Diese nachhaltigen Jeanslabels solltest du kennen

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Priscilla du Preez
Jeans können auch nachhaltig sein
Wieso nachhaltige Jeans gerade so ein großes Thema sind? In der Mode gehören Jeans zu den größten Umweltverschmutzern und müssen deshalb nicht mehr nur zeitgemäß aussehen, sondern sich auch ethisch und ökologisch anpassen.
 

Für die Herstellung einer einzigen Jeans werden im Schnitt 8000 Liter Wasser benötigt. Das beginnt beim Anbau der Baumwolle und geht bis zum aufwendigen Färbeprozess. Laut Greenpeace werden zudem jährlich 1,7 Millionen Tonnen Chemikalien verwendet, um zwei Milliarden Jeans herzustellen. Dieser enorm hohe Einsatz ist nicht nur schädlich für die Umwelt, sondern auch für die Menschen, die am Herstellungsprozess der Jeans beteiligt sind und sie am Ende tragen.  

Doch das Interesse an nachhaltiger Mode steigt. Vor allem im Bereich der sonst so umweltschädlichen Jeans wird die Nachfrage immer größer. Die Labels werden sich daher zunehmend ihrer Verantwortung bewusst. Einige von ihnen sind sogar überhaupt erst ins Leben gerufen worden, um uns Menschen und der Umwelt einen Gefallen zu tun. Welche Labels wir jetzt auf dem Schirm haben sollten? Genau diese hier!

Reformation

Was Reformation sowie alle nachfolgenden Labels gemeinsam haben, ist, dass sie Transparenz leben. Das Mode-Label aus Los Angeles gibt regelmäßig Updates über die Nachhaltigkeit im Unternehmen bekannt und listet auf der Website jeden einzelnen Produktionsschritt genauestens auf. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann sich die Fabrik sogar an jedem ersten Freitag im Monat ab 10:30 Uhr selbst anschauen und ein kleines Pläuschchen mit den Näherinnen und Nähern halten. Über 80 % der Kleidung wird in Los Angeles gefertigt. Alle anderen Kleidungsstücke werden von verantwortlichen Herstellungspartnern in den USA oder im Ausland unter Verwendung derselben nachhaltigen Standards und Materialien hergestellt. Zu kaufen gibt es die Jeans online und in den Stores in Los Angeles und San Francisco. 

View this post on Instagram

Starting to shorten shirts over here just fyi

A post shared by Reformation (@reformation) on

Manomama

Manomama ist ein Label aus Augsburg, das lediglich die Biobaumwolle für die Jeans aus dem Ausland, nämlich aus Tansania, bezieht. Die Verarbeitung sowie die komplette Produktion finden in Deutschland statt. Die meisten Jeans bestehen tatsächlich zu 100 Prozent aus Biobaumwolle – einige Modelle enthalten 20 Prozent regional angebauten Hanf. Mit diesen Standards geht Manomama sogar über die GOTS-Vorgaben (Global Organic Textile Standard) hinaus. Die Jeans gibt es für Frauen und Männer, und bei Bestellungen wird man dazu aufgefordert, sich genauestens mit der Größentabelle auseinanderzusetzen, um Rücksendungen zu vermeiden. Die Hosen werden erst nach der Bestellung gefertigt, um keinen unnötigen Überschuss an Teilen zu produzieren. Geshoppt werden kann online oder in einigen Bio- oder Modegeschäften. 

View this post on Instagram

Ich habe heute so unendlich gute Laune. Dies liegt sicherlich daran, dass Freitag für mich immer #freutag ist, aber nicht nur. In wenigen Wochen feiert manomama den 10jährigen Geburtstag. Und dazu, mal ganz „uneigennützig“, mache ich mir selbst ein wunderschönes Geschenk: endlich eine richtige Röhrenjeans, modern ne Skinny. Mit traditioneller Indigofärbung und ner geilen Waschung. Es waren Jahre Arbeit dorthin, denn in Deutschland, ja ganz Mitteleuropa finden sich nurmehr kleine Reste einer großen Textilindustrie. Und da ich ja sehr strenge, transparente Vorstellungen einer Wertschöpfungskette habe, war es fast unmöglich. Aber: „Geht nicht, gibts nicht!“. Fazit: Das Gewebe braucht 342 km zu uns, die Knöpfe 461, der Wäscher nochmal 420 km. Was nach Langstrecke aussieht, ist für uns Textiler schon lokal, denn die meisten Jeans gehen rechnerisch mit allen Komponenten bis zu zweimal um den Erdball. Das finde ich Wahnsinn. Und den haben wir bisher nicht mitgemacht und wollen ihn bei neuen, elastischen Modellen mit Waschung auch nicht beginnen. In meiner Musterskinny fahre ich nun im Zug gen Dresden und kontrolliere die Grössensätze zu Ende. Damit ihr euch auch bald auf unsere „Redline“ freuen könnt. Euch einen schönen Start ins Wochenende! <3 #zufrieden #freitagistfreutag #jeans #denim #denimlovers #ecofashion #biomode #madeingermany #manomamagemacht #regional #fairfashion

A post shared by Sina Trinkwalder (@manomama) on

 

Die einzige Aufgabe eines Unternehmens von heute ist die Maximierung der Menschlichkeit, nicht die Steigerung monetärer Erträge.

