instagram bekommen wir täglich Anfragen zu diesem Thema. Doch leider sind Pop-up-Shops in anderen Städten erst einmal nicht konkret geplant. Was viele nicht wissen: Die Umsetzung bedeutet einen wahnsinnig großen Aufwand für uns. Die Liegeware muss ladentauglich gemacht werden – wir müssen im Vorhinein alles bügeln und aufhängen.

Anna: Und je nachdem, um welches Konzept es sich handelt, muss auch immer jemand im Laden stehen. Hier in Hamburg konnten wir uns zum Glück als Untermieter in einen Laden einmieten und so auch eine Menge Arbeit abgeben. Das kommt also auch auf das Konzept mit an.

JanNJune Outfit
Bildquelle: Lena Scherer

In eurem Online-Shop gibt es einen Reiter, der die Kundin zu veganer Mode führt. Sind nicht alle Teile längst vegan?

Jula: Von den Stoffen her waren wir schon immer vegan. Es gab in der allerersten und zweiten Kollektion ein paar Teile, bei denen die Knöpfe aus GOTS zertifiziertem Perlmutt waren. Deshalb gibt es noch immer diese Unterteilung. Heute sind allerdings 99 Prozent der Artikel vegan. Wahrscheinlich müsste ich eine “nicht vegan”- Spalte einfügen – das wäre dann allerdings auch nur ein Poloshirt aus der alten Kollektion. Nichtsdestotrotz gibt es auch eine nicht-vegane Stoffvariante, die uns interessiert. Das ist recycelte Wolle. Momentan ist diese noch sehr schwierig zu bekommen. Doch die Verwendung wollen wir nicht ganz ausschließen. Wolle ist ein Material, das man so bisher noch nicht nachbauen kann. Daher kann bisher keine noch so tolle Chemie-Faser das, was Wolle kann. Allerdings ist uns der Recycling-Aspekt bei allem wirklich wichtig. Das, was schon da ist, sollte man auch weiter verwenden.

Heute sind allerdings 99 Prozent der Artikel vegan.

Woher kommen eure Materialien ganz genau? Wo wird produziert?

Jula: Derzeit verwenden wir unter anderem Meeresmüll und Fischernetze. Daraus entsteht ein ganz tolles Material. Es ist neoprenartig, thermoausgleichend, atmungsaktiv und eigentlich eher für den Sportswear-Bereich gedacht. Wir haben es ein wenig zweckentfremdet und müssen sagen, dass es sich inzwischen zu einem unserer Lieblingsmaterialien entwickelt hat.

Ansonsten verwenden wir noch Bioleinen, recycelte Baumwolle, recyceltes Polyester, Biobaumwolle und Tencel – eine nachhaltige Viskose, die den Chemie- und Wassereinsatz stark minimiert beziehungsweise im Kreislauf laufen lässt. Und dann schauen wir auch immer wieder, was es Neues auf dem Markt gibt.

JanNJune Outfit
Bildquelle: Lena Scherer

Anna: Die Frage der Kreislauffähigkeit ist ein spannendes Thema für uns. Wir haben eine Kollaboration mit einer Berliner Designerin gestartet und eine Versuchskollektion umgesetzt. Die Teile können im Nachhinein wirklich auf dem Kompost entsorgt werden oder eben von verschiedenen Unternehmen problemlos recycelt und wiederverwertet werden. Als wir mit JAN ‘N JUNE begonnen haben, haben wir es uns langfristig zum Ziel gemacht, all unsere Teile kreislauffähig zu machen, um wirklich keinen Abfall mehr zu produzieren. Doch bisher ist es wirklich schwierig, das durchzuziehen.

Zur Herkunft unserer Materialien: Natürlich ändert sich das auch mal hin und wieder, aber aktuell kommt die Baumwolle aus der Türkei und aus Uganda. Einen anderen Teil Baumwolle beziehen wir aus Indien. Tencel wird in Österreich produziert. Der Meeresmüll kommt aus den Ozeanen dieser Welt und wird global gesammelt. Ziemlich spannend: Im Internet kann man ganz genau sehen, wie und wo dieses Garn produziert wird. Für unser recyceltes Polyester aus PET-Flaschen, werden diese vorwiegend in Italien und der Türkei gesammelt, wo auch das Garn und der Stoff produziert werden. Für die Eco-ID, die wir an jedem Kleidungsstück haben, spielt die Herkunft unserer Rohstoffe und Materialien natürlich eine wichtige Rolle. Wir benutzen dafür ausschließlich zertifizierte Materialien, sodass alles nachverfolgbar bleibt.

Das Outfit sollte eine Einheit mit der Person bilden.

