Business-Briefing mit Ezimena Fliedner: Lead Cultural Change

Words by Arzu Gül
Photography: Hermes
Lesezeit: 4 Minuten
Ezimena Fliedner Hermes Deutschland - Kulturwandel

Ezimena Fliedner treibt in der Hamburger Hermes-Zentrale den Bereich Kulturwandel voran und ist damit maßgeblich für die Weiterentwicklung des Unternehmens zuständig. Im Business-Briefing beantwortet sie uns die spannendsten Fragen rund um ihren Beruf.

Als Frau in einer überwiegend von Männern geprägten Branche zu arbeiten ist für viele eine Herausforderung. Wenn man zusätzlich noch dafür zuständig ist, das Unternehmen voranzutreiben und einen kulturellen Wandel anzustoßen, kann es schonmal Gegenwind geben. Für Ezimena Fliedner stellt diese Aufgabe aber keine Herausforderung dar, sondern entspricht genau ihrem Traumberuf. Die 38-jährige Diplom-Psychologin verantwortet in der Hamburger Hermes-Zentrale das Kulturwandel-Team und schafft dort die Grundvoraussetzungen dafür, den Umgang mit den MitarbeiterInnen zu optimieren, neue Arbeitsweisen zu entwickeln und strukturelle Veränderungen herbeizuführen.

Im Monda-Business-Briefing erzählt sie uns von ihren größten beruflichen Herausforderungen, spricht darüber, wie man Veränderungen am besten vorantreibt, und teilt mit uns ihre größten Learnings in Bezug auf Menschen.

Mein Jobtitel:  Ich bin Lead Cultural Change bei der Hermes Germany GmbH. 

Welche Aufgaben sich dahinter verbergen:  Ich treibe den kulturellen Wandel bei Hermes Germany voran. Kultureller Wandel bedeutet, dass wir uns intensiv mit unserer Unternehmenskultur und der Art und Weise, wie wir miteinander arbeiten, auseinandersetzen, um unsere Performance stetig zu verbessern. Ich verstehe meine Rolle darin, die Rahmenbedingungen für diese Veränderung zu schaffen und meine KollegInnen zu befähigen, selbst für ihre Themen einzustehen, Dinge kritisch zu hinterfragen, sich einzubringen und das Unternehmen gemeinsam weiterzuentwickeln.

Wie viel ich gern pro Woche arbeiten würde:  Um all das zu schaffen, was mir wichtig ist, und dabei auch noch Zeit zu haben, mich tiefer in Themen einzulesen und mich inspirieren zu lassen, würde ich am liebsten unendlich viele Stunden pro Woche arbeiten. Aber der Tag hat nun einmal nur 24 Stunden, und meine Familie und mein Privatleben haben für mich einen hohen Stellenwert. Insofern habe ich mit meiner aktuellen Regelung von 30 Wochenstunden eine gute Balance gefunden.   

Wie viel ich tatsächlich pro Woche arbeite:  Ich arbeite in Teilzeit auf 30-Stunden-Basis. Wie viel ich tatsächlich arbeite, schwankt je nach Projektlage stark. Es gibt Wochen, da komme ich durchaus auf 40 oder 50 Stunden, aber dann kommen auch wieder ruhigere Phasen, in denen ich mir mehr Zeit für anderes nehmen kann. Auf das Jahr geblickt, ist mein Stundenkonto weitgehend ausgeglichen. 

Mein wichtigstes Learning in meinem Job war für mich: Da habe ich gleich zwei Learnings, die miteinander zusammenhängen. Erstens: Menschen sind unterschiedlich. Das klingt banal, aber es ist gerade im Bereich der Organisationsentwicklung so wichtig, andere wirklich zu Wort kommen zu lassen und ihnen zuzuhören. Jeder blickt unterschiedlich auf die Dinge. Es ist gefährlich, nur zu glauben zu wissen, was die andere Person meinen könnte. Aber trotz aller Individualität ist mein zweites Learning: Menschen sind Menschen – und damit gehen gewisse Grundbedürfnisse einher, die uns alle verbinden und die ich in meiner Arbeit berücksichtigen muss, z. B. nach sozialer Zugehörigkeit, nach Autonomie, nach Wachstum und danach, etwas zu erschaffen. Egal wie schnell sich die Welt dreht: Das sind Bedürfnisse, die sich nicht ändern. 

