»Zero Waste Küche« von Sophia Hoffmann

Words by Annekathrin Walther
Photography: Lars Walther
Eine junge Frau mit blonden kurzen Haaren lächelt in die Kamera
Sophia Hoffmann ist Köchin, Autorin, Aktivistin und Podcasterin. Zero Waste ist eines ihrer Herzensthemen. 2019 veröffentlichte sie das Koch- und Lesebuch Zero Waste Küche im ZS Verlag. Darin schreibt die überzeugte Veganerin über das Konzept Zero Waste und gibt wertvolle Tipps, wie es sich in den Alltag integrieren lässt. 
 

Weniger kaufen, eine gute Wahl treffen, alles aufessen!

Sophia Hoffmann

Dieses Buch gehört in jeden Haushalt. Das klingt jetzt übertrieben? Mag sein, aber wir stehen dazu. Mit ihrem Koch- und Lesebuch »Zero Waste Küche« hat Sophia Hoffmann ein Standardwerk in Sachen Nachhaltigkeit und Küchenphilosophie hervorgebracht. Jede, die anstrebt, Abfälle im Haushalt möglichst zu vermeiden und beim Kochen kreativ mit ihnen umzugehen, sollte dieses – zudem sehr schön gestaltete – Buch genau unter die Lupe nehmen. 

Zero Waste: Vom No-Brainer zum Lifestyle-Trend

Vieles von dem, was drinsteht, mag der ein oder anderen vollkommen logisch, wenn nicht sogar natürlich erscheinen. Sophia selbst erlebte dies als Dilemma beim Schreiben des Buches. Als Kind von Eltern, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt haben, kannte sie Zero Waste aus ihrem Elternhaus – nicht als Lifestyle-Trend, sondern als No Brainer. Im Vorwort betont sie, dass es für sie eine Herausforderung war, Wissen und Prozesse, die sie seit Kindertagen verinnerlicht hat, wieder in ihre Einzelteile zu zerlegen. Um sie anderen näher bringen zu können, war dies jedoch wichtig: Viel von dem Wissen, das noch vor wenigen Jahrzehnten Standard war, ist von vermeintlich besseren und bequemeren Ideen abgelöst worden. Sophias Buch ist ein tolles Beispiel dafür, wie innovativ Rückbesinnung sein kann.

Jede kann jederzeit anfangen Abfall zu reduzieren.

Regional, saisonal und bio machen Sinn

»Zero Waste Küche« ist in drei große Kapitel unterteilt. Kapitel eins dient der Information: Hier schreibt Sophia über Lebensmittelverschwendung und -wertschätzung. Sie erklärt, warum ein Einkauf am besten regional, saisonal und bio sein sollte, und räumt mit ein paar Klischees auf, die mit Veganismus verbunden sind. Sie stellt dem Mindesthaltbarkeitsdatum das Mindestverzehrfähigkeitsdatum gegenüber und regt hier zum Umdenken an. 

Kapitel eins liefert außerdem wertvolle Tipps für Zero Waste im Haushalt und reißt das Thema Haltbarmachung von Lebensmitteln – in Form von Einlegen und Fermentieren – zumindest an. Dort, wo Sophia nicht ins Detail gehen kann, verweist sie auf Quellen, die weiterführende Informationen liefern.

Sophia Hoffmanns Buch zeigt: Zero Waste ist möglich.

Besonders interessant fanden wir ihren Saisonkalender, der übersichtlich darstellt, in welche Jahreszeit und in welchen Monat die einzelnen Gemüse- und Obstsorten eigentlich gehören. Wir müssen zugeben, dass wir aufgrund der Tatsache, dass es im Supermarkt rund um die Uhr nahezu alles zu kaufen gibt, ein bisschen den Überblick darüber verloren hatten, was den Jahreszeiten entsprechend eigentlich wohin gehört (Nein, der Dezember ist in Deutschland NICHT die Zeit der Orangenernte...).

Sophias Buch vermittelt die Haltung, dass Lebensmittel ein wertvoller Werkstoff sind, aus dem sich etwas kreieren lässt. Es gilt, unsere Haltung gegenüber dem Werkstoff zu überprüfen: Ein angeschlagener Apfel muss nicht weggeschmissen werden. Tatsächlich besteht er vielleicht immer noch aus 80 Prozent Fruchtfleisch, das direkt gegessen oder noch verarbeitet werden kann.

 

Wir sollten wieder lernen, die von industrieller Werbemacht anerzogene Skepsis gegenüber nicht der Norm entsprechendem, nicht tagesfrischem Essen in eine Unschuldsvermutung umzukehren und auf unser Bauchgefühl zu hören.

Sophia Hoffmann

Das zweite große Kapitel des Buches steht unter der Überschrift, dass wir bewusster und nachhaltiger mit einem Werkstoff umgehen können, wenn wir mehr über ihn wissen. Es widmet sich 40 Lebensmitteln und Lebensmittelgruppen: Von Apfel bis Zwiebel, von Linsen und Bohnen über Brot bis hin zu Trockenfrüchten ist alles dabei. Das Kapitel iefert wertvolle Informationen und Fakten zu Lagerung, Saison, Zero-Waste-Problematik und Verwertung der einzelnen Produkte. Es ist umfassend, aber offensichtlich nicht vollständig. Sophia hat dafür Lebensmittel ausgewählt, die in deutschen Haushalten Standardprodukte sind und trotzdem – oder gerade deshalb – oft im Müll landen. Obwohl Sophia Veganerin ist, setzt sie sich in dieser Liste auch mit Fisch, Fleisch und Milchprodukten auseinander.

Pflanzen machen Spaß. Pflanzliche Küche auch.

Im dritten Kapitel des Buches darf dann endlich gekocht werden. Sophia präsentiert hier vegane Rezepte, bei denen einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Sie stellt ihre Idee der »Meal Prep« vor: Anstatt jeden Tag zu kochen, bereitet sie diverse Gerichtkomponenten vor und kombiniert diese dann über die Woche immer wieder zu neuen Mahlzeiten. An dieser Stelle hätte es für unseren Geschmack noch ein bisschen ausführlicher sein können. Ein Beispiel-Wochenplan wäre definitiv sehr interessant gewesen.

Insgesamt können wir dieses Buch nur empfehlen. Lebensmittelverschwendung und Nachhaltigkeit sind Riesenthemen, denen sich eigentlich niemand mehr entziehen kann. 40 Prozent der Lebensmittelabfälle entstehen in den Privathaushalten. Zu denken, dass die Einzelne nichts bewirken kann, ist schlicht falsch. Über unser Koch- und Konsumverhalten können wir Einfluss nehmen. 

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Annekathrin Walther

Redakteurin

Annekathrin Walther spielt mit Text seit ihr Lesen und Schreiben möglich ist. Auf ihr Studium der LIteraturwissenschaft folgten Exkursionen ins Stadttheater und den Buchhandel. Seit 2013 liegt sie als Freiberuflerin vor Anker und schreibt als solche für Theater, Audio und Internet.

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