Businessfrauen-Power-Briefing mit Milka Loff Fernandes

Words by Jana Ahrens
Photography: Anne Lönne
Milka Loff Fernandes
Anfang der 2000er Jahre war sie DAS Gesicht des Musik-TV-Senders VIVA. Doch auch als VIVA irgendwann nicht mehr sendete, rückte Milka Loff Fernandes weiterhin Themen, Menschen und irgendwann auch Mode ins rechte Licht. Ihre Sprache ist locker, ihre Ziele sind präzise. Wie sie ihre so vielseitige Karriere aufgebaut hat, hat Milka uns im Businessfrauen-Steckbrief verraten.

 

Mein Jobtitel: Milka Loff Fernandes. Moderatorin.
Owner und Creative Director bei CABO by MILKA.Allerdings finde ich es ganz schön schwer, einen Jobtitel zu finden, der wirklich passt. Ich habe mittlerweile so viele verschiedene Sachen gemacht. Am Anfang war ich Moderatorin, später war ich dann Moderatorin und Redakteurin, dann war ich Redakteurin und Producerin. Das ging so ineinander über und jetzt vermischt sich alles. Die Gründung von und die Arbeit an CABO by MILKA kommt noch dazu.

 

Diese Aufgaben verbergen sich dahinter: Ich sammle, bespreche und verwerfe. Ich schreibe auf, was ich mache. Für Cabo bei Milka geht es dabei immer darum, Mode für Menschen zu machen, die sich als Weltbürger fühlen. Ich habe schon früh gedacht: Warum fühle ich mich nicht so richtig schwarz? Warum kann ich mich nicht mit Black Power identifizieren? Und meine Mutter meinte: ‘Milka, du bist ein Kind des Meeres. Du bist Kapverdianerin.’ Das spiegelt sich jetzt in meinen Entwürfen wider. Sie sind inspiriert von den Printmustern Afrikas, haben aber zugleich eine hanseatische Klarheit in der Silhouette.

Eine weitere Aufgabe ist es, sich immer wieder zu überlegen, wie viel man selbst wert ist. Gerade in künstlerischen Berufen ist es ja so: Das, was du leistest, hat keine Dinghaftigkeit, sondern einen gefühlten Wert. Für manche hat das auch gar keinen Wert. Oft kommt meine Agentur zu mir und sagt: ‘Wie viel willst du denn für diesen Job haben?’ Dann frage ich gerne mal zurück: ‘Was ist es den Kunden denn wert, dass ich da moderiere?’ Dann kommt ein Preis zurück und manchmal denke ich mir: ‘Ja gut, passt, machen wir so.’ Aber es gibt auch Situationen, in denen ich denke: ‘Das ist jetzt nicht deren Ernst.’ – Da merkst du einfach, dass nicht immer wertgeschätzt wird, was du zum Erfolg einer Veranstaltung beiträgst. Viele Kunden sehen das nicht. Die sehen das erst, wenn‘s mal richtig in die Hose gegangen ist.

Immer wieder zu versuchen zu verstehen, ist auch so eine Aufgabe. Ich gehe an eine Moderation in dem Geiste heran, dass das eine Versammlung von Menschen ist, deren Stimmung ich ins Schwingen bringe. Ich sorge dafür, dass das, was die jeweiligen Kunden erreichen wollen, auch tatsächlich rüberkommt. Alle Menschen kommen in einem bestimmten Lebenszustand irgendwo rein. Du hast immer dein Leben dabei. Ich bin dafür da zu sagen: ‘Ok, Dankeschön, das ist jetzt dein Leben, quasi dein Rucksack, den tun wir jetzt mal gerade kurz beiseite. Wir kommen jetzt mal hier drüben zusammen und gucken uns gemeinsam dieses eine, ganz bestimmte Thema an.’ Ich sorge dafür, dass wir auch wirklich kommunizieren können. Ich versuche, einen Dialog von Herz zu Herz herzustellen, ohne den ganzen Kladderadatsch, der sonst noch drum herum ist. Das ist harte Arbeit.

 

Wie viel ich gern pro Woche arbeiten würde: Was machst du im Showbiz am meisten? Warten. Wenn ich dann tatsächlich mal früher als erwartet Schluss habe und ins Hotel oder nach Hause kann, dann kann ich auch wirklich im wahrsten Sinne des Wortes abschalten. Das ist mega.

 

Milka Loff Fernandes

 

Wie viel ich tatsächlich pro Woche arbeite: So viel ich will und kann. Also, eigentlich habe ich heute Vormittag frei. Aber das hier zu schreiben ist Arbeit, ne? Was mach‘ ich jetzt? Mir macht das Spaß, was ich tue. Ich mag‘s gern, wenn ich anfangen kann, wann ich will, und aufhören kann, wann ich will. Das hat mit Grenzen zu tun. Ich gehe bei meiner Arbeit extrem an meine Grenzen, weil ich sehr nahbar bin. Sowohl bei der Moderation als auch bei Cabo by Milka. Dann ist natürlich auch irgendwann Schluss. Ich kann das nicht richtig in Stunden oder Tagen messen.

