Was ist besonders an grünem Tee?

Words by Annekathrin Walther
Photography: Oriento auf Unsplash
Das ist das Besondere an grünem Tee
Der Winter ist in vollem Gange, und die grauen und kalten Tage reihen sich nur so aneinander. Höchste Zeit, sich etwas Gutes zu tun. Zum Beispiel mit einer Tasse grünem Tee. Der schmeckt lecker und hat außerdem den Ruf, gesund zu sein. Wir haben uns gefragt: Was ist eigentlich das Besondere an grünem Tee?

Fangen wir mal ganz von vorne an: Tee ist ein Getränk, bei dem Teeblätter – in Beuteln oder lose – mit heißem Wasser übergossen werden. Nachdem das Gemisch eine Weile gezogen hat, werden Beutel oder Teeblätter entfernt, und man kann das Ergebnis – gesüßt oder ungesüßt – genießen. Neben grünem Tee gibt es schwarzen Tee, Fencheltee, Kamillentee, Früchtetee und so weiter. Oder? Ja. Und nein.

Chinesischer grüner Tee

Streng genommen handelt es sich bei Fenchel-, Kamillen- und Früchtetee nicht um Tee. Der deutsche Volksmund nennt diese Getränke zwar so. Aber andere Sprachen wissen es besser: Im Französischen wird beispielsweise klar unterschieden zwischen thé – womit schwarzer und grüner Tee gemeint sind – und infusion, worunter alle anderen heißen Kräuter- und Früchte-Aufgussgetränke zusammengefasst werden. Nun sollte sich niemand genötigt sehen, beim nächsten Café-Besuch ein „Fenchel-Aufgussgetränk“ oder gar eine „Fenchel-Infusion“ zu bestellen: Wer auf Deutsch Fencheltee bestellt, macht nichts falsch. Andersherum sollte es einen aber auch nicht überraschen, wenn man auf einem Teeprodukt, das europaweit vertrieben wird, das Wort „Infusion“ liest.

Insgesamt gibt es auf der Welt tatsächlich nur sechs Sorten, die sich uneingeschränkt Tee nennen dürfen.

Insgesamt gibt es auf der Welt tatsächlich nur sechs Sorten, die sich uneingeschränkt Tee nennen dürfen. Und zwar: Oolong-Tee, Pu-Erh-Tee, weißer Tee, gelber Tee, schwarzer Tee und grüner Tee. Was diese sechs Sorten gemeinsam haben ist, dass sie alle aus der gleichen Stammpflanze gewonnen werden. Von dieser Pflanze mit dem wohlklingenden Namen Camellia sinensis gibt es zwei Varietäten: Die Camellia sinensis var. sinensis und die Camellia sinensis var. assamica. Während aus der Camellia assamica üblicherweise Schwarztee gewonnen wird, ist die Camellia sinensis eher Lieferantin für grünen Tee.

Teeplantagen sind nicht nur der Ausgangspunkt für leckere Getränke, sondern sehen auch einfach toll aus.

Wie werden nun aus der gleichen Pflanze – oder zumindest aus zwei sehr ähnlichen –unterschiedliche Produkte gewonnen? Ob grüner oder schwarzer Tee entsteht, entscheidet sich bei der Verarbeitung der gepflückten Teeblätter. An dieser Stelle kommt das Stichwort Fermentation ins Spiel, ein Begriff, von dem man unter Umständen im Zusammenhang mit anderen Lebensmitteln – wie zum Beispiel Sauerkraut – schon einmal gehört hat. Ob grüner oder schwarzer Tee entsteht, entscheidet sich dadurch, wie stark und mit welchem Verfahren Teeblätter fermentiert werden.

Die Besonderheit des grünen Tees besteht nun darin, dass er fast gar nicht fermentiert wird.

Die Besonderheit des grünen Tees besteht darin, dass er fast gar nicht fermentiert wird. Während Fermentation bei schwarzem Tee gewollt ist und gefördert wird, wird sie bei grünem Tee unterbunden. Damit dies möglich ist, müssen die Teeblätter nach der Ernte schnell verarbeitet werden. Ein wichtiger Arbeitsschritt, um die Fermentation zu verhindern, ist das Erhitzen der Teeblätter: In China wird grüner Tee traditionell geröstet, während er in Japan gedämpft wird.

Teetrinken als Ritual

Wieso nun hat grüner Tee den Ruf, besonders gesund zu sein? Zunächst einmal ist nicht jeder grüne Tee gleich gesund. Tatsächlich gehen zum Beispiel durch das Rösten auch wertvolle Inhaltsstoffe verloren. Bei der schonenden Dämpf-Methode hingegen bleiben sie erhalten. Wem es also nicht nur um den Geschmack, sondern tatsächlich um die Gesundheit geht, sollte sich dem japanischen grünen Tee zuwenden. Dieser hat viele sehr wertvolle Inhaltsstoffe, wobei die einzelnen Stoffe nicht so entscheidend sind wie ihre Kombination und Bindung untereinander. Hinzu kommt, dass grüner Tee seine Inhaltsstoffe in besonders wasserlöslicher Form anbietet: Beim Ziehen werden sie aus den Teeblättern herausgelöst und stehen dem menschlichen Körper dann in einer Form zur Verfügung, die er hervorragend verarbeiten kann. Zum Vergleich: Würden wir die Teeblätter ganz einfach kauen, hätten die Inhaltsstoffe nur einen Bruchteil ihres positiven Effekts. Das Wirkungsspektrum von grünem Tee ist groß: Von immun- und leistungsstärkend über verdauungsfördernd und entgiftend bis hin zu antientzündlichen Effekten hat grüner Tee einiges zu bieten. Wer sich umfassender über grünen Tee und seine Wirkung auf die Gesundheit informieren möchte, dem sei an dieser Stelle das Portal Dr. Schweikart empfohlen.

Aus der Zubereitung und dem Konsum von grünem Tee kann leicht ein schönes Ritual werden.

Grüner Tee ist ein tolles Produkt, für das sich vielleicht sogar die ein oder andere eingefleischte Kaffeetrinkerin von Zeit zu Zeit begeistern lässt. Es gibt ihn in unterschiedlichsten Geschmacksnuancen und Grünschattierungen. Sein wärmender und zugleich erfrischender Effekt überrascht immer wieder. Hinzu kommt, dass aus seiner Zubereitung und seinem Konsum leicht ein schönes Ritual werden kann. So startet man vielleicht einen Tick gelassener in den Tag oder kann über den Tag bewusster Pausen einbauen.

Share:

Annekathrin Walther

Redakteurin

Annekathrin Walther spielt mit Text seit ihr Lesen und Schreiben möglich ist. Auf ihr Studium der LIteraturwissenschaft folgten Exkursionen ins Stadttheater und den Buchhandel. Seit 2013 liegt sie als Freiberuflerin vor Anker und schreibt als solche für Theater, Audio und Internet.

1 Kommentar

Manfred Eckhardt
#1 — vor 3 Monaten 1 Woche
Für mich eine schöne und aufschlußreiche Geschichte über mein Lieblingsgetränk.

Kommentieren