Vegan für alle? Wie aus einem Foodtrend Zukunft wird

05.03.2018
Words by Claudia Marisa Alves de Castro

Es lässt sich bereits deutlich spüren: Ein Umdenken hat stattgefunden. Wo vegane Ernährung einst noch belächelt wurde, sorgen inzwischen Zahlen und Fakten für ein großes Fragezeichen. Wie lange können wir so noch weitermachen?

Foodtrends schießen ja wie Pilze aus dem Boden. Ob Low Carb, Superfood oder Hybrid-Food – immer mehr Menschen sind bereit sich auf unterschiedliche Ernährungsströmungen einzulassen und diese auszuprobieren. Doch meistens verlieren diese Trends schnell an Fahrt. Für eine Woche detoxen? Klar, warum nicht. Nächste Woche wird dann aber erst einmal nur Low Carb gegessen. Und wie sieht es eigentlich mit dem Verzicht auf Zucker aus, bevor dann alles wieder auf “normal” gesetzt wird?

Bei einer ganz bestimmten Strömung lässt sich nicht von der Hand weisen, dass sie in Zukunft eine große Rolle spielen könnte. Nicht nur in Restaurants, sondern auch zu Hause verzichten immer mehr Menschen der Umwelt zu liebe gerne auf Fleisch. Obwohl der pro Kopf Verbrauch bei uns in Deutschland noch immer bei etwa 87,9 Kilogramm liegt, nimmt die Zahl der Vegetarier immer weiter zu. Aktuell geht der Vegetarier Bund von rund 8 Millionen Menschen  – das sind 10 Prozent der Bevölkerung – aus, die komplett auf Fleisch und Fisch verzichten. Zum Vergleich: 1993 waren es nur etwa 0,6 Prozent. Und auch bei den Veganern gibt es einen stetigen Anstieg. 1,3 Millionen Menschen ernähren sich laut einer Befragung des Markforschungsinstituts Skopos derzeit rein pflanzlich – Tendenz steigend.

All das finde ich wahnsinnig traurig und schockierend

Bildquelle: Unsplash

Das hat einige gute Gründe. Wie uns die freie Redakteurin und überzeugte Veganerin Elisa Brunke erzählt, geht es hier um viel, viel mehr: “Tatsächlich sollten wir doch dankbar für das sein, was wir haben, und die Erde mit Respekt behandeln – doch stattdessen vermüllen wir unsere Ozeane, rotten unsere Tiere aus, zerstören unsere Regenwälder, verpesten die Luft… all das finde ich wahnsinnig traurig und schockierend.” Inzwischen dürfte es auch den größten Fleischliebhaber schwer fallen, die Augen vor den Fakten zu verschließen. Am Ende des Tages sprechen wir nicht mehr nur noch über unzumutbare Bedingungen in der Tierhaltung. In einer Studie, die in “The Proceedings of the National Academy of Sciences” veröffentlicht wurde, wird das Problem besonders deutlich. Steigende Treibhausgasemissionen und Millionenausgaben im Gesundheitswesen, die ebenso gut im Kampf gegen den Klimawandel eingesetzt werden könnten, sind ein großes Problem des Fleischkonsums.

Herzinfarkte, Diabetes, Schlaganfälle: Alles Folgen von zu viel tierischem Eiweiß

“Allen, die Veganer immer noch für Spinner halten, kann ich nur empfehlen, sich mal die Dokumentationen “Cowspiracy” und “What the Health” anzuschauen. Darin wird deutlich, was für verheerende Folgen vor allem unser massiver Fleischkonsum und die Massentierhaltung auf unsere Umwelt haben und wie krank nicht nur unser Planet, sondern auch wir selbst dadurch werden”, empfiehlt Elisa allen Skeptikern.

