Hier sorgt die 4-Tage-Woche für mehr Produktivität

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Northfolk auf Unsplash
Die 4-Tage-Woche kann für mehr Produktivität der Mitarbeiter*innen sorgen
Viele Arbeitnehmer träumen von einer 4-Tage-Woche. Doch bei gleichbleibendem Gehalt weniger Stunden zu arbeiten, funktioniert nicht überall. 
 

In diesem Fall ist das Experiment geglückt: Ende 2017 führte der österreichische Naturkosmetik-Hersteller Unterweger die 4-Tage-Woche ein. Das Gehalt blieb dabei für alle Mitarbeiter gleich. Diese Maßnahme war für Firmenchef Michael Unterweger allerdings nur logisch. Denn zuvor hatten seine Arbeitnehmer freitags bereits nur halbtags arbeiten müssen. Dieser kurze Tag fiel jedoch nicht besonders produktiv aus. Also entschied er sich, ihn einfach komplett zu streichen. 

Mehr Zufriedenheit & Produktivität

Bereits nach einem halben Jahr konnte Unterweger eine erfreuliche Bilanz ziehen: Im ersten Halbjahr von 2018 konnte seine Firma ein dickes Umsatzplus verzeichnen. Zudem sei im Allgemeinen die Produktivität seiner Mitarbeiter gestiegen. Doch wie kann das funktionieren? Gleichbleibende Arbeit bei weniger Zeit? Ganz einfach, denn die Angestellten arbeiten kaum weniger als vorher. Von 38 Arbeitsstunden ging es runter auf 36 Stunden. Heißt also: Die Mitarbeiter verbringen von Montag bis Donnerstag nun jeweils etwas mehr Zeit bei der Arbeit. 

»Die Zeiten am Beginn und am Ende der Arbeit sind jene Zeiten, die am wenigsten produktiv sind. Aus diesem Grund haben wir versucht, die Tagesarbeitszeit zu erhöhen, um dann die Produktivität zu steigern«, erklärte Unterweger dem Österreichischen Rundfunk (ORF). Die Angestellten sind trotz etwas längerer Tage froh über ihr dauerhaft verlängertes Wochenende, und das macht sich vor allem durch die gesteigerte Zufriedenheit am Arbeitsplatz bemerkbar. 

IT-Firma geht noch einen Schritt weiter

 Auch die deutsche IT-Firma Rheingans Digital Enabler aus Bielefeld hat sich 2017 von der klassischen 40-Stunden-Woche verabschiedet. Hier arbeiten die Angestellten sogar nur noch 5 Stunden pro Tag – haben also eine 25-Stunden-Woche. Bei weiterhin vollem Gehalt ist hier täglich um 13 Uhr Schluss. Der Trick: Nebensächlichkeiten und lange Small Talks sollen vermieden werden – Meetings werden so kurz wie möglich gehalten. Für diese Umstellung bekam das Unternehmen sogar einen Preis verliehen und belegte beim »New York Award 2019« des Karrierenetzwerks Xing den Platz eins in der Kategorie »Unternehmen / Institutionen« und wurde zum Unternehmen des Jahres gekürt. Im Alltag lässt sich der 5-Stunden-Tag jedoch nicht immer einhalten: Bei Urlaub, Krankheit und Kundenterminen passiert es dennoch hin und wieder, dass einzelne Mitarbeiter länger arbeiten müssen, als geplant. 

Testphase ist in schwedischem Altenheim gescheitert

In einem schwedischen Altenheim hingegen ist die Testphase mit einer 30-Stunden-Woche gescheitert. Bei gleichbleibendem Gehalt arbeiteten die Mitarbeiter dort nur noch sechs Stunden täglich. Zwar gab es weniger Krankmeldungen und zufriedenere Heimbewohner, doch musste das Experiment nach zwei Jahren aufgrund zu hoher Kosten beendet werden. 

Doch egal ob 35, 30 oder sogar nur 25 Stunden angepeilt sind: Die 40-Stunden-Woche dürfte in vielen Branchen schon bald zumindest von flexibleren Arbeitszeiten abgelöst werden. Dabei steht fest, dass es für jedes Unternehmen die passende Option gibt, um die eigenen Mitarbeiter*innen glücklicher zu machen und in Folge deren Produktivität zu steigern – das Einzige, was es jetzt noch braucht, ist ein wenig mehr Mut für den Selbstversuch. 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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