Sina Trinkwalder – Gründerin von Manomama

 

AYR

AYR (Aussprache wie ›air‹) steht für »all year around«. Im Jahr 2014 von vier Freundinnen und Freunden in New York gegründet, setzt das Label auf ein ganz spezielles Prinzip bei der Produktion seiner Kleidung: Jede Woche wird ein neues Produkt gelauncht, das dann so lange erhältlich ist, bis es ausverkauft ist. Inzwischen haben sich da natürlich schon einige stylishe Teile angesammelt. Unter anderem findet sich im Jeans-Sortiment »die Aloe«, die in Los Angeles aus recycelter Baumwolle gefertigt wird. Sie zeichnet sich dadurch aus, dass für ihre Herstellung nur sehr wenig Wasser verbraucht wird, nämlich knapp 250 Milliliter. Und nebenbei soll sie sich auch noch unglaublich gut auf der Haut anfühlen. 

DL1961

DL1961 wurde 2008 in New York gegründet und setzt von Beginn an auf recycelte Materialien und Biobaumwolle. Insgesamt 98 Prozent des in der Produktion verwendeten Wassers wird gefiltert und wiederverwendet. Dabei versucht das Label, sich ständig zu verbessern und neue Wege zu finden, um die Jeans noch schonender und umweltfreundlicher herstellen zu können. Seit 2018 setzt DL1961 deshalb auf das patentierte Material Refibra des österreichischen Stoffherstellers Lenzing – das ist Denim, das aus alten Jeansresten und Holzstoff gewonnen wird. Zu kaufen gibt es die innovativen Jeans online, unter anderem auch bei Asos. 

 

Bleed

Das Besondere an Bleed? Das Label aus Franken ist komplett vegan. Das heißt: Nicht nur Jeans, sondern wirklich alle Kleidungsstücke werden ohne jede Beteiligung von Tieren hergestellt. Bei Bleed werden rund 80 Prozent der Kleidung in Europa gefertigt. Produziert werden Jeans für Frauen und Männer aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle, die einen 2-prozentigen Elastan-Anteil enthalten. Die Baumwolle stammt aus Afrika und Indien und wird ohne den Einsatz von Chemikalien in Portugal weiterverarbeitet, bevor es nach Polen in die Produktion geht. Zu kaufen gibt es die Jeans-Modelle im Bleed-Store in Berlin oder online. 

View this post on Instagram

Cool and casual through the summer! -- Cool und lässig durch den Sommer!☀️ ⠀ There’s nothing better than a pair of dungarees! Especially in combination with summery Eco. Fair. Yeah. -Shirt! The chest features a zip pocket to prevent your things falling out every time you bend over. ⠀ ⠀ Nowadays, fashion can look cool and be produced in an ecological, fair, vegan way.⠀ ⠀ ⠀ ⠀ . . . . .⠀ ⠀ #10thanniversary #bleedclothing #mountainviews #natureisawesome #natureisamazing #summerstyle #summer #fairfashion #fairfashion #slowfashion #functionalfashion #fashion #ootd #love #outfitoftheday #instagood #streetstyle #stylish #outfittoday #veganclothing #nature #environment #savetheplanet #climatechange #noplastic #ethicalfashion #fairfashion #green #slowlife #plasticfree

A post shared by bleed organic clothing (@bleedclothing) on

 

Es ist unser Anspruch, fair mit Mensch, Tier und Natur umzugehen. Das gewährleisten wir durch hohe soziale Standards bei der Herstellung, eine umweltfreundliche Materialauswahl und die komplett tierleidfreie Produktion.

Bleed

 

Übrigens:

Der Begriff »Bio« ist für Kleidung nicht geschützt. Wer wirklich nachhaltig shoppen möchte, sollte für Jeans auf das GOTS-Siegel und das »IVN Best«-Siegel achten. Zwei weitere wichtige Indizien für faire Ware sind das Label »Fairtrade Certified Cotton« und die Mitgliedschaft des Herstellers in der Fair Wear Foundation. Doch aufgepasst: Die beiden letzten gewährleisten zwar faire Produktions- und Arbeitsbedingungen, sie setzen jedoch nicht die Verwendung von Bio-Baumwolle voraus.

Dazu Passend

Faire Ware: Nachhaltige Labels zum Verlieben

Nachhaltigkeit spielt in unserem Leben eine immer größer werdende Rolle – so auch in der Mode. Fairness, Transparenz, Hochwertigkeit und modernes Design? Die folgenden Labels und Shops vereinen all das. Wer in Bezug auf Mode bei den Worten ökologisch, fair und nachhaltig noch immer an kratzige,
Share:

Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

Kommentieren