Ernährungsforscher der Universität Oxford wollten es genauer wissen und haben vier verschiedene Szenarien bis 2050 untersucht. Sollten wir uns weiterhin so verhalten wie bisher, könnte das gravierende Folgen nach sich ziehen. Würden wir uns allerdings an offizielle Ernährungsrichtlinien halten, so die Studie, könnten die durch die Nahrungsmittelindustrie verursachten Treibhausgase um 29 Prozent gesenkt werden. Spielt man das Szenario in einer Welt durch, in der sich alle Menschen vegetarisch ernähren, gäbe es sogar 70 Prozent weniger Emissionen. Die wirtschaftlichen Vorteile würden sich laut Experten dadurch auf umgerechnet 500 Milliarden Euro belaufen. Bei einer rein pflanzlichen Ernährung, könnten die Einsparungen im Gesundheitssystem und in der Wirtschaft sogar in die Billionen gehen. Unterm Strich könnten durch eine Ernährungsumstellung zum Veganismus etwa 8,1 Millionen Tote verhindert werden. “Ein Viertel aller Treibhausgasemissionen entsteht bei der Produktion von Nahrungsmitteln. Eine schlechte Ernährung und Übergewicht führen häufig zum vorzeitigen Tod”, heißt es in der Studie.

Bildquelle: Unsplash

Eine vegane Ernährung ist meiner Meinung nach die einzige Lösung

Auch Elisa ist sich sicher, dass wir besser früher, als später etwas ändern sollten: “Wem also die Umwelt und die Tiere egal sind, dem dürfte doch zumindest das zu denken geben. Ja, ein veganer Lebensstil – und nicht nur eine vegane Ernährung – ist meiner Meinung nach die einzige Lösung”. Doch das die Welt in naher Zukunft komplett auf Steak, Schweinefilet und Hähnchenkeule verzichtet ist ausgeschlossen. Laut Studie werden wir allerdings kaum drumherum kommen uns schon jetzt noch wesentlich mehr bewusst zu machen, was das für unsere (Um-)Welt und vor allem unsere Nachfahren bedeutet. Das Fazit: Die Forscher der Studie empfehlen ganz klar einen Umstieg auf eine pflanzenbasierte Ernährung. Dass es sich dabei um einen Prozess handelt und nicht alle gleich von heute auf morgen überzeugt werden können, ist den Experten dabei klar. Sie hoffen lediglich die Welt zum Nachdenken anregen zu können.

Das scheint für Elisa bereits einigermaßen gut zu funktionieren. “Was mich etwas tröstet: immer mehr Menschen scheinen aufzuwachen und etwas ändern zu wollen. Die pflanzliche Ernährung ist ganz klar auf dem Vormarsch und plötzlich sogar richtig im Trend.”

Das Beitragsbild ist übrigens von Brooke Lark auf Unsplash

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Claudia Marisa Alves de Castro

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

3 Kommentare

  1. JJ

    Das Herzinfarkte, Diabetes und Schlaganfälle von tierischem Eiweiß kommen, ist nicht korrekt. Tierisches Fett ist dafür in erster Linie verantwortlich. Dieser Zusammenhang wird in der “China Study” (T. Colin Campbell) und anderen wissenschaftliche Büchern (wie z.B. “Starch Solution” von Dr. John McDougall) dargelegt. Das Fett, welches nach einer Mahlzeit mit tierischen Produkten im Blut schwimmt, lagert sich an den Gefäßwänden ab und führt so zu Plaque. Dadadurchh verstopfen die Blutgefäße und es kommt zum Infarkt / Schlaganfall. Als Veganerin stimme ich ansonsten in jeden Punkt zu. Toller Artikel und schöner Blog 🙂

  2. Mogy

    Nun ja, es spricht einiges dafür den Fleischkonsum einzuschränken, allein schon aus gesundheitlichen Gründen. Alles, was darüber hinausgeht, ist meiner Meinung nach Entscheidung jedes Einzelnen und sollte dementsprechend respektiert werden. Der moralistische Rigorismus, den viele Veganer an den Tag legen, erinnert mich an die Prohibition der 20er und 30er Jahre in den USA – sie wurde nicht umsonst schließlich wieder aufgegeben.

  3. Sterntaler

    Mein Mann und ich essen seit 1 Jahr vegan. Leben auf dem Land. Heute Abend gehen wir nach längerer Zeit einmal wieder aus. Als Getränk erwartet mich eine Nichtvegane Orangenschorle. Allzu dogmatisch kann und will ich nicht sein, da es bis zum ländlichen veganen Italiener noch ein weiter Weg ist…..Der Anfang ist gemacht !!!!
    Wir töten keine Tiere um sie zu essen. Darüber bin ich froh und dankber.
    O Säfte von Hohes C und Pfanner sind übrigens vegan
    Ein glückliches Kochen wünscht euch Sterntaler……

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