Berufstätige Mütter haben positiven Einfluss auf Töchter

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Jonathan Borba auf Unsplash
Arbeitende Mütter, erfolgreiche Töchter?
Arbeitende Mütter haben laut einer Harvard-Langzeit-Studie einen positiven Einfluss auf ihre Töchter. Angeblich sogar so positiv, dass im Schnitt eine von drei Töchtern später einmal eine Führungsposition übernimmt. 
 

Auch heute noch müssen sich Frauen immer wieder rechtfertigen, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Karriere geht. Denn nach wie vor sind viele der Meinung, dass Mütter nach der Geburt eines Kindes erst einmal zu Hause bleiben und bloß nicht zu früh oder gar voll wieder in den Job zurückkehren sollten. Und auch wenn die Kinder längst in der Schule sind, ist es für viele unverständlich, wenn sich Frauen in ihrem Job verwirklichen und die große Karriere starten. 

Berufstätige Mütter fungieren als Vorbild

Dass die Familie zugunsten der beruflichen Verwirklichung von Zeit zu Zeit auch mal hintenanstehen muss, tut allerdings nicht nur der Frau selbst, sondern auch ihren Kindern und vor allem ihren Töchtern gut. Dies zeigt eine Harvard-Langzeit-Studie, die mit mehr als 34.000 Personen in 24 Ländern durchgeführt wurde. 

»Durch die verschiedenen Aktivitäten, die Eltern in ihren Alltag einbeziehen, eröffnen sie auch diverse Möglichkeiten für ihre Kinder. Was sich Töchter von arbeitenden Müttern abschauen, ist, dass es vollkommen okay und normal ist, arbeiten zu gehen – das ist etwas, was Frauen eben tun. Und darüber hinaus lernen sie, dass es auch in Ordnung ist, nicht die ganze Zeit damit zu verbringen, sich um den Haushalt zu kümmern«,erklärt Kathleen McGinn, Professorin an der Harvard Business School und Hauptautorin der Studie, in einem Videointerview

Die Untersuchung von Kathleen McGinn zeigt, dass auch Söhne von einer »Working Mom« profitieren. Durch die vorgelebten gleichberechtigten Rollenbilder sei es für Jungen und Männer eher normal, dass sich beide Geschlechter um die Familie und auch den Haushalt kümmern.

Position und Gehalt sind höher 

Die Studie hat auch ergeben, dass der durchschnittliche Lohn von Arbeitnehmerinnen höher ist, wenn die eigene Mutter ihrem Beruf nachgeht oder früher einmal gearbeitet hat. In den USA beträgt der Unterschied pro Jahr etwa 5.200 Dollar. Dies hat vor allem mit der höheren Position zu tun, die Töchter berufstätiger Mütter bekleiden. 

Denn die Studie hat außerdem gezeigt, dass 33 Prozent der Frauen, deren Mütter berufstätig sind oder waren, inzwischen eine Führungsposition innehaben. Bei Töchtern, die von Hausfrauen großgezogen wurden, sind es dagegen »nur« 25 Prozent. Ein Ergebnis, von dem selbst die Studienleiterin überrascht war:

»Dass berufstätige Mütter einen Einfluss auf den Beschäftigungsgrad der Töchter haben, haben wir zwar erwartet – nicht aber den zusätzlichen Einfluss auf die Führungsverantwortung«, so Kathleen McGinn.

 

Frauen wollen unabhängig sein

Die Entwicklung weg vom typischen Hausfrauen-Denken und von einer Familienkonstellation, in der vor allem der Mann das Geld nach Hause bringt, wird laut Experten in den kommenden Jahren immer weiter voranschreiten. Zudem werde die Dauer von geburtsbedingten Unterbrechungen zusehends schrumpfen, da Frauen zum einen arbeiten wollen und zum anderen auch müssen – denn ein Alleinverdienergehalt wird in Zukunft immer seltener ausreichen. Darüber hinaus wird es auch immer mehr alleinerziehende Mütter geben, die für den Lebensunterhalt ganz allein verantwortlich sind. Und überhaupt spielt die finanzielle Unabhängigkeit für Frauen eine immer größere Rolle – ganz egal, ob sie Single sind oder in einer Beziehung leben. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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