Was ist ein Bullet Journal und wie funktioniert es?

Words by Annekathrin Walther
Photography: Estee Janssens auf Unsplah
Laptop Kaffee, Notizen und Notizbuch auf einer weißen Bettdecke

Das neue Jahr ist da, und manch eine ist vielleicht noch auf der Suche nach einem geeigneten System, um Alltag und Termine zu organisieren.

 

Wie wäre es mit einem Bullet Journal? Wir haben diese tolle Methode getestet und erklären euch, was es mit ihr auf sich hat und wie sie funktioniert. 

Analoges Planen auf Papier ist wieder voll im Trend.

 Auch wenn es unzählige Organisationsapps für Telefon und Computer gibt, ist analoges Planen auf Papier wieder voll im Trend. Ein Notizbuch oder einen Kalender in der Tasche zu haben, ist eben doch eine sehr schöne und praktische Sache. Schließlich gibt es immer etwas aufzuschreiben: Termine, To-do-Listen, Dinge, die man sich unbedingt merken muss. Doch wie behält man dabei den Überblick? Wie stellt man sicher, dass man mit seinen Notizen auch am nächsten Tag – oder im nächsten Jahr – noch etwas anfangen kann? 

Genau diese Fragen stellte sich auch Ryder Carroll. Bei dem New Yorker wurde in frühen Jahren eine Lernschwäche diagnostiziert. Mit dieser Diagnose konfrontiert, begann er sich nach Formen der Selbstorganisation umzuschauen, die es ihm ermöglichten, konzentriert und produktiv zu arbeiten. Nach und nach entwickelte er seine eigene – mittlerweile international erfolgreiche – Methode: Das Bullet Journal

Ein Bullet Journal ist eine Methode, kein besonderes Notizbuch.

Womit wir bei einem wichtigen Punkt wären: Ein Bullet Journal ist kein besonderes Notizbuch. Es ist kein Produkt. Ein Bullet Journal ist eine Methode, die in jedem leeren – oder halbleeren – Notizbuch funktioniert.

    

Wer also direkt durchstarten möchte, kann sich irgendein Notizbuch zur Hand nehmen, das bisher friedlich im Schrank geschlummert hat. Es muss weder neu noch teuer noch besonders schön sein. Jetzt fehlt nur noch ein Stift und ein Lineal oder Geodreieck, und schon kann es losgehen.

 

Notizbuch, Stift und Geodreieck: Wir sind bereit.

Der Aufbau eines Bullet Journals ist simpel und übersichtlich. Insgesamt gibt es fünf Dinge, die jedes Bullet Journal haben sollte: Einen Key (Legende), einen Index (Inhaltsverzeichnis), ein Future Log (Zukunftsprotokoll), ein Monthly Log (Monatsprotokoll) und ein Daily Log (Tagesprotokoll). Wer sich in die Materie reinfuchst, wird schnell merken, dass es noch viele weitere mögliche Kategorien gibt, die dem Bullet Journal nach Bedarf hinzugefügt werden können. Für den Moment belassen wir es aber bei diesen fünf wichtigsten.

Der Key ist der Schlüssel zum Erfolg beziehungsweise zur optimalen Nutzung des Bullet Journals.

Der Key

Der Key besteht aus Symbolen, mit denen man alles, was ins Bullet Journal eingetragen wird, kategorisieren kann, zum Beispiel in To-dos oder Termine. Gleichzeitig kann man mit ihm den Status eines Eintrags festlegen, indem man ihn als unerledigt, erledigt oder verschoben markiert. Theoretisch kann sich bei den Symbolen jede nach Belieben ausleben und eigene erfinden. Der Einfachheit halber haben wir Ryder Carrolls Key übernommen. Wie er genau benutzt wird, erfahrt ihr weiter unten. 

Der Index: Das Herzstück eines jeden Bullet Journals

Der Index

Im Index wird untereinander alles aufgeführt, was Eingang ins Bullet Journal findet. Es empfiehlt sich, die ersten vier Seiten des Notizbuchs für den Index zu reservieren. Dank Index muss man später nicht lange blättern, um einzelne Seiten im Bullet Journal wiederzufinden. Wichtig: Damit der Index funktioniert, müssen die Seiten des Notizbuchs durchnummeriert werden. Wer will, kann das am Anfang direkt komplett machen. Oder aber man nummeriert nach und nach, während man das Bullet Journal schon benutzt. 

