Meghan Markle: Hochzeitskleider feministisch?

Words by Jana Ahrens
Hochzeitskleider
Die frisch vermählte Herzogin von Sussex identifiziert sich als Feministin. Deshalb hat es zu ihrer Kleiderwahl – wie zu erwarten war – viele Kommentare gegeben. Sind weiße, klassische Hochzeitskleider etwa feministisch? Ist eine royale Hochzeit an sich nicht schon viel zu sehr in alten Rollenbildern verhangen? Die Kritik schlug Wellen. Doch viel wichtiger als die Farbe der Kleider oder die Länge des Schleiers sind die Designerinnen, mit denen Meghan Markle gearbeitet hat. Warum?
 

Die Modewelt ist eine, die mit den Träumen und Bedürfnissen von Frauen eine Menge Geld verdient. Im Vergleich dazu gibt es sehr viel weniger Frauen, die an der Spitze von bekannten Modefirmen oder in den Chefetagen von Marken-Konglomeraten auch an den erwirtschaften Reichtümern verdienen. Den Job der Kreativdirektoren, Chef-Designer oder Manager von weltweit bekannten Labels übernehmen noch immer sehr viel häufiger Männer als Frauen.

Deshalb war es eine starke Geste, dass Meghan Markle für ihre Hochzeitskleider zwei Designerinnen gewählt hat, die in der Branche unermüdlich, konstant und mit einem großen Wunsch nach Unabhängigkeit, ihren Weg gehen. Wir lenken unseren Blick also für einen Moment auf die erste künstlerische Leiterin in der Geschichte von Givenchy, Clare Waight Keller. Und auf die seit Kurzem wieder unabhängig arbeitende Stella McCartney, die das abendliche Hochzeitskleid für Meghan Markle entwarf. Wer sich durch die Lebenswege dieser Designerinnen noch nicht beeindrucken lässt, sollte einen Blick auf die Idee der Shine Theory werfen, die Meghan Markle hier verfolgt. “I don’t shine if you don’t shine” ist eine Idee, die sich dem klassischen Konstrukt eines Konkurrenzkampfes direkt entgegenstellt und seit ca. fünf Jahren einen festen Platz in der gegenseitigen Unterstützung von Frauen findet.

CLARE WAIGHT KELLER

 

Der mediale Rummel um die Modedesignerin Clare Waight Keller war natürlich groß, nachdem das Geheimnis um das sagenumwobene Hochzeitskleid endlich gelüftet wurde. Doch Clare Waight Keller ist mit allen Branchen-Wassern gewaschen und konnte mit der Aufmerksamkeit professionell umgehen. Schließlich wurde sie aufgrund ihrer perfekt geschneiderten, minimalistischen Abschlusskollektion am Royal College of Art vom Fleck weg von Calvin Klein rekrutiert. Vier Jahre später ging es für sie zu Ralph Lauren, dann – auf Anfrage von Tom Ford – in das Kreativteam von Gucci und dann zurück auf die Insel. Dort übernahm sie die künstlerische Leitung des Labels Pringle of Scotland. Sie krempelte die Marke von Grund auf um, ohne die Tradition zu verraten und war damit hochgradig kommerziell erfolgreich.

 

Das ist ein Merkmal, das ihre gesamte Karriere durchzieht. Clare Waight Keller ist in der Lage, sich auf die gegebenen Umstände einer Marke einzustellen – oder im Fall von Meghan Markle: einer Person. Sie respektiert die entsprechenden Wünsche, ohne dabei ihre ganz eigene Handschrift zu verlieren. Das hat nicht nur bei Pringle of Scotland für steigende Umsätze gesorgt, sondern auch beim französischen Label Chloé, das sie von 2011 bis 2017 kreativ leitete. Danach ging es für sie zu ihrem heutigen Arbeitgeber Givenchy. Einer französischen Modemarke, die schon in der Vergangenheit vielen britischen Talenten wie John Galliano, Alexander McQueen, Julien McDonald und Ozwald Boateng den Weg in den Mode-Olymp ebnete. 

 
Schleier
Der Schleier der neuen Herzogin von Sussex war komplett mit Blumen des Commonwealth umrandet.

Doch ganz unabhängig davon, dass die Reputation von Clare Waight Keller ihresgleichen sucht, ist es durchaus möglich, dass Meghan Markle nicht nur von ihrem Stil beeindruckt war, sondern auch von ihrer Karriere als erfolgreich arbeitende Mutter in einer ausgewiesenen Männer-Domäne. 

 

 

Stella McCartney
Stella McCartney mit Angelina Jolie beim Summit Fringe 2014.

 

Natürlich hatte Stella McCartney als Tochter von Linda und Paul McCartney einen recht großen finanziellen Vorsprung und ein gut gepolstertes Netzwerk, mit dem sie in die Designer-Karriere starten konnte. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Celebrities in der Modewelt, war es McCartney wichtig, ihr Handwerk von der Pike auf zu lernen. Als Schneiderlehrling an der Savile Row und als Modestudentin am Central St. Martins College in London, musste sie sich manchmal doppelt beweisen. Viele ihrer Kommilitonen und Lehrmeister wollten ihr nicht auf Anhieb abnehmen, dass sie es mit der Karriere Ernst meinte und sich nicht auf den Lorbeeren ihrer Eltern ausruhen wollte. Doch sie hat überzeugt und zwei Jahre nach dem Ende ihrer Ausbildung den Job als Kreativdirektorin des französischen Modelabels Chloé übernommen. Eine Position die, Jahre später, auch von Clare Waight Keller ausgefüllt wurde. In 2001 wagte sich Stella McCartney schließlich mit ihrer ganz eigenen Modemarke in die Welt. Allerdings erst mal in Kollaboration mit Gucci. Seitdem hat sie für ihre Entwürfe nie wieder Leder, Fell, Tierhäute oder Federn eingesetzt.

 