Kulturellen Wandel voranzutreiben geht am besten durch/mit: Eine klare Zielrichtung, offenen (!) Austausch mit den Menschen und eine große Portion Mut.   

So strukturiere ich mich selber: Im Job fällt es mir leicht, mich zu strukturieren, weil wir als Team sehr systematisch und zielorientiert arbeiten. Wir haben konkrete Jahresziele, von denen wir kleinere Monatsziele ableiten. In unserem Projektmanagementtool sehe ich dann direkt, welche größeren Themen anstehen, aber auch, welche dringenden To-dos ich für den jeweiligen Tag auf dem Tisch habe. Auch privat finde ich es übrigens wichtig, mich zu strukturieren. Bei uns hat sich ein digitaler Familienkalender bewährt, um den Überblick über unsere Termine zu behalten und die Woche gemeinsam zu organisieren.  

Die Aussicht von meinem Arbeitsplatz:  Aktuell arbeite ich im heimischen Esszimmer und schaue aus dem dritten Stock auf wunderschöne Baumkronen. Wenn ich im Büro bin, ist mein Ausblick etwas weniger grün, denn mein Büro ist zum Innenhof der Hermes-Zentrale gelegen. Dort sehe ich zwar weniger Natur, dafür aber meine lieben Kolleginnen und Kollegen – auch schön.  

Meine Lieblingspause:  Am liebsten sitze ich bei Sonnenschein gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen in besagtem Innenhof und tausche mich mit ihnen über den Job, aber vor allem natürlich über Privates aus.   

So halte ich mich wach:  Ehrlich gesagt: Ich halte mich nicht wach, ich werde wachgehalten. Mein fast vierjähriger Sohn ist ein kleines Energiebündel und hält Schlaf in der Regel für überbewertet. Ich habe oft gar keine andere Wahl, als mich von seiner guten Laune und Energie anstecken zu lassen – egal ob frühmorgens oder am Abend nach einem langen Arbeitstag.   

Meine Energie hole ich mir hier:  Das Zusammensein mit meiner Familie und mit meinen Freundinnen und Freunden ist für mich ein echter Energiebooster. Aber auch aus meinem Job ziehe ich viel Energie. Ich glaube, das liegt daran, dass ich bei fast all meinen Aufgaben genau weiß, warum und für wen ich etwas tue. Diese Sinnhaftigkeit motiviert mich extrem.  

Meine Komfortzone endet hier: In meinem Job dreht sich ja alles um Veränderungen. Dementsprechend verlasse ich meine Komfortzone im Grunde genommen jeden Tag, um Neues zu lernen und auszuprobieren. So richtig ungemütlich wird es für mich persönlich aber vor allem dann, wenn ich merke, dass Menschen sich vehement gegen etwas sperren – und zwar nicht, weil sie es in dem Moment nicht besser können, sondern weil sie einfach nicht wollen und nur ihre eigenen Themen durchboxen möchten. Da stoße ich dann an meine Grenzen.  

Wenn ich diesen Job nicht machen würde, dann wäre ich: Ich glaube, dann wäre ich erstmal arbeitslos – einen Plan B habe ich gerade nicht. Als Kleinkind sah mein Karriereplan vor, entweder Tierärztin oder Prinzessin zu werden, aber das ist lange her. Seit ich mich ernsthaft mit dem Thema Berufswahl auseinandergesetzt habe, stand für mich schon immer fest, dass ich Psychologie studieren und Menschen bei ihrer Weiterentwicklung begleiten und bekräftigen möchte, und genau in dem Bereich darf ich heute arbeiten.   

In den nächsten Monaten freue ich mich auf:  Ich freue mich vor allem darauf, wieder mehr Menschen zu sehen. So gut das Remote-Arbeiten auch funktioniert, die persönlichen Begegnungen mit den Menschen sind das, was meinen Job ausmacht und mir in der Corona-Zeit wirklich fehlt.  

Vielen Dank, liebe Ezimena, für diesen interessanten Einblick!

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

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