Eva Schubert hat den Verlag Penguin Deutschland aufgebaut

Words by Jana Ahrens
Photography: Eva Schubert
Eva Schubert

Als der Penguin Verlag im August 2016 mit dem ersten deutschsprachigen Programm herauskam, wurde die Marke ein Teil unserer Bücherwelt.

 

Der britische Verlag Penguin Books hat seit über 80 Jahren Tradition. Eva Schubert ist seit der Gründung des deutschen Penguin Verlages dabei und heute Verlagsleiterin von Penguin Taschenbuch. Was sie dort tut erzählt sie im Interview.

 

 

Was steckt eigentlich hinter dem Titel „Verlagsleiterin“ für Penguin Taschenbuch?

Als Verlagsleiterin laufen bei mir alle Fäden, die die Arbeit des Verlags ausmachen, zusammen: vom Programm über die Vermarktungswege (Presse, Online-Marketing, Print-Werbung) bis hin zu Vertrieb und Produktion. Viele Kolleginnen und Kollegen müssen an einem Strang ziehen, um ein Buch erfolgreich zu publizieren, und die Übersicht über diese Aktivitäten hat man als Verlagsleiterin. Direkt leite ich das Programm- und das Presseteam.

Jede, die hier arbeitet, hat dazu beigetragen, diesen Verlag aufzubauen.

Ein kleiner Rückblick auf 2016: Wie hat es sich angefühlt, ein neues Verlagsprogramm und ein neues Verlagsteam zusammenzustellen? In einer Situation, in der alle von „der großen Krise in der Buchbranche“ sprechen?

Für mich war das eine der spannendsten und herausforderndsten Aufgaben, die ich mir in der Buchbranche vorstellen kann. Es war unheimlich bereichernd, die Gestaltungsfreiheit zu haben, ein Programm und ein Team aufzubauen, die optimal auf die aktuellen Herausforderungen des Marktes eingestellt sind. Ich kann nur sagen, dass es ein großes Glück war, die Chance zu bekommen – und dass man dem Team bis heute einen besonderen Zusammenhalt anmerkt. Jede die hier arbeitet, hat dazu beigetragen, diesen Verlag aufzubauen. Da weiß man schon, was man zusammen erreicht hat.

 

 

In wie fern unterscheidet sich der deutsche Buchmarkt vom britischen? Gab es diesbezüglich Missverständnisse bei der Gründung des deutschen Penguin Verlages?

Jeder Buchmarkt ist anders und richtet sich nach den Interessen seiner Leser, insofern gibt es natürlich auch zwischen dem deutschen und dem englischen Buchmarkt Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Eine Konstante ist natürlich, dass die Leser gute Bücher suchen! Wo sie diese finden, wie diese vermarktet werden müssen, um sie zu erreichen und vor allem, welche Inhalte die Leser jeweils suchen, das variiert von Land zu Land.

In Buchverlagen arbeiten generell mehr Frauen als Männer.

Mit wie vielen Frauen arbeiten Sie in Ihrem Team?

In den von mir direkt verantworteten Teams Programm und Presse arbeiten aktuell nur Frauen. Das soll aber kein Statement sein, es hat sich einfach so ergeben.

 

Welche Rolle spielen Diversität und Gender-Fragen bei der Auswahl der Penguin Verlag Taschenbuch-Mitarbeiter*innen?

In Buchverlagen arbeiten generell mehr Frauen als Männer, und in den Bereichen Programm und Presse ist das nicht anders. Es haben sich bisher daher vor allem Frauen auf die von uns ausgeschriebenen Stellen beworben.

 

Ich bin mir sicher, dass Bücher immer ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens sein werden.

Was bedeutet es für Ihr Team, dass es jetzt ein Hardcover-Programm des Penguin Verlages gibt?

Es ist großartig, dass wir die Marke auf dem deutschen Markt so schnell so weit ausbauen konnten. Die Kolleginnen und Kollegen aus dem Hardcover-Team haben im Herbst dieses Jahres ein starkes erstes Programm auf den Markt gebracht. Auch wenn wir in unterschiedlichen Teams arbeiten, intern arbeiten wir natürlich eng zusammen.

 

 

Welche Rolle haben Bücher für Sie gespielt, bevor Sie begonnen haben, in diesem Bereich zu arbeiten?

Eine große Rolle! Ich war schon immer eine begeisterte Leserin. Wie so viele Kolleginnen und Kollegen habe ich gewissermaßen mein Hobby zum Beruf gemacht. Was kann es Schöneres geben?

 

Wie sieht aus Ihrer Sicht die Zukunft der Bücher aus?

Ich bin mir sicher, dass Bücher immer ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens sein werden. Ja, die Konkurrenz durch andere, neue Medien ist groß. Doch letzten Endes kann das, was ein Buch bietet – diese ganz besonderen, individuellen Momente, die ausschließlich im eigenen Kopf funktionieren – durch nichts ersetzt werden. Ob sich das Buch zusätzlich als Medium weiterentwickeln wird? Mit Sicherheit, insbesondere für die aktuell jüngeren Zielgruppen.

 

Haben Sie zurzeit ein Lieblings-Penguin-Taschenbuch, das Sie unseren Leserinnen und Lesern empfehlen möchten?

Aber sicher! Die Schokoladenvilla unserer Autorin Maria Nikolai gehört unter jeden Weihnachtsbaum. Die Familiensaga ist das perfekte Buch zum Einkuscheln (am besten mit einer Tasse heißer Schokolade!) und hat gut einen Monat nach Erscheinen bereits 100.000 Leser*innen verzaubert.

 

Penguin-Verlag
Ein paar Highlights des Penguin Verlag Taschenbuch Programms.

 

Wer ist ihre Lieblingsautorin?

Als Verlagsleiterin liebe ich natürlich all unsere „Kinder“! Eine sehr besondere Autorin für mich ist Ellen Sandberg. Sie war eine der ersten Autorinnen, die ich für den Penguin Verlag akquirieren konnte, und sie schafft es grandios, in ihren Spannungsromanen gesellschaftlich relevante Themen einzubinden. Ihr erster Roman bei uns, Die Vergessenen, stand Anfang des Jahres monatelang in den Top 5 der Bestsellerliste. Direkt vor Weihnachten erscheint Ellen Sandbergs neuer Roman Der Verrat, und ich kann es kaum erwarten, auch diesen mit vielen deutschen Leser*innen zu teilen!

 

 

Worauf freuen Sie sich beruflich im Jahr 2019?

Ich freue mich darauf, mit dem Team den Verlag weiter aufzubauen und als feste Größe auf dem deutschen Buchmarkt zu konsolidieren. Inhaltlich freue ich mich auf spannende Neuerscheinungen wie den sehr aktuellen Thriller Westwall von Benedikt Gollhardt – und auf unsere Bücher zur Erfolgsserie „Stranger Things“, die wir in exklusiver Kooperation mit Netflix herausbringen. Das Neue daran: Die Romane wurden von den Machern der Serie konzipiert, um die Serienhandlung zu ergänzen, und erzählen beispielsweise Vorgeschichten zur Serie. Sehr spannend für die Millionen Stranger Things-Fans in Deutschland und eine tolle Möglichkeit, Menschen vielleicht auch wieder zum Buch zurückzuholen – und zu zeigen, dass es sich mit neuen Medien perfekt ergänzen kann.

 

Vielen Dank für diesen interessanten Einblick, liebe Eva Schubert.

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Dabei interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Zum Schönen gehört natürlich auch, wenn sich komplexe Themen in verständliche Zusammenhänge zerlegen lassen. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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