Arbeitsmodell Schichtdienst: Warum uns Arbeit krank macht

29.03.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Macht Schichtarbeit uns krank?

Unsere innere Uhr regelt alles. Sie gibt den Lebenstakt vor und kann nicht ohne Weiteres umgestellt werden. Doch was passiert, wenn wir uns über längere Zeit bewusst gegen sie wenden – weil wir einfach keine andere Wahl haben?

Unsere innere Uhr leistet ganz schön viel. Vereinfacht gesagt sorgt sie tagsüber dafür, dass wir fit sind. Abends lässt sie uns zur Ruhe kommen. Experten empfehlen täglich sieben bis acht Stunden Schlaf. Schaffen wir das nicht, wird uns geraten, die Ruhe am Wochenende nachzuholen. Einen enorm positiven Effekt hat das allerdings nicht. Wie wertvoll ein geregelter Schlaf-Wach-Rhythmus ist, haben die US-Amerikaner Jeffrey Hall, Michael Rosbash und Michael Young herausgefunden. Sie bekamen Ende 2017 den Medizin-Nobelpreis für ihre Untersuchungen zur Funktionsweise der inneren Uhr. Ein wichtiges Thema.

Eine Dauerbelastung kann uns krank machen

Lange Zeit wurde der inneren Uhr in der Biologie und Medizin wenig Beachtung geschenkt. Inzwischen ist klar: Der Rhythmus von Tag und Nacht hängt essenziell mit den biologischen Funktionen unseres Lebens zusammen. Gerät der Rythmus durcheinander, hat das Risiken zur Folge. Denn Dauerbelastung kann uns krank machen. Nicht selten gerät der Stoffwechsel durcheinander, die Konzentration nimmt ab, genauso wie die Immunabwehr. Unsere DNA bekommt Probleme sich selbst zu reparieren.

Nach sechs bis sieben Jahren sollte man in den Tag-Dienst wechseln

Als besonders betroffen gelten Menschen die in Schichten arbeiten. Schichtdienst ist nicht nur eine große Herausforderung für Beziehungen und Freundschaften. Er kann auch zu Übergewicht, Schlafstörungen, Bluthochdruck, Verdauungsstörungen, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, viralen Infekten und einer erhöhten Bildung bestimmter Krebsarten führen. Etwa 16 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten regelmäßig in einer Wechselschicht – ca. 10 Prozent in der Nachtarbeit. Über die große Beeinträchtigung, die das Leben “gegen die innere Uhr” mit sich bringt, wird viel diskutiert. Dr. Michael Feld, Schlafmediziner und Co-Autor der Studie Schlafatlas 2017 – So schläft Deutschland, ist sich sicher, dass ein junger Mensch sechs bis sieben Jahre Nachtschicht verträgt. Wer von den Genen zusätzlich eher ein Nacht-Typ ist, steckt diese Zeit einigermaßen gut weg. Danach empfiehlt er den Wechsel in den Tag-Dienst. Geht das nicht, sollte man sich mindestens zweimal im Jahr vom Arzt durchchecken lassen. Zudem empfiehlt er einen allgemein gesunden Lebensstil. Denn Risiken wie Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel machen sich im Schichtdienst besonders bemerkbar.

Unsere innere Uhr wird vom Tag – / Nachtrhythmus gesteuert

Klar ist, dass wir in vielen für das Zusammenleben wichtigen Berufen nicht auf Schichtdienst verzichten können. Nachtarbeit ist hier unerlässlich. Polizei, Rettungsdienst, Ärzte, Pfleger, Feuerwehr, Piloten, große Teile der Industrie, sie alle arbeiten im Dauerbetrieb. Doch wieso schaffen wir es nicht, unseren Körper auszutricksen und auf die speziellen Situationen einzustellen? Ganz einfach: Das Licht bestimmt, ob wir wach sind oder nicht. Für die Synchronisation aller Zelluhren im Körper ist ein Bündel aus 20.000 Nervenzellen im Gehirn zuständig. Dieses befindet sich hinter unserem Auge. Eine Lichtstärke von etwa 300 Lux reicht aus, um die innere Uhr zu stellen. Fällt am Morgen Sonnenlicht auf die Lichtrezeptoren, gibt das Bündel aus Nervenzellen ein biochemisches Signal an das Gehirn. Die Ausschüttung des Schlafhormons Melatonin wird gestoppt. Am Abend verläuft der Prozess andersherum und Melatonin wird ausgeschüttet.

Dr. Michael Feld rät deshalb dazu, vor dem Nachtdienst einen kurzen Spaziergang an der frischen Luft zu machen. Zusätzlich kann eine Bright-Light-Lampe mit 5.000-10.000 Lux helfen, den Organismus zu aktivieren. Leichte und gut verdauliche Mahlzeiten vor Schichtbeginn sind außerdem ratsam. Morgens nach Dienstende kann eine Sonnenbrille die Augen schützen. Wer sich anschließend direkt schlafen legt, hat so bessere Chancen auf einen ruhigen Schlaf.

Immer noch müde und erschöpft? Dann hilft jetzt nur noch ein erholsamer und vor allem ausgiebiger Urlaub.

Mehr Informationen zu diesem Thema findest du hier.

Das Beitragsbild ist übrigens von JC Gellidon auf Unsplash

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Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

4 Kommentare

  1. Pucifer

    Ach was? Fragt mal der Wirtschaft ob es jemand interessiert??✌️

  2. Björn Krüger

    Ich arbeite im Schichtdienst seid ich 20 bin. Heute bin ich 49 und arbeite hauptsächlich nachts, schon weil ich damit besser klar komme. Um 04:00 Uhr aufstehen ist schlimmer als die ganze Nacht zu arbeiten. Mir geht es sehr gut. Und das obwohl ich täglich 12 Stunden arbeite. Auch an Wochenend- und Feiertagen.

  3. jÜRGEN

    Gute Einstellung!

  4. Peter

    Nach über 35 Jahren im 3 Schichtdienst in der chemischen Industrie kann ich sagen es war meine beste Arbeitszeit. Immer noch topfit!

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