Wann verdienen Frauen endlich genauso viel wie Männer?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Brooks Leibee auf Unsplash
Lesezeit: 2 Minuten
Die Deutschen erhoffen sich mehr Unterstützung von der Politik…

Sollten Frauen und Männer bei gleicher Qualifikation endlich das gleiche Gehalt erhalten? Anlässlich des Equal Pay Days am 17. März 2020 haben wir nachgefragt. 

Dem Equal Pay Day liegt ein Gedankenexperiment zugrunde: Wenn man davon ausgeht, dass Frauen und Männer für gleiche Arbeit das gleiche Geld bezahlt bekommen, müssten sie für ihr tatsächliches Jahresgehalt sozusagen erst an diesem Tag anfangen zu arbeiten. Da sie tatsächlich aber schon seit Jahresanfang arbeiten, haben sie – wenn man von gleicher Bezahlung ausginge – bis zum Equal Pay Day quasi gearbeitet, ohne einen einzigen Cent dafür zu bekommen. Die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern beträgt auch in 2020 noch immer stolze 21 Prozent. »Nach wie vor belegt Deutschland mit diesem Ergebnis einen der hinteren Spitzenpositionen im europäischen Vergleich. Die Lohnlücke hat sich in den letzten Jahren kaum geändert. Die Zahlen wirken wie in Stein gemeißelt«, heißt es auf der offiziellen Informations- und Veranstaltungsseite des Equal Pay Day

Die Gründe für den Lohnunterschied sind vielfältig

Gründe für den großen Lohnunterschied gibt es viele. Dazu gehört unter anderem, dass auch heute noch eine fehlende Gehaltstransparenz herrscht. ArbeitnehmerInnen werden dazu angehalten, über ihren Lohn zu schweigen und sich nicht darüber auszutauschen. So vertraute uns eine Monda-Leserin an, dass sie ihr Einstiegsgehalt beim neuen Arbeitergeber nur akzeptierte, weil es hieß, alle MitarbeiterInnen würden zu Beginn genau diesen Lohn erhalten.  Nach einem vertrauten Gespräch mit einem männlichen Arbeitskollegen stellte sich jedoch heraus, dass er ein viel höheres Einstiegsgehalt erhalten hatte. Obwohl beide die gleichen Qualifikationen für den Job mitbrachten, wurden sie unterschiedlich eingestuft. Inzwischen sprach sie den Unterschied an und bekam eine Lohnangleichung. 

Ein weiterer Grund liegt auch an der weiterhin eher traditionellen Rollenverteilung. Denn auch heute noch sind es vor allem die Frauen, die ihre Berufstätigkeit für die Elternzeit oder die Pflege Angehöriger unterbrechen und auch deutlich länger bereit sind, dies zu tun, als Männer. Dazu heißt es: »Diese »Fehlzeiten« und darauf folgende Einstiegshemmnisse haben lang nachwirkende Einbußen bei Lohn- und Einkommensentwicklung zur Folge, was sich bis in die Rentenphase niederschlägt.« Darüber hinaus werden »frauentypische« Berufe weiterhin unterbewertet und aus diesem Grund auch häufig unterbezahlt.

Lohnungleichheit: Sollte die Politik endlich mehr tun?

Auf diese und weitere Zustände macht der Equal Pay Day aufmerksam, um im nächsten Schritt eine gerechtere Bezahlung bei gleicher Qualifikation zu fordern. Dabei steht außer Frage, dass in dieser Sache vor allem die Politik gefragt ist. Oder sehen das die Deutschen etwa anders? In einer exklusiven und bevölkerungsrepräsentativen Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey wollten wir wissen, ob die Politik deutlich mehr für eine Angleichung der Gehälter von Frauen und Männern mit gleichwertiger Qualifikation tun sollte. 

Ganze 77 Prozent der befragten TeilnehmerInnen sprechen sich für einen entschiedeneren Einsatz der Politik aus. Dagegen stehen nur 14 Prozent, die glauben, dass es nicht nötig sei, mehr für eine Angleichung der Gehälter zu tun. Schauen wir uns die einzelnen Ergebnisse genauer an, wird deutlich, dass Frauen mit etwa 85 Prozent deutlicher der Meinung sind, dass die Politik sich künftig stärker bemühen sollte ­– im Gegensatz halten das nur 69 Prozent der Männer für notwendig. Dass sich die Politik überhaupt nicht weiter mit diesem Thema beschäftigen sollte, sehen sogar knapp 20 Prozent der befragten Männer so. 

Ebenfalls interessant ist ein Blick auf die Meinungen der UmfrageteilnehmerInnen im Verhältnis zu deren Wahlabsicht. Zwar sprechen sich die Deutschen über Parteigrenzen hinweg mehrheitlich dafür aus, dass die Politik mehr für die Angleichung der Gehälter von Frauen und Männern tun sollte. Am stärksten ist diese Ansicht allerdings unter den AnhängerInnen der SPD (ca. 92 Prozent) und der Grünen (ca. 90 Prozent) vertreten. Am wenigsten verbreitet ist diese Ansicht unter den AnhängerInnen der AfD (ca. 52 Prozent). 

Was all diese Ergebnisse ganz deutlich zeigen, ist, dass die Deutschen unabhängig von Geschlecht und politischer Orientierung der Meinung sind, dass für die Angleichung der Gehälter mehr getan werden muss. Ein Appell an die Politik, den wir an dieser Stelle nur zu gern unterschreiben.

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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