Fabian Soethof: “Für meine Kinder arbeite ich in Teilzeit”

22.11.2018
Words by Annekathrin Walther
Fabian Soethof mit Kid A und Kid B

Mama ist die Beste? Papa auch. Nur reden Väter – zumindest öffentlich – nach wie vor weniger darüber als Mütter. Dabei haben sie viel zu sagen, wenn es darum geht, wie die Elternrolle modern gelebt werden kann und wie der Herausforderung beizukommen ist, Arbeit und Familie miteinander zu verbinden. Wer an einer humorvollen Annäherung an das Thema interessiert ist oder nach Orientierung im Eltern-Onlinedschungel sucht, kann sich von Fabian Soethof inspirieren lassen. Denn der ist Vater und schreibt darüber auf seinem Blog newkidandtheblog.de. Mit uns spricht er im Interview übers Vatersein, Bloggen und die Vereinbarkeitslüge.

Männer und Elternzeit? Erwünscht oder noch immer ein heikles Thema? Mehr dazu liest du ab dem 24. November hier!

Was ist das Beste am Vatersein?

Das Beste am Vatersein ist, dass ich merke, wie unwichtig alles andere ist. Was man vorher für das Zentrum seines Lebens gehalten hat, also vor allem Arbeit und Geldverdienen, das ist einfach nicht mehr so wichtig. Blöd ist, dass alles, was man nicht mehr so wichtig findet, trotzdem wichtig bleibt oder noch wichtiger wird: Weil eben Geld verdient werden muss.

Arbeit ist eine Abwechslung zum Kinderalltag und deshalb grundsätzlich willkommen, so lange die Mischung stimmt.

Aus deiner Situation als Vater heraus: Was ist das Beste am Arbeiten?

Das Beste am Arbeiten finde ich – ganz egoistisch – die Auszeit, die man hat. Es kommt natürlich drauf an, was man arbeitet. Ich sitze meistens im Büro am Schreibtisch. Mitunter habe ich Stress und viel zu tun, aber keinen Stress, bei dem mir dauernd jemand in die Ohren schreit oder eine neue Windel braucht und ich immer daneben stehen muss, damit er nicht gleich vom Tisch fällt. Arbeit ist eine Abwechslung zum Kinderalltag und deshalb grundsätzlich willkommen, so lange die Mischung stimmt.

Wie viele Kinder hast du?

Zwei. Der Große ist gerade fünf geworden und der Kleine ist zweieinhalb.

Punk is Dad
Papa ist was? Punk is Dad ; Bildquelle: Fabian Soethof

Auf deinem Blog heißen sie Kid A und Kid B. Warum?

Es gibt ein fantastisches Album von Radiohead aus dem Jahr 2000, das heißt Kid A. Musikfans checken das, und für die, die es nicht wissen, ist es einfach das Pseudonym für das Kind. Das zweite Kind war damals noch nicht geplant.

Habt ihr euch bewusst für zwei Kinder entschieden?

Ja. Nicht, dass Einzelkinder ein schlechteres Leben hätten. Mit zwei Kindern hat man mehr Geschrei im Haus, das Gute ist aber, dass der Kleine mittlerweile auch in einem Alter ist, wo die beiden anfangen, miteinander zu spielen.

Seit Oktober 2017 arbeite ich 30 Stunden, also in Teilzeit.

Beschreib doch mal deine derzeitige Arbeitssituation.

Seit Oktober 2017 arbeite ich 30 Stunden, also in Teilzeit. Meinen jetzigen Job habe ich 2013 angefangen, ungefähr zeitgleich mit der Nachricht, dass wir unser erstes Kind erwarten. Damals habe ich allerdings in Vollzeit gearbeitet.

Wie kam es zu der Veränderung?

Als die Kinder noch kleiner waren und ich in Vollzeit gearbeitet habe, ging es mir oft so, dass ich mich auf der Arbeit nicht richtig auf die Arbeit konzentrieren konnte, weil ich daran denken musste, was jetzt grade zu Hause abgeht. Zu Hause bei den Kindern war ich dann gedanklich bei der Arbeit: Das muss ich morgen machen, das habe ich heute nicht geschafft und so weiter. Ich war nie wirklich bei einer Sache. Vielleicht ist das mein Problem, ich glaube aber, dass es vielen so geht.

Vereinbarkeit ist ein Wort, das Leuten vorgaukelt, dass Beruf und Familie mehr oder weniger problemlos unter einen Hut zu bringen sind.

Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren fandest du schwierig?

Vereinbarkeit ist ein Wort, das Leuten vorgaukelt, dass Beruf und Familie mehr oder weniger problemlos unter einen Hut zu bringen sind. Ich habe auch einen Blogpost darüber geschrieben: Die große Vereinbarkeitslüge. Meine Erfahrung ist, dass man alles unter einen Hut kriegt, weil man es eben irgendwie hinkriegen muss. Damals kommentierte jemand auf dem Blog, dass er es mit Teilzeit und Kindergarten gut hinkriegt. Wir haben uns dann Gedanken gemacht, wie es anders werden könnte. Seit ich dauerhaft in Teilzeit arbeite, funktioniert es wirklich besser.

Trapez mit CD-Regal
Unterm-Trapez-Liegen und Musikhören sind absolut vereinbar ; Bildquelle: Fabian Soethof

Hat die Teilzeit auch Nachteile?

Die Arbeit wird natürlich nicht weniger, und man muss in 30 Stunden halbwegs das Gleiche schaffen wie in 40. Trotzdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass weder die Arbeit noch die Familie unter der jetzigen Situation leidet. Und wegen der Familie habe ich es ja gemacht. Ich fand es einfach doof und auch überholt, dass ich immer erst um 19 Uhr zu Hause war und meine Frau die ganze Arbeit hatte.

Ist der Alltag mit Kindern durch die Teilzeit weniger stressig?

Das würde ich eher nicht sagen. Morgens anziehen und zum Kinderladen bringen mache ich meistens, weil ich eh rausgehe. Meine Frau ist selbstständig. Ich arbeite bis 15 Uhr und hole dann die Kinder wieder ab. Beim Kinderladen muss man auch pünktlich sein, denn der schließt um 16 Uhr. Und dann geht es mit Bespaße und Gespiele weiter. Der Alltag ist auch deshalb stressig, weil man keine Pausen hat. Auch wenn wir uns die Aufgaben so weit wie möglich teilen.

Ich schreibe gern, ich erlebe den ganzen Tag eh nichts anderes mehr außer Kinderkram, also bringe ich doch beides zusammen.

Das Besondere bei dir ist ja, dass du über das Vatersein bloggst. Wie schaffst du das bei der wenigen Zeit?

Als beide Kinder noch so klein waren, dass man viel mit dem Kinderwagen unterwegs sein musste, habe ich manchmal beim Spazierengehen auf dem Handy geschrieben. Bloggen ist als Hobby definitiv leichter unterzukriegen als etwas, wo man noch extra hinfahren muss.

Finger in der Steckdose
Nein! Bildquelle: Fabian Soethof

Kam es auch deshalb zu dem Blog?

Eine Motivation war definitiv, dass ich das Gefühl hatte, ich muss in der wenigen Freizeit, die ich noch habe, alles miteinander verbinden: Ich schreibe gern, ich erlebe den ganzen Tag eh nichts anderes mehr außer Kinderkram, also bringe ich doch beides zusammen.

Gab es noch andere Motivationen?

Mich hat diese ganze Forenhysterie ein bisschen gestört. Ich wollte einen kleinen, möglichst lustigen, schmissigen Gegenpunkt setzen. Ich wollte etwas Privates, aber nicht zu Privates schreiben. Und vor allem nichts aus der Kategorie: “Unser Wochenende in Bildern” und “Schau mal, wie schön wir im Laub gespielt haben.” Es ging mir darum, das Thema ein bisschen entspannter anzugehen und zu sagen: Hey, es geht auch mit Humor. Vor allem aber wollte ich die Wahrheit sagen.

Wie meinst du das?

Ich zitiere an dieser Stelle gerne einen Kollegen, der immer sagt: “Fabian, wenn ich deinen Blog lese, will ich keine Kinder mehr kriegen.” Er findet das alles negativ und pessimistisch. Ich sage dann immer: Ja, aber das ist das, was ich gerne vorher gelesen hätte. Wenn man Leute fragt – online oder offline – ist immer alles ganz toll und schön mit Kind. Fragt man aber dreimal oder erwischt die Leute in einem privateren Moment, merkt man, dass es natürlich nicht immer so ist: Dass sie auf dem Zahnfleisch gehen, weil sie seit Monaten nicht geschlafen haben. Oder dass das Kind im Moment nur einschläft, wenn man den Fön anmacht. Das sind doch die Geschichten, die ich hören will. Es ist doch viel echter, als zu sagen: Mein Leben ist jetzt so erfüllt. Ist es ja auch, aber das ist eben nicht alles.

Wie Fabian und seine Frau mit der Elternzeit umgegangen sind, hat er uns auch noch erzählt.

Das Beitragsbild ist übrigens von Fabian Soethof

share:
FacebookPinterest
Annekathrin Walther

Annekathrin Walther spielt mit Text seit ihr Lesen und Schreiben möglich ist. Auf ihr Studium der LIteraturwissenschaft folgten Exkursionen ins Stadttheater und den Buchhandel. Seit 2013 liegt sie als Freiberuflerin vor Anker und schreibt als solche für Theater, Audio und Internet.

1 Kommentar

kommentieren