Was ist für euch die größte Herausforderung, wenn es darum geht, den eigenen Werten und Vorstellungen treu zu bleiben?

Anna: Es ist besonders schwierig, die richtigen Partner zu finden. Es muss auf so vielen Ebenen stimmen. Sei es der ökologische Aspekt, die Nachhaltigkeit oder Umweltfreundlichkeit. Aber auch die soziale Komponente muss mit unseren Werten und Vorstellungen übereinstimmen. Wir möchten mit Menschen zusammenarbeiten, die die gleichen Werte auch verfolgen und mittragen.

Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei euch aus?

Jula: An einem typischen Tag treffen wir uns im Büro, wir tauschen uns mit unseren Mitarbeitern aus, verbringen sehr viel Zeit vor unseren Laptops und beantworten sehr viele Mails.

Anna: Ja, ein klassischer Tag findet vor dem Laptop statt.

Jula: Und dann kann natürlich auch mal ein Termin dazwischen sein, ein Interview – so wie heute –, ein Vorstellungsgespräch oder ein Fototermin.

Was bedeutet guter Stil für euch?

Jula: Wenn das Outfit einer Person ihr oder ihm Selbstsicherheit und Aura gibt.

Anna: Wenn es die Persönlichkeit unterstreicht. Es geht immer Hand in Hand damit, dass man sich mit dem Look auch wohlfühlt. Es ist also weniger ein Trend. Das Outfit sollte eine Einheit mit der Person bilden.

Habt ihr eigentlich eure komplette Garderobe gegen eure eigenen Sachen ausgetauscht?

Jula: Nein. Allerdings tragen wir inzwischen fast täglich unsere eigene Mode. Zu Beginn war es auch oft so, dass wir alles, was wir uns genommen haben, natürlich nicht verkaufen konnten. Aber wir shoppen auch noch woanders. Da wir selbst keine Jeans machen, müssen wir einige Teile auch woanders einkaufen.

JanNJune Outfit
Bildquelle: Lena Scherer

Denkt ihr viel darüber nach, was andere von eurer Arbeit halten?

Jula: Wir denken viel darüber nach, was unsere Kunden von unserer Arbeit halten. Ansonsten haben wir ehrlich gesagt gar nicht wirklich Zeit, um darüber nachzudenken, was andere denken, die beispielsweise auch ein Label haben oder mit uns studiert haben.

Welche Bedeutung hat Feedback für euch?

Anna: Feedback bekommen wir viel. Positives sowie Negatives. Eine Mail haben wir letztens sogar ausgedruckt, weil die so schön war. Das ist wirklich wichtig für uns, man weiß dann nämlich wieder, warum man das alles macht. Auch wenn mal etwas nicht so gut läuft, kann einen das auch wieder aufbauen.

Jula: Ich betreue unsere Social-Media-Kanäle. That’s what keeps us going. Danke an alle, die ihr Feedback mit uns teilen – egal ob positiv oder negativ.

Habt ihr zu irgendeinem Zeitpunkt schon mal darüber nachgedacht, alles hinzuschmeißen?

Anna: Zu Beginn haben wir uns vorgenommen, sechs Kollektionen abzuwarten – dem Ganzen also eine realistische Chance zu geben, um dann eine Grundsatzentscheidung treffen zu können. Es gab aber nie dieses allesentscheidende Gespräch, das als Konsequenz darauf abgezielt hätte, die Arbeit zu beenden.

Jula: Es hat sich auch relativ früh abgezeichnet, dass wir uns in eine richtige Richtung bewegen. Vielleicht hätte es das Gespräch gegeben, wenn wir frühzeitig gesehen hätten, dass es sich nicht weiterentwickelt.

Wie steht es um das Thema Männermode?

Jula: Gut – die Frage ist nur: wann? Wir haben Lust drauf, und die Nachfrage ist groß. Männer sind auch definitiv die treueren Kunden, da sie ein gutes und gewohntes Teil einfach immer wieder kaufen. Es handelt sich gerade tatsächlich um ein Zeitproblem.

Anna: Es gibt Entwürfe, aber die sind noch nicht ausgereift.

Am Ende kaufen die Händler auch nur ein, was sich verkauft.

Wie nehmt ihr generell den Wandel wahr – das Thema Nachhaltigkeit zieht sich durch alle Bereiche. Ist das auch stückweit eine Bestätigung für eure Sache?

