Interview mit der Autorin und Köchin Sophia Hoffmann

05.07.2018
Words by Jana Ahrens
Sophia Hoffmann ist Köchin und Autorin

Autorin und Köchin Sophia Hoffmann ist in erster Linie eine aufmerksame, kluge Person mit viel Neugierde und Energie. Da ist es kein Wunder, dass sie dank ihrer Einstellung und ihrer Lebenserfahrung schnell bei den Themen Veganismus und Diversität landete. Wer an ihrer Energie teilhaben möchte, sollte dringend in ihren Podcast reinhören und einen Blick in ihre Bücher werfen.

Sophia Hoffmann
Bildquelle: Natalie Mayroth

Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es deinen Podcast Vegan Queens, in dem es – neben veganer Ernährung – um viele andere dir wichtige Themen geht. Aus welchem Grund hast du dich für das Audio-Format entschieden? Welchen Mehrwert bietet es dir als Macherin?

Der Podcast entstand als Erweiterung zu meinem zweiten gleichnamigen Kochbuch Vegan Queens (Edel Books, 2016). Darin stelle ich im Rahmen eines Menü-Kochbuches 10 Gastro-Unternehmen vor, die von Frauen geführt werden.

Schon das Buch hat völlig den Rahmen gesprengt. Es war einfach nicht genug Platz für all die tollen Gründerinnen-Geschichten, die ich erzählen wollte. Da war der Podcast ein logischer nächster Schritt. Der Titel ist geblieben, die zu 100 Prozent weiblichen Gäste sind allerdings gar nicht in erster Linie vegan. Gemeinsam ist ihnen entweder die Tätigkeit im Food-Bereich oder ihr Einsatz für Nachhaltigkeitsthemen. Sei es als Social-Business-Gründerinnen, Aktivistinnen oder Bio-Unternehmerinnen.

Für mich als Produzentin und Interviewerin ist das Format genauso inspirierend und spannend wie für die Hörerinnen und Hörer. All diese Frauen sind Visionärinnen und Role Models, die ich meinen Followerinnen und Followern und der Welt vorstellen möchte.

Vegan Queens von Sophia Hoffmann
Bildquelle: Edel Books

Ich habe das Glück, dass mein Netzwerk ständig wächst. Die Gesprächspartnerinnen werden mir nicht so schnell ausgehen

Mit wem würdest du gern noch in deinem Podcast sprechen?

Ich bin schon sehr glücklich über die tollen Frauen, die ich bisher getroffen habe. Mittlerweile gibt es auch englischsprachige Folgen, wie etwa mit der US-Köchin und Gastro-Unternehmerin Amanda Cohen (Dirt Candy, NY) oder der dänischen Köchin und Autorin Trine Hahnemann. Auch das Gespräch mit der Restaurantbesitzerin und Eco-Aktivistin Peggy Chan aus Hongkong hat viel Spaß gemacht.

Ich habe keine absoluten Wunsch-Kandidatinnen, aber das Glück, dass mein Netzwerk ständig wächst. Die Gesprächspartnerinnen werden mir nicht so schnell ausgehen.

Wann und warum hast du Themen wie Gleichberechtigung und soziale Gerechtigkeit zu deinen Themen gemacht?

Teil meiner Erziehung war, dass ich gelernt habe, mich für Schwächere einzusetzen. Ungerechtigkeit hat mich schon immer wütend gemacht. Um aktive Feministin zu werden, musste ich wohl erst die klassische Entwicklung durchlaufen, die viele Frauen erfahren: Mit Anfang 20 denkst du noch, du kannst alles machen und werden, bis du Benachteiligungen und Diskriminierungen am eigenen Leib erfährst. Dann stellst du fest, dass wir noch lange keinen zufriedenstellenden Status quo erreicht haben.

Auch die Tatsache, dass ich selbst zum Opfer sexualisierter Gewalt geworden bin, mich entschieden habe, diese Erfahrung öffentlich zu machen und mich aus der aufoktroyierten Opferrolle zu befreien, hat dazu beigetragen.
Die Frage, ob es richtig ist, sich für diese Themen zu engagieren, stellt sich mir überhaupt nicht. Ich bin ein politischer Mensch, und ich habe eine Stimme. Ich nutze sie, um denen zu helfen, die keine haben.

Was nützen vegane Fertigschnitzel in Plastikeinwegverpackung?

War der Weg zur veganen Ernährung für dich eine bewusste Entscheidung in einem Moment, oder ein Prozess? Kannst du beschreiben, wie das war?

Ich nenne es immer eine Überreaktion auf den Status quo, der da lautet: industrielle Tierhaltung. Sowohl aus Klimaschutz-, Gesundheits- als auch aus tierethischen Gründen konnte ich den Konsum konventioneller Tierprodukte irgendwann nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren.

Pop-Up Vegan Brunch in Frankfurt
Bildquelle: Jeffrey Gurwin/ James Beard Foundation

Ich möchte nicht, dass andere Lebewesen für mich sterben müssen, weil ich es nicht als notwendig empfinde. Pflanzliche Küche ist für mich mittlerweile das Normalste auf der Welt.
Trotzdem muss ich sagen, dass in den letzten Jahren der Nachhaltigkeitsgedanke stetig gewachsen ist. Veganismus bzw. die Reduktion tierischer Produkte würde unserem Planeten (und unserer Gesundheit) zwar sehr guttun, aber für mich sind Aspekte wie Bioanbau, Fairtrade und Zero Waste genauso wichtig.

Was nützen vegane Fertigschnitzel in Plastikeinwegverpackung? Ich habe da meine Perspektive etwas geändert. Wenn ich die Hühner oder die Ziege persönlich kenne, esse ich auch mal ein Ei oder ein Stück Käse. Aber sehr selten und sehr bewusst. Wenn wir unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft auf dieser Erde sichern wollen, müssen wir alle unseren Konsum reduzieren und überdenken. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Welche Gerichte oder Snacks streicheln deine Seele?

Da gibt es ganz, ganz viele. Ich liebe Kartoffelbrei.
Oder gut gemachtes Hummus. Eine leckere vietnamesische Nudelsuppe. Frisches Obst wie Erdbeeren, Pfirsiche, eiskalte Wassermelone…

Was kochst du gerade besonders gern?

Momentan habe ich mir selbst die #weeklypasta-Challenge auferlegt. Inspiriert vom grandiosen YouTube Channel Pasta Grannies mache ich einmal die Woche frische Pasta. Ravioli, Canneloni, Gnocchi, Oriechette…die Ideen sind grenzenlos. Pasta machen ist für mich pure Meditation.

Alle Rezepte teile ich natürlich auch auf meinem Blog.

Wenn du so gar keine Zeit zum Kochen hast, krassen Heißhunger und Lust auf ein Guilty Pleasure, zu welchem deiner Rezepte greifst du dann?

Wenn es mal schneller gehen und etwas süßer sein soll, empfehle ich die Apfelmus-Muffins. Ein #zerowaste-fünf-Zutaten-Rezept auf Basis von Apfelmus, das man auch hervorragend aus Fallobst oder angeschlagenen Äpfeln machen kann und das auch ohne Ei und Butter herrlich fluffig wird.

Pop-Up Vegan Brunch Frankfurt
Bildquelle: Sandra Socha

Was liebst du an deiner Arbeit besonders?

Es gibt diese Momente, in denen ich eine zündende Idee habe, die sich dann zum Beispiel zu einem Signature-Dish entwickelt.
Ich hatte etwa jahrelang schon Mandel- und Nussmilch selbst gemacht und wusste nicht so richtig, was ich nach dem Auspressen mit dem Trester anfangen sollte. Mittlerweile verarbeite ich ihn zu herzhaftem Mandelfeta oder zu Nuss-Bolognese oder ich verwende ihn als Ricotta-Ersatz, etwa für meine Pasta-Füllungen.

Auch der Moment, in dem ich die Gäste mit meinen Gerichten unmittelbar glücklich machen kann, das ist wahrscheinlich der wichtigste Moment als Köchin.

Kannst du uns ein bisschen über das Restlfestl erzählen?

Ich veranstalte den Sommer über Zero-Waste-Dinner-Events in zwei verschiedenen Locations in Berlin. Momentan sind alle Termine – bis auf den am 25.9. – ausgebucht, aber wir werden die Reihe wohl danach fortsetzen.
Ich koche mit geretteten Lebensmitteln ein exklusives 4-Gänge-Menü für 12 Gäste.

Die Lebensmittel beziehe ich von SirPlus, dem ersten Einzelhandel in Berlin, der gerettete Lebensmittel weiterverkauft.

Bei den Dinnerabenden im Showroom von Fräulein Brösels Schnapserwachen gibt es zusätzlich ein Weinpairing mit hochwertigen Weinen, die bei den Verkostungen übrig bleiben.

Du arbeitest gerade an einem neuen Buch. Wann wird es herauskommen? Und kannst Du uns schon verraten, um was es in groben Zügen gehen wird?

Mein drittes Buch widmet sich dem Thema Zero-Waste-Küche und wird Anfang 2019 erscheinen. Das Thema ist hochaktuell, in Deutschland werden jedes Jahr 11 Millionen Tonnen Lebensmittel weggeschmissen, 61 % davon in Privathaushalten.

Die letzten Jahre gab es zwar schon einige Bücher zu dem Thema, Begriffe wie #leaftoroot und #nosetotail wurden geprägt, manche dieser Ansätze sind schon sehr fortgeschritten.

Ich will ein Buch schreiben, das gleichzeitig lehrt, richtig einzukaufen, zu lagern und zu verbrauchen. Ein wichtiger Schlüssel dazu ist das Verständnis und die Wertschätzung unserer Nahrung. Beides ist leider stark verloren gegangen.

In meinem Buch wird es auch eine Art Ideenverzeichnis geben und einen Rezeptteil mit variablen Kombinationsmöglichkeiten. Das Ganze ist natürlich, wie bei allen meinen Büchern, unterhaltsam und abwechslungsreich erzählt. Es wird ein Buch, das sich alle trauen können in die Hand zu nehmen.

Sophia Hoffmann
Bildquelle: Frank Schröder/ I Heart Berlin

Abgesehen von deinem neuen Buch, wo siehst du dich in den nächsten Jahren?

Mein langfristiges Ziel ist ein eigenes Unternehmen. Ob es ein klassisches Restaurant wird oder ein Ort, der neben Gastbewirtung auch noch Bildungs- und Eventmodule anbietet, kann ich noch nicht klar sagen.

Aber ich habe langfristig das Bedürfnis, eine eigene Küche zu haben, in der ich mich weiterentwickeln und gemeinsam mit meinen Partnerinnen und Partnern meine Ideale auf den Teller bringen kann. Weniger Social Media, mehr analoge Erlebnisküche, natürlich mit einem ökonomisch und ökologisch nachhaltigen, pflanzlichen Grundkonzept.

Vielen Dank für den spannenden Ausblick, liebe Sophia.

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Jana Ahrens

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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