 
Future Log: Hier sammelt sich alles, was wir in den kommenden Monaten vorhaben und erledigen müssen.

Das Future Log

Beim Future Log muss jede selbst entscheiden, wie weit in die Zukunft sie planen möchte. Wir haben hier die nächsten sechs Monate aufgeführt. Es ist aber durchaus möglich, das Future Log über mehrere Seiten zu ziehen und ein Jahr – oder sogar länger – vorauszuplanen. Ins Future Log kommen zukünftige Termine, To-dos und Notizen, die man bereits kennt. Ist das Future Log eingerichtet, trägt man die entsprechenden Seitenzahlen in den Index ein. 

Monthly Log: Die Übersicht für einen Monat.

Monthly Log

Mit dem Monthly Log werden dem aktuellen Monat zwei Seiten gewidmet: Auf der einen Seite werden untereinander alle Tage des Monats mit dem jeweiligen Wochentag aufgelistet. Die andere Seite ist für die To-dos reserviert, die in diesem Monat anfallen. Auch das Monthly Log wandert in den Index. 

Daily Log: Termine und To-dos des Tages

Daily Log

Im Daily Log erscheint alles, was zum entsprechenden Tag gehört: Termine, To-dos und Notizen. Da man es bei einem Bullet Journal nicht mit einem vorgefertigten System zu tun hat, kann man hier den eigenen Bedürfnissen voll und ganz gerecht werden. Manch eine strukturiert sich eine Doppelseite für eine Woche. Wir haben uns für eine sehr minimalistische Variante entschieden und einfach Tag für Tag untereinander aufgelistet. Das bedeutet, dass ein Tag, an dem nichts zu notieren ist, auch nicht im Bullet Journal auftauchen muss. Klare Sache, dass auch das Daily Log in den Index eingetragen wird. 

Für die tägliche Nutzung ist es wichtig, den Key durchgehend anzuwenden. Unser Beispiel von einem Daily Log zeigt: To-dos sind hinter einem Punkt notiert. Termine oder Ereignisse hinter einem Kreis. Spiegelstriche sind für Notizen. Gleichzeitig gibt der Key über den Status eines Eintrags Auskunft: Was abgekreuzt ist, ist erledigt. Pfeil nach rechts bedeutet, dass etwas auf den nächsten Tag verschoben wurde. Pfeil nach links verschiebt etwas ins Future Log. Mit Sternchen markierte Einträge haben Priorität. Was durchgestrichen ist, ist nicht mehr wichtig.

Insgesamt sind wir sehr angetan von der Bullet-Journal-Methode.

Fazit

Insgesamt sind wir sehr angetan von der Bullet-Journal-Methode. Ein großes Plus ist die Flexibilität: Jede kann sich ihr Bullet Journal so einrichten, wie es für sie am besten ist. Wir hatten zum Beispiel den Eindruck, dass das Monthly Log auf Dauer gar nicht unbedingt nötig ist und wir mit Future und Daily Log schon gut ausgerüstet sind. Manch andere hat aber – neben Future, Monthly und Daily Log – noch Verwendung für ein Weekly Log. Die Möglichkeiten sind unbegrenzt. 

Toll ist, dass ein Bullet Journal es ermöglicht, alles an einem Ort zu haben und trotzdem die Übersicht zu behalten. Es hilft definitiv dabei, sich zu fokussieren und Prioritäten zu erkennen. Besonders effektiv finden wir die Möglichkeit, Termine und Aufgaben zu verschieben. So wird verhindert, dass man sie aus dem Blick verliert. Wer sich außerdem kreativ ausleben will, kann sein Bullet Journal auch dafür benutzen: Inspiration dazu gibt es auf YouTube in Hülle und Fülle. Aber wie bei so vielen Dingen gilt auch hier: Erstmal einfach machen. Mit ein bisschen Zeit kommt man in die Methode rein und merkt, was man wirklich braucht. Wenn man dann noch Lust darauf hat, das Journal mit Wasserfarben oder Stickern zu dekorieren, warum nicht! Viel Spaß beim Planen! 

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Annekathrin Walther

Freie Redakteurin

Annekathrin Walther spielt mit Text seit ihr Lesen und Schreiben möglich ist. Auf ihr Studium der LIteraturwissenschaft folgten Exkursionen ins Stadttheater und den Buchhandel. Seit 2013 liegt sie als Freiberuflerin vor Anker und schreibt als solche für Theater, Audio und Internet.

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