Anna: Ich glaube, die derzeitige Entwicklung ist auf jeden Fall ein Grund dafür, warum es sich bei uns so gut entwickelt. Das Bewusstsein steigt. Nicht nur, was Lebensmittel betrifft, sondern auch die anderen Konsumbereiche. Es kommen auch immer mehr konventionelle Händler auf uns zu, die von ihren Kunden zu diesem Thema angesprochen werden – die Nachfrage steigt ganz klar. Doch sind wir, was den Anteil nachhaltiger Mode auf dem deutschen Bekleidungsmarkt angeht, noch ein ziemlich kleiner Teil.

Jula: Als Tipp von mir: Wer in einem Laden ohne nachhaltige Mode ist, den Stil aber schön findet, sollte immer wieder nachfragen, wie die Kleidung produziert wurde, und ob es auch etwas aus Biobaumwolle gibt. Je mehr Leute fragen, desto mehr merken die, dass es da Bedarf gibt, und dann wird das weitergegeben. Wir haben es so schon geschafft, in bestimmte Läden reinzukommen, weil die Kunden nach uns gefragt haben. Damit kann man wirklich etwas bewegen.

Anna: Am Ende kaufen die Händler auch nur ein, was sich verkauft. Es gibt noch immer zu viele Läden, bei denen wir denken: Krass, wie viele Klamotten hier hängen. Diese Massen an Waren – wer kauft das?

Jula: Viele der Sachen sind qualitativ auch eher schlecht. Es ist zum Erschlagen viel. Zalando schmeißt zum Teil Retouren weg, weil sich die Aufbereitung nicht lohnt. Das wissen viele Leute gar nicht.

Minimal Fashion – Den eigenen Stil finden, Kleidung bewusst einkaufen und clever kombinieren
“Minimal Fashion” – ab jetzt überall! Bildquelle: DK-Verlag

Ihr seid jetzt auch unter die Autoren gegangen?

Jula: “Minimal Fashion” ist ein kleines Side-Projekt zusammen mit dem DK-Verlag. Es geht um die Capsule Wardrobe – also eine minimale Garderobe und wie man mit möglichst wenigen Teilen immer gut gestylt ist. Wir finden, dass Minimalismus ein spannendes Thema in Bezug auf Nachhaltigkeit und auf Langlebigkeit von Kleidung ist. “Minimal Fashion” ist ein Ratgeber, der einem hilft, wenn man sich minimieren möchte.

Was könnt ihr jungen Gründerinnen und Gründern mit auf den Weg geben, die eventuell das gleiche Ziel haben wie ihr?

Anna: Im Nachhinein war es für uns ganz gut, dass uns nicht alle Konsequenzen bewusst waren, sonst hätten wir es vielleicht gar nicht gemacht. Aber es ist definitiv wichtig, dass das Konzept schlüssig ist. Außerdem sollte es sich um etwas handeln, was es so noch nicht gibt. Und wenn die Grundidee schon auf dem Markt existiert, sollte sie besser umgesetzt werden als bisher.

Jula: Das Konzept ist das A und O. Es muss eine wasserdichte Idee sein. Du musst nicht das Rad neu erfinden, aber ein USP muss sein.
Dann sollte man einen langen Atem und Durchhaltevermögen haben. Speziell in der Mode heißt es, dass man mindestens sechs Kollektionen – also drei Jahre – durchhalten muss, bevor Erfolge verzeichnet werden können. Wenn nach der zweiten Kollektion gar nichts mehr geht, wurde falsch kalkuliert, denn man braucht einen langen Atem und muss Durststrecken finanziell überbrücken können. Als Gründer sollte man sich zudem Zeit nehmen, nicht nur im, sondern auch am Unternehmen zu arbeiten. Das haben wir relativ früh erkannt – die Umsetzung hat allerdings ziemlich lange gedauert. Du steckst im Daily Business und musst dir auch mal Zeit nehmen, das große Ganze zu sehen.
Ein weiterer Tipp: Man sollte immer mehr Zeit und Geld einplanen, als zunächst gedacht. Vor allem zu Beginn. Und Plan A, B und C funktionieren häufig nicht. Plan Z sollte also auch gut ausgefeilt sein. Am Ende ganz wichtig: Es geht immer weiter.

Anna: Ja, eine Lösung findet sich immer. Als weibliche Gründerin empfehlen wir außerdem, ein bisschen mutiger zu sein. Und wer Hilfe braucht, sollte sie sich rechtzeitig holen. Gerade bei Mitarbeitern, sollte man nicht unterschätzen was für einen Mehrwert sie auch mit einbringen. Man sollte sie also eher als Investition betrachten und nicht nur als reinen Kostenpunkt sehen.

Vielen Dank für das tolle Gespräch und bis bald!

Anna Bronowski und Juliana Holtzheimer
Anna Bronowski und Juliana Holtzheimer

Das Beitragsbild ist von JAN ‘N JUNE

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Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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