Die Lieblingsrezepte von Melodie Michelberger

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Erik Cesla
Melodie Michelberger
Melodie Michelberger steht in Deutschland für Body Positivity wie keine andere. Wir haben mit ihr über Genuss und ihre ganz persönlichen Lieblingsgerichte gesprochen.

Es ist heiß, sehr heiß, als wir uns mit Melodie Michelberger im Café Johanna am Venusberg in Hamburg treffen. Mit dem Fahrrad ist sie aus ihrem neuen Büro in Ottensen zu uns geradelt und trägt eines ihrer – wie wir finden – Markenzeichen: Ein wunderbar sommerliches Kleid in bunten Farben.

Die PR-Beraterin und Mitbegründerin der feministischen Plattform “Trust the Girls” ist für viele Frauen ein Vorbild. Von ihrer positiven Ausstrahlung – die sie täglich mit ihren Followern über Instagram teilt – lassen auch wir uns im Gespräch mit ihr sofort anstecken. Neben dem Thema Genuss geht es vor allem ums Essen – genauer gesagt: um Melodies Lieblingsrezepte. Sie hat uns nicht nur verraten, wovon sie nicht genug bekommen kann, sondern hat uns ihre Rezepte sogar gleich mitgebracht.

Ich bin eine Person, die sehr gerne geniesst.

Was bedeutet Genuss für dich?

Ich bin eine Person, die sehr gerne genießt. Ich nehme mir Zeit für einen richtig guten Kaffee und mag Dinge, die eine bestimmte Wertigkeit haben. Ich lege Wert auf alles, was ich esse, in was ich mich hülle oder was ich in meine Wohnung stelle. In der Gesamtheit betrachtet bedeutet all das für mich Genuss.

Trägt deine Definition von Genuss zu deinem Wohlbefinden bei?

Auf jeden Fall hat Genuss etwas mit Wohlbefinden zu tun. Wer in der Lage ist zu genießen, trägt meiner Meinung nach eine gewisse Grundruhe in sich und nimmt bestimmte Dinge anders wahr. Dabei ist es wichtig, sich Zeit zu nehmen, die Annehmlichkeiten, die das Leben so bietet, wertzuschätzen und auch mal nach links und rechts zu schauen.

Wie sieht dein perfekter Wohlfühltag aus?

Ich würde auf jeden Fall ausschlafen. Entweder ist das bis zehn oder auch mal nur bis sieben Uhr. Am Wochenende wache ich immer um sieben Uhr auf, und unter der Woche komme ich um diese Zeit nicht so gut aus dem Bett. Ich trödele sehr gern. Wenn ich keine Termine habe, fällt mir oft um 13 Uhr auf, dass ich noch gar nicht gefrühstückt habe. Ich vertrödele unglaublich viel Zeit mit meinen Pflanzen, beim Aus-dem-Fenster-Schauen, beim Buchlesen oder Musikhören. Mein idealer Tag ist also geprägt davon, dass ich die Zeit vollkommen ausnutze und dabei entspannt bin und genieße. Ausschlafen, aufstehen, vielleicht eine halbe Stunde meditieren, dann frühstücken. Das hat gar nicht so viel damit zu tun, was ich genau an so einem Tag mache – ich brauche einfach Zeit.

EINE QUICHE IST FÜR MICH DAS ALLERLECKERSTE.

Erzähl uns von deinen Lieblingsrezepten. Was bereitest du für dich und deinen Sohn am liebsten zu?

Was ich sehr gerne und fast schon zu häufig mache, ist eine Minestrone. Dazu gehören dicke spanische Bohnen und einfach alles, was man auf dem Markt gerade so finden kann. Ich ergänze sie gern mit Karotten, Fenchel und Lauch. Die Minestrone esse ich im Winter total gern, aber im Sommer irgendwie auch.

Und das Einzige, was ich wirklich konnte, als ich ausgezogen bin, ist eine Quiche – mit Salat ist das für mich das Allerleckerste. Meine Mutter ist an der Grenze zu Frankreich groß geworden. Schon bei ihr gab es immer Quiche, als eine Art Resteessen. Das hat sich so fortgesetzt und mich unglaublich geprägt.

Quiche Melodie Michelberger

GEMÜSEQUICHE

Teig:

  • 200 g Weizenmehl (Type 1050)
  • 50 g Roggenmehl (Type 1150)
  • 0,5 TL Salz
  • 125 g Butter (oder Margarine)
  • 1 frisches Ei
  • Mehl (für die Arbeitsfläche)
  • Fett für die Form

Belag:

  • 1 Bund Lauchzwiebel
  • 1 EL Olivenöl
  • 1 Fenchelknolle (etwa 200 g)
  • 1 rote Paprikaschote
  • 1 gelbe Paprikaschote
  • 1 mittelgroße Zucchini
  • 200 g Schafskäse
  • 300 g Schmand
  • 5 Eier
  • 1 TL vom Lieblingsgewürz: “Querbeet” von Herbaria einige Stiele Thymian, Majoran, Basilikum, Rosmarin
  • 1 TL Salz
  • Zitronenpfeffer
  • Paprika edelsüß

Zubereitung:

Beide Mehlsorten, Salz, weiches Fett und Ei zuerst mit den Knethaken des Handrührers vermengen. Dann den Teig aus der Schüssel nehmen und auf einer bemehlten Arbeitsfläche mit den Händen schnell verkneten. Den Teig in ein feuchtes Tuch wickeln und mindestens 30 Minuten im Kühlschrank ruhen lassen. Teig durchkneten und auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche ausrollen. Boden und Rand einer gefetteten Springform (Ø 26 cm) damit auslegen. Den Boden mit einer Gabel mehrmals einstechen.

Lauchzwiebeln putzen, abspülen und in feine Ringe schneiden. Die Paprikaschoten putzen, waschen und in Streifen oder Ringe schneiden. Die Zucchini putzen, waschen und in Scheiben schneiden. Fenchel, putzen, waschen und in schmale Streifen schneiden. Die Kräuter waschen, trockenschleudern und fein hacken.

Den Ofen auf 180 Grad vorheizen. Das Olivenöl in einem Topf erhitzen. Das Gemüse darin kurz andünsten und mit Salz und Pfeffer würzen.

Schmand und Eier verrühren und mit Salz, Zitronenpfeffer und Gewürzen kräftig abschmecken. Die gehackten Kräuter in den Eier-Schmand geben über das Gemüse gießen und glatt streichen. Lauchzwiebeln darüber streuen. Den Schafskäse mit den Händen zerbröckeln und darüberstreuen.

Quiche im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad, Umluft 180 Grad, Gas Stufe 4 auf der untersten Schiene 45 Minuten backen (eventuell nach 30 Minuten abdecken). Noch 10 Minuten im ausgeschalteten Backofen stehen lassen.

Gemüse kann je nach Saison variiert werden! Klappt auch super gut mit Kürbis, Brokkoli und Paprika oder Tomaten und Zuckerschoten.

Minestrone Melodie Michelberger

MINESTRONE

Zutaten

  • 3 Frühlingszwiebeln
  • 1 junge Zehe Knoblauch
  • 2 Stangen Staudensellerie
  • 1 Stange Lauch
  • 2 mittelgroße Möhren
  • 1 Dose weiße Bohnen (425 g EW)
  • 500g vollreife Tomaten (oder 400 Gramm Tomate aus der Dose)
  • 1 junge Zehe Knoblauch
  • 1 El Öl
  • 1 l Gemüsebrühe
  • 120g Suppennudeln
  • 100g TK-Erbsen
  • Salz
  • Pfeffer
  • Bund Petersilie
  • 50g Parmesan

Zubereitung

Frühlingszwiebeln putzen. Das Weiße würfeln, das Grüne in Ringe schneiden und beiseite stellen. Knoblauch häuten und in feine Würfel schneiden. Die Tomaten waschen, vierteln, entkernen und ca. 0,5 cm groß würfeln. Staudensellerie und Lauch waschen, putzen und in 5 mm dicke Scheiben schneiden. Möhren waschen, schälen und 5 mm groß würfeln. Bohnen abgießen und abspülen.

Die Zwiebeln und den Knoblauch in Olivenöl glasig anschwitzen ohne zu bräunen, dann die Möhren zugeben und kurz mitdünsten lassen, nach ein paar Minuten die Tomaten zugeben und nach weiteren Minuten mit der Gemüsebrühe ablöschen und auf mittlerer Flamme gemütliche 10 Minuten köcheln lassen.

Suppennudeln, Bohnen, Sellerie und Lauch zugeben, weitere 10 Min. kochen. 3 Min. vor Ende der Garzeit Erbsen (oder die Tomaten aus der Dose!) zugeben. Minestrone mit Salz und Pfeffer kräftig würzen. Petersilie hacken und mit dem Frühlingszwiebelgrün über die Suppe streuen. Die Suppe auf vorgewärmte Teller verteilen und mit etwas Olivenöl beträufeln. Wer mag, kann noch etwas frisch geriebenen Parmesan darüberstreuen.

AUF SCHAFSKÄSE KANN ICH NICHT VERZICHTEN.

Wo kaufst du deine Lebensmittel ein?

Ich versuche, so oft wie möglich auf den Markt zu gehen. Wir sind hier in Hamburg wirklich gut bestückt. Ich persönlich gehe zweimal die Woche auf dem Großneumarkt einkaufen und zusätzlich in Ottensen, wo ich arbeite. Was ich dort nicht bekomme, kaufe ich in Bioläden.

Was isst du, wenn du dir mal etwas gönnen möchtest?

Inzwischen ernähre ich mich fast nur noch vegan – außer Schafskäse, darauf kann ich einfach nicht verzichten. Den esse ich, seit ich zehn Jahre alt bin, und das in Hülle und Fülle. Ich mache mir den wirklich überall drauf. Wenn ich mir etwas gönnen möchte, dann gehe ich zum Beispiel in die Rindermarkthalle. Hier gibt es einen tollen arabischen Stand mit sensationellem Schafskäse – der zerläuft auf der Zunge. Ich liebe das.

Gehst du häufig in Restaurants? Kannst du uns etwas empfehlen?

Seitdem ich ein Kind habe, gehe ich nicht mehr so häufig in Restaurants. Zudem habe ich leider zu oft die Erfahrung gemacht, dass vegetarische Gerichte nicht besonders gut zubereitet sind. Entweder landet zu wenig auf dem Teller, oder es schmeckt nicht besonders gut. Wenn ich essen gehe, dann gehe ich allerdings gern in Berlin ins Cookies Cream. In Hamburg mag ich das französische Bistro Carmagnole in der Juliusstraße, oder ich gehe zu VU – das ist ein Vietnamese in der kleinen Freiheit.

Melodie Michelberger

Vielen Dank für diesen kulinarisch-interessanten Einblick! 

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Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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