 

So strukturiere ich mich selber: Ich schreibe mir alles in mein ‘Gehirn’. So heißt meine Kladde. Die habe ich wirklich fast immer dabei. Jeder Punkt hat da eine Deadline. Doch das meiste mache ich sofort. Ich glaube, mein echtes Gehirn hat die Größe einer Pflaume, wenn es darum geht, sich Dinge zu merken, die zum Beispiel rein administrativ sind. Deshalb ist die Kladde so wichtig. Die ist ähnlich wichtig wie meine Moderationskarten. Die habe ich komplett selber geschrieben und kenne sie eigentlich auswendig. Aber ich brauche sie. Wenn ich die mal nicht dabeihabe, dann gnade mir Gott.

 

Die Aussicht von meinem Arbeitsplatz: Ich arbeite zu Hause. Von meinem Schreibtisch aus gucke ich auf Bilder von Traumfängern, die meine Töchter für mich gemalt haben. Aus dem Fenster sehe ich das Haus nebenan, das zurzeit eine Baustelle ist. Auf der durfte ich schon sehr viele ‘Bauarbeiterdekolletés’ bewundern. Aber eigentlich ist es auch ganz spannend zu beobachten, was da so passiert. Zurzeit wird dort gemalert.

 

Meine Lieblingspause: Ein früher Feierabend. Egal ob vormittags oder abends. Wenn ich in dem Zeitfenster, in dem ich arbeiten kann, feststelle, dass ich früher als erwartet nichts mehr zu tun habe, dann genieße ich das extrem. Dann kann ich Sport machen. Oder einfach nur das, worauf ich grad Lust habe. Ich kann mir irgendwas auf Netflix angucken. Das kann ich sonst nicht. Das Gleiche gilt, wenn eine Moderation früher beendet ist als angedacht. Dann habe ich wirklich frei und vegetiere vor mich hin. Mit einer Tüte Chips und einem guten Film.

 

So halte ich mich wach: Wach?! Schlafen ist eher mein Problem. Meine kleine Tochter schläft nicht durch. Die ältere hat früher auch nicht durchgeschlafen. Jetzt mittlerweile schon, seit die Kleine da ist und nicht durchschläft. Voll gemein eigentlich. Mittlerweile habe ich dadurch eher Probleme einzuschlafen. Vor allem wenn ich lange wach war. Wenn es mal wieder 23 Uhr geworden ist, dann weiß ich: In einer Stunde muss ich eh wieder aufstehen, die Kleine holen, Windeln wechseln. Einschlafen fällt mir deshalb echt schwer. Es ist noch nicht so, dass ich darunter so leide, dass ich Medikamente nehmen müsste. Aber ich freue mich immer wieder auf Tage, an denen ich einfach nur da bin und die Augen zumachen darf.

 

Milka Loff Fernandes

 

Meine Energie hole ich mir hier: Energie muss ich mir nicht holen. Die habe ich. Ich konzentriere mich eher darauf, dass ich mir darüber klar werde, warum ich all diese Dinge mache. Was ist meine Vision? Was ist mein Ziel, meine Aufgabe?
Ich glaube: Wenn du ein klares Bewusstsein für deine Aufgabe im Leben hast, kannst du wirklich alles schaffen.

 

Meine Komfortzone endet hier: Auf jeden Fall bei Kilometer 32 beim Marathon und bei jeder Anmoderation. Anmoderationen sind meine Endgegner. Am Beispiel Naked Attraction: Ich kann diese Show locker runtermoderieren. Aber die Anmoderation? Dafür brauche ich schon mal sechs Anläufe. Nicht, weil ich den Text nicht kann. Ich kann den in- und auswendig. Aber da ist einfach diese massive Anspannung. Das ist bei der 3. Sendung am Tag genauso wie bei der 1. Sendung. Aber ab der zweiten Moderation fluppt das Ding. Eben sobald mir eine andere Person gegenübersteht. Irgendwann sind wir dann darauf gekommen, die Anmoderation erst zum Schluss zu machen. Jetzt geht‘s.

Wenn ich diesen Job nicht machen würde, dann wäre ich:Politikerin? Ich wollte früher Politik studieren. Ich fand es immer extrem spannend, die entsprechenden Zusammenhänge zu erkennen. Was ich dann damit gemacht hätte, das kann ich gar nicht so genau sagen. Aber mein Traum war – vermutlich wär‘s unmöglich gewesen – in die Diplomatie zu gehen, um wirklich für interkulturellen Austausch zu sorgen. Aber irgendwie mach ich das ja jetzt auch, nur ohne Politik.

 

In den nächsten Monaten freue ich mich auf: Ich freue mich auf den Dreh der nächsten Staffel Naked Attraction und auf mein Produktionsteam. Ich freu mich darauf, dass die nächste CABO by MILKA-Story rauskommt. Und darauf, wo sie rauskommt… (very exciting…)! Die Geburtstage meiner Töchter stehen auch an. Sie werden dann 2 und 6 Jahre alt. Auf Halloween und Weihnachten freu ich mich. Und darauf, dass meine feste Zahnspange endlich wieder rauskommt.

 

Milka Loff Fernandes

 Alle Bilder sind übrigens von Anke Lönne.

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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