Die richtige Altersvorsorge: Alle Fakten im Überblick

Words by Arzu Gül
Photography: senivpetro / Freepik
Lesezeit: 5 Minuten
Ältere Frau sitzt im Cafe am Laptop

In Deutschland landet fast jede fünfte Person im Rentenalter in der Altersarmut. Um das zu vermeiden, ist eine richtige Altersvorsorge unerlässlich. Wir erklären, welche Möglichkeiten es gibt und worauf unbedingt geachtet werden sollte. 

Wer im hohen Alter seinen jetzigen Lebensstandard halten möchte, kommt inzwischen um eine private Altersvorsorge nicht mehr herum. Denn die gesetzliche Rente sichert SeniorInnen in Deutschland kein ausreichendes Alterseinkommen mehr. Der durchschnittliche Gesamtrentenzahlbetrag liegt 2020 bei 1048 Euro im Monat. Dieser Wert liegt zwar durch eine aktuelle Anpassung höher als in den Vorjahren, deckt aber bei vielen RentnerInnen immer noch nicht alle Kosten. Es bedarf somit zusätzlicher finanzieller Mittel, um die es sich schon in jungen Jahren zu kümmern gilt. Dabei werden in Deutschland drei Säulen der Altersvorsorge unterschieden.

Schutz für alle: die Basisrente

Die erste Säule bildet die Basis und umfasst die gesetzliche Rentenversicherung. Da es sich hierbei um eine Pflichtversicherung handelt, sind nahezu alle Erwerbstätigen auf diese Weise finanziell abgesichert. Hierzu wird der Beitrag monatlich vom Bruttogehalt der Angestellten abgezogen und in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt. Die Höhe der Beiträge bemisst sich hierbei am jeweiligen Einkommen. Andere Berufsgruppen, wie zum Beispiel Beamte, sind über eine Beamtenversorgung (Pension) im Alter abgesichert. Selbstständige zahlen meist in berufsständische Versorgungswerke ein. Da die Rentenbeiträge für reguläre Angestellte im Alter aber nur in den wenigsten Fällen den Lebensstandard absichern, wird hier von einer Grundversorgung gesprochen.

Vom Staat gefördert: die betriebliche Altersvorsorge 

Die zweite Säule besteht aus der betrieblichen Altersvorsorge, deren Art und Umfang vom Arbeitgeber bestimmt wird. Grundsätzlich wird zwischen fünf Systemen unterschieden: Direktzusage, Pensionsfonds, Direktversicherung, Pensionskasse und Unterstützungskasse. Der Arbeitgeber überweist die Beiträge für diese Rente direkt aus dem Bruttogehalt der ArbeitnehmerInnen, in einigen Fällen übernimmt er diese sogar ganz. Für neue Verträge seit 2019 gilt außerdem ein verpflichtender Arbeitgeberzuschuss. Wird Entgelt in die betriebliche Altersvorsorge umgewandelt und spart der Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge, muss er sich mit 15 % beteiligen. Ab 2022 wird diese Regelung auch für bestehende Verträge angewandt. Ob sich eine betriebliche Altersvorsorge aber lohnt, ist nicht so einfach zu beantworten. Im späteren Ruhestand wird die ausgezahlte Betriebsrente vollständig versteuert. Der Steuervorteil in der Ansparphase wird also im Grunde nur in die Rentenphase verschoben. Gesetzlich versicherte müssen außerdem Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen, inklusive dem Arbeitgeberanteil. Hinzu kommt, dass sich durch die Entgeltumwandlung die Beiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung reduzieren und damit auch ein möglicher Rentenverlust einhergeht. Lohnen tut sich die betriebliche Altersvorsorge in der Regel nur, wenn der Arbeitgeber die Beiträge vollständig übernimmt, oder zumindest mit 20-30 Prozent bezuschusst. ArbeitnehmerInnen sollten sich daher eingehend über die zu erwartenden Erträge, Kosten und Verluste professionell beraten lassen.

Zwischen Sicherheit und Risiko: die private Altersvorsorge

Den Schluss bildet die dritte Säule, die alle privaten Lebens- und Rentenversicherungen sowie Sparbücher, Fondsanlagen, Aktien, Wertpapiere oder Immobilien umfasst. Diese Maßnahmen werden in der Regel nicht gefördert, das heißt, sie werden nicht vom Staat oder Arbeitgeber bezuschusst. (Ausnahmen bilden hier die Riester- oder Rürup-Renten.) Personen zahlen die Beiträge selbst, müssen dafür aber als Ausgleich in der Ansparphase keine Steuern auf Dividenden oder Zinserträge zahlen. Und auch später, wenn der Rentenfall eintritt, werden diese Beiträge nur geringfügig besteuert.  

Auch wenn in jungen Jahren andere Dinge zählen: Mit der Altersvorsorge sollte so früh wie möglich begonnen werden!

Welche Art der Vorsorge wird empfohlen?

Vorab gesagt: Eine perfekte Rentenvorsorge, die für alle Menschen gleichermaßen gilt, gibt es nicht. Sie setzt sich immer aus den individuellen Ansprüchen, dem Alter, der finanziellen Situation sowie dem Berufsverhältnis zusammen. Es gibt aber einige Strategien, die zur Optimierung des Rentenertrags beitragen können.

 

So früh wie möglich mit der Altersvorsorge anfangen 

In jungen Jahren gibt es unzählige Dinge, in die das Geld lieber investiert wird: Reisen, Freizeitaktivitäten, Kleidung, Möbel, die eigene Wohnung. Doch die Erfahrung zeigt, dass eine frühe Auseinandersetzung mit dem Thema, im Alter häufig belohnt wird. Zwar gibt es heute nicht mehr die starken Zins- und Zineszinseffekte wie vor einigen Jahren, jedoch können schon kleine Beiträge in jungen Jahren, später einen weitaus höheren Ertrag fördern.

 

Auf mehrere Geldanlagen setzen

Dieser Schritt erfordert etwas mehr Planung und Beratung, ist jedoch umso wichtiger. Denn: In einem Zeitraum von durchschnittlich 40 Jahren können Zinsen sinken, Börsenschwankungen auftreten, Immobilienmärkte einbrechen oder Insolvenzen angemeldet werden. Wer hier nur auf ein Pferd gesetzt hat, steht im schlimmsten Fall mit nichts da. Aus diesem Grund sollten Geldanlagen bewusst gestreut werden, um mögliche Schwankungen und Risiken auszugleichen.

 

Lebensversicherungen sind als Altersvorsorge ungeeignet

Lange Zeit galten auch Lebensversicherungen als gute Möglichkeit der Altersvorsorge. Neueste Untersuchungen zeigen aber, dass diese aktuell nicht mehr sinnvoll sind. Grund hierfür ist ein gesenkter Garantiezins, der derzeit nur bei 1,25 Prozent oder weniger liegt. Laut ExpertInnen seien daher ein Inflationsausgleich und eine angemessene Rendite nicht gewährleistet. Wer eine Lebensversicherung in den 1990-iger Jahren oder Anfang der 2000er abgeschlossen und einen Garantiezins von 4 Prozent aufweisen kann, kann die Versicherung guten Gewissens weiterführen. Verträge, die nach dem 01. Januar 2005 abgeschlossen wurden, müssen mit dem persönlichen Steuersatz besteuert werden. Neuabschlüsse machen generell zu diesem Zeitpunkt nur noch wenig Sinn.

 

Wichtige Faktoren beim Immobilienkauf

Wer sich für Wohneigentum als Altersvorsorge entscheidet, sollte auf einige wichtige Punkte achten. Entscheidend ist vor allem die Region, in der gekauft wird. Im besten Fall sind die Immobilien zum Kaufzeitpunkt noch günstig zu erwerben, profitieren aber von einem zukünftigen Wertzuwachs. Überteuerte Immobilienmärkte, wie in vielen deutschen Großstädten, sollten hingegen vermieden werden. Die Finanzierung sollte zudem mit einem möglichst hohen Eigenkapitalanteil erfolgen, um horrende Zinsen zu vermeiden.

 

Sparen für Fortgeschrittene mit Fonds

Wer bereits eine gewisse Summe sicher angelegt hat und das Risiko nicht scheut, kann die Option von Aktienfonds in Betracht ziehen. Besonders Indexfonds, auch ETF (englisch: Exchange-Traded Funds) genannt, werden immer beliebter. Der Vorteil: Sie sind preiswert, flexibel und schützen vor Insolvenzen der Fondsgesellschaften. Zwar besteht auch hier ein gewisses Risiko, jedoch lagen die Durchschnittsrenditen in allen Zehnjahreszeiträumen seit 1965 bei jährlich 8,1 Prozent – trotz Kursschwankungen und Börsencrashs. Wichtig: ExpertInnen raten zu einem Anlagezeitraum von mindestens 13 Jahren, um den größtmöglichen Ertrag herauszuholen.

 

Altersvorsorge nicht vorzeitig kündigen

Häufig besteht die Möglichkeit, das Geld vorzeitig aus einer Altersvorsorge zu entnehmen. Gerade im Falle von Nachwuchs, Krankheit oder eines finanziellen Engpasses ist die Versuchung groß, die Lebens- oder Rentenversicherungen vorzeitig aufzulösen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten: Bei einer frühzeitigen Beendigung des Vertragsverhältnisses müssten eventuelle bisher geleistete staatliche Förderungen zurückgezahlt werden. Versicherte erhalten außerdem nur einen »Rückkaufswert«, der im schlimmsten Fall sogar unter den gezahlten Beiträgen liegt. Daher sollte man eine Altersvorsorge wirklich nur im äußersten Notfall kündigen und stattdessen, wenn nötig, eine vorübergehende Beitragsfreistellung beantragen. In diesem Zeitraum wird das bisher angesparte Kapital dann immerhin noch weiter verzinst, auch wenn keine neuen Beiträge geleistet werden.

Obwohl Altersvorsorge für alle Menschen von großer Bedeutung ist, wird besonders Frauen dazu geraten, sich frühzeitig um ihre finanzielle Zukunft zu kümmern. Durch Schwangerschaft(en) und Kindererziehungszeiten fallen häufig mehrere Jahre an Rentenbeiträgen weg, die mit einer späteren Teilzeitanstellung nicht aufgefangen werden können. Statistisch gesehen sind Frauen daher sehr viel häufiger von Altersarmut betroffen, die durch eine private Vorsorge verhindert werden könnte.

Eine geeignete Altersvorsorge bedarf immer einer individuellen Planung. Beratungstermine können bei der Deutschen Rentenversicherung, bei der Verbraucherzentrale oder beim Bundesverband der Versicherungsberater in Anspruch genommen werden.

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

1 Kommentar

Norbert Wichmann
#1 — vor 1 Monat 2 Wochen
Nur Achtung bei der betrieblichen Altersvorsorge! Nach Kapitalleistung werden fast 20%!!!! Sozialkosten (Freibetrag 159€) eure Auszahlung erheblich schmälern!

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