Fabian Soethof: “Bei der Arbeit ist niemand unersetzbar”

24.11.2018
Words by Annekathrin Walther
Fabian Soethof mit Kid A und Kid B

Fabian Soethof ist Blogger, arbeitet als Online-Redakteur und ist Vater von zwei Kindern. Auf NewKidAndTheBlog.de nimmt er seine Leser mit in seinen Alltag und beschreibt auf charmante und witzige – aber immer ehrliche Art und Weise, was es heißt, den Job und die Kinder unter einen Hut zu bekommen. Im Interview mit uns spricht Fabian über das Thema Elternzeit, und warum es Männern noch immer schwer gemacht wird, sich eine längere Auszeit zu nehmen.

Männer die für ihre Kinder in Teilzeit gehen? Ja, die gibt es. Nämlich hier!

Hast du eigentlich Elternzeit genommen?

Ja, mehrere Monate bei beiden Kindern. Aber ich war nicht monatelang allein mit Kind zu Hause. Nicht, weil ich nicht gewollt hätte, sondern weil meine Frau auch noch in Elternzeit war. Meine Frau hat insgesamt länger Elternzeit gemacht als ich.

In Bezug auf Arbeit ist niemand unersetzbar. Gerade für einen überschaubaren Zeitraum.

Was sind deine Erfahrungen mit Arbeit und Elternzeit?

Es ist nach wie vor selbstverständlich, egal ob man in Berlin oder Wanne-Eickel wohnt, dass die Frau mit Mutterschutz und Elternzeit die längere Auszeit nimmt. Beim Vater sind die zwei Wochen Urlaub kein Problem. Wenn man dann Elternzeit beantragt, heißt es: Klar, da hast du ein Recht drauf. Beantragt man dann aber mehr als zwei Monate, wundern sich die Leute schon. Die Erwartungshaltung ist eine andere.

Kaugummiautomat
Hoffentlich kommt da nicht wieder so ein Schrott ; Bildquelle: Fabian Soethof

Was bedeutet das für Väter?

Ich glaube, dass sich immer noch viele Väter Sprüche anhören müssen: Früher ging es doch auch mit einem Monat, wieso muss es denn jetzt mehr sein? Und: Es ist ja schön, dass du deine Frau unterstützt. Allein diese Formulierung finde ich schon zum Kotzen: “Die Frau unterstützen”. Warum sagt keiner, dass sie mich unterstützt? Wir unterstützen uns gegenseitig. Ich kann doch auch mal derjenige sein, der sich kümmert. In einer idealen Gesellschaft sollte es ausgeglichen sein. Nur weil unsere Väter immer erst um acht von der Arbeit kamen, heißt das doch nicht, dass wir es genauso machen müssen.

In Bezug auf Elternzeit heißt es bei Vätern oft: Ich würde ja gerne, aber ich kann es mir nicht erlauben.

Was sind Argumente von Vätern gegen Elternzeit?

In Bezug auf Elternzeit heißt es bei Vätern oft: Ich würde ja gerne, aber ich kann es mir nicht erlauben, weil es auf der Arbeit so viel Stress gibt und ich so viel Verantwortung habe. Ich will keinem seine Arbeit madig machen, glaube aber gleichzeitig, dass in Bezug auf Arbeit niemand unersetzbar ist. Gerade für einen überschaubaren Zeitraum. Es ist wichtig, dass Väter Elternzeit nehmen und auch mal länger Elternzeit nehmen. Wenn es immer alle so machen, wie es der Chef schon seit zwanzig Jahren kennt, warum soll er einen dann länger als zwei oder drei Monate gehen lassen?

Ich wünsche mir mehr Selbstverständlichkeit.

Ist das etwas, das du dir wünschst? Dass Väter mehr und länger Elternzeit nehmen?

Ich wünsche mir mehr Selbstverständlichkeit. Dass nicht nur von mithelfen und unterstützen gesprochen wird, sondern dass Väter genauso da sind wie Frauen oder Mütter. Wir sind nun mal 50 Prozent der Eltern. Jeder hat seine eigenen Maßstäbe und Möglichkeiten. Aber letztendlich wünscht sich wahrscheinlich jedes Kind von seinem Vater, dass er so viel Zeit wie möglich hat.

Darth Vader
Darth Vater ; Bildquelle: Fabian Soethof

Was wünschst du dir noch?

Mehr Gelassenheit und dass sich die Leute nicht so viel von anderen reinreden lassen. Ich wünsche mir, dass sich alle, soweit es geht, von gesellschaftlichen Erwartungen frei machen und es so machen, wie sie glauben, dass es für sie selbst und die Kinder am besten ist. Von mir selbst wünsche ich mir außerdem, dass ich nicht so oft so genervt bin. Man ist schon einfach jeden Tag mal kurz mit den Nerven fertig. Das ist normal. Manchmal ärgere ich mich aber, wenn ich mich dabei erwische, dass ich einen Tick zu barsch zu den Kindern bin oder lauter als ich eigentlich sein möchte.

Unser heutiger Alltag ist das, an das sich unsere Kinder später als Kindheit erinnern werden.

Hast du eine Idee, wie man diese Wünsche in die Tat umsetzen könnte?

Als Mutter und Vater, als Mensch überhaupt, muss man die Zeit, die man hat, mehr genießen. Klingt jetzt blöd und esoterisch, aber der Alltag besteht so viel aus Abarbeiten und To-do-Listen-Abhaken: Wir beide machen die Wäsche, wir gehen zum Supermarkt und dann noch kurz auf den Spielplatz und ich selber spiele dabei viel auf dem Handy rum. Ich finde das alles nicht grundsätzlich schlimm, und doch nervt es mich manchmal. Bei all dem wird manchmal vergessen, dass unser heutiger Alltag das ist, an das sich unsere Kinder später als Kindheit erinnern werden. Der Spruch ging vor ein paar Monaten in der Elternblogszene rum und wurde ziemlich platt getreten. Der grundsätzliche Gedanke ist aber natürlich wichtig. Ganz ehrlich, es ist tierisch anstrengend mit so wilden Kerlen, die immer was von einem wollen. Aber lieber das, als irgendwas anderes.

Vielen Dank für das Gespräch, Fabian.

Fabian arbeitet seit einiger Zeit in Teilzeit. Warum das für ihn und seine Familie die richtige Entscheidung war, lest ihr hier.

Das Beitragsbild ist übrigens von Fabian Soethof

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Annekathrin Walther

Annekathrin Walther spielt mit Text seit ihr Lesen und Schreiben möglich ist. Auf ihr Studium der LIteraturwissenschaft folgten Exkursionen ins Stadttheater und den Buchhandel. Seit 2013 liegt sie als Freiberuflerin vor Anker und schreibt als solche für Theater, Audio und Internet.

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