Wohntrend »Japandi« – Japanische Ästhetik trifft auf »Hygge«

Words by Arzu Gül
Photography: Kam Idris via Unsplash
Lesezeit: 3 Minuten
Japandi Interior Design

Der neueste Wohntrend, der Interior-Herzen höherschlagen lässt, nennt sich »Japandi« und vereint japanische und skandinavische Design-Elemente. Wir erklären, aus welchen Komponenten sich der neue Trend zusammensetzt und wie man das eigene Zuhause im Japandi-Stil einrichten kann.

Minimalistisch reduziert und dennoch gemütlich: »Japandi« ist der beliebteste Wohntrend 2020 und vereint das Beste aus zwei Welten: Hier treffen skandinavische Design-Klassiker auf eine zurückhaltende japanische Ästhetik. Das Ergebnis: eine ruhige, aber dennoch stylishe Wohnatmosphäre.

Obwohl Japan und Skandinavien geografisch etwa 8000 km voneinander entfernt liegen, haben die beiden Kulturen vieles gemeinsam – zumindest was Design und Ästhetik angeht. Beide schätzen Einfachheit und Funktionalität, sie lieben natürliche Materialien und setzen auf zeitlose Klassiker und auf qualitativ hochwertiges Handwerk. Eine Fusion beider Designstile ist somit im Grunde naheliegend.

Das Beste aus zwei Welten: Minimalismus trifft auf Komfort

Japanisches Interior-Design ist puristisch und elegant und findet seinen Ursprung im ästhetischen Konzept Wabi-Sabi, das eng mit dem Zen-Buddhismus verbunden ist. Der Begriff setzt sich zusammen aus den japanischen Wörtern »wabi« – »traurig«, »verlassen« oder »allein« – und »sabi« – »alt« und »vergangen«. Er beschreibt die Fähigkeit, Schönheit in Dingen zu erkennen, die unvollkommen und unbeständig sind. Dabei geht es darum, jeden Gegenstand und jedes Wesen in seiner natürlichsten Form anzuerkennen und wertzuschätzen. Die Philosophie hinter Wabi-Sabi distanziert sich somit vom Konzept der künstlichen Schönheit, in dem jedes Detail perfekt inszeniert ist. Übersetzt in die Design-Welt bedeutet das die Abkehr vom Konsum und die Besinnung auf das Wesentliche. Optische Leere wird wertgeschätzt, Naturmaterialien sind von großer Bedeutung, und räumlicher Minimalismus soll die innere Geisteshaltung widerspiegeln. Dadurch sind japanische Einrichtungskonzepte sehr clean, ruhig und bedacht, können aber mitunter auch etwas kühl und karg wirken, was der Wohnlichkeit abträglich ist.

 

Diese Reduziertheit wird im Japandi durch das skandinavische Konzept »Hygge« ausgeglichen. »Hygge« bedeutet »Komfort« und »Gemütlichkeit« und beschreibt einen Lebensstil, der Wärme, Vertrautheit und Herzlichkeit ausstrahlt. Lichtdurchflutete Räume, eine helle Farbpalette und Naturmaterialien sind typische Merkmale des skandinavischen Einrichtungsstils und schaffen eine behaglich-warme Wohnatmosphäre. Auf der anderen Seite neigen skandinavische Innenräume durch die reduzierte Farbpalette häufig dazu, etwas neutral und monoton zu wirken. Hier wiederum balancieren im Japandi die warmen Farbtöne und dunklen Holzelemente des japanischen Einrichtungsstils die Sterilität wieder aus. Japandi vereint also die besten Eigenschaften beider Designstile miteinander und gleicht dadurch ihre jeweiligen Nachteile aus, ohne zu sehr in ein Extrem abzudriften.

Wie lässt sich Japandi im eigenen Zuhause umsetzen?

Um den neuen Wohntrend in den eigenen vier Wänden umzusetzen, bedarf es keiner teuren Neuanschaffungen. Mit ein paar Tipps und Tricks lässt sich der gewünschte Look schnell erzielen. Wie das geht, haben wir im Folgenden zusammengefasst:


Kontrastreiche Farben

Während im skandinavischen Raum Wände und Möbel meist in Weiß, Beige oder Hellgrau gehalten sind, wird der Japandi-Stil durch die reiche Farbpalette aus Japan ergänzt. Eine dunkle, satte Wandfarbe dient als Basis für den Raum und kreiert einen schönen Kontrast mit hellen Holzmöbeln oder schwarzen Deko-Elementen. Wichtig: Die Farbe sollte bei aller Sattheit trotzdem natürlich und dezent wirken und auf keinen Fall zu grell, bunt oder auffällig sein.



Schlichte Formen

Eine Grundregel im Japandi-Stil ist die Verwendung schlichter Formen bei Möbeln und Accessoires. Klare Linien und zurückhaltend-elegante Strukturen sind hier Key-Elemente. Das Design wird auf das Wesentliche reduziert und strahlt Minimalismus und Ruhe aus. Dadurch lassen sich die einzelnen Stücke auch problemlos miteinander kombinieren.

 


Funktionelle Möbel & Naturmaterialien

Sowohl im skandinavischen als auch im japanischen Interieur ist ein Merkmal besonders wichtig: Die Funktion einzelner Möbelstücke ist sofort erkennbar. Es gibt keine Elemente, die ohne Sinn und Zweck herumstehen und einfach nur den Raum füllen. Auch im Japandi gilt deshalb: wenige Möbel einsetzen, die sich dafür durch Zweckmäßigkeit auszeichnen und gleichzeitig mit ihrem puristischen Design Ruhe ausstrahlen. Während in Skandinavien eher helle Hölzer verwendet werden, dürfen im Japandi aber auch gerne dunkle und gebeizte Hölzer sowie geschwungene Formen zum Einsatz kommen.

 


Besondere Deko-Elemente

Obwohl beide Designstile von Purismus leben, kommt im Japandi-Stil auch Deko-Elementen eine große Bedeutung zu. Während in Skandinavien kuschelige Decken und Kissen Innenräumen ein wohnliches Gefühl verleihen, liegt der Schwerpunkt in Japan eher auf Vasen und Skulpturen. Beides darf im Japandi miteinander kombiniert werden, aber es gilt: Weniger ist mehr. Nicht zu viele Deko-Elemente verwenden, sondern stattdessen lieber mit einzelnen, dafür aber besonderen Stücken Akzente setzen.

 


Kombination von Neu & Alt

Besonders in Japan hat Tradition eine große Relevanz. Erbstücke, die eine Geschichte erzählen, geben der Wohnung Leben und Charakter. Im Japandi werden im besten Fall also zeitlose Designklassiker mit hochwertigen Erbstücken kombiniert, die lange Bestand haben.

 


Schwarze Akzente

Ein markantes Merkmal des Japandi sind schwarze Stilelemente in Form von kleinen Möbeln oder Accessoires. Im sonst ruhigen Raum schaffen die Objekte optische Fixpunkte und sorgen für Eleganz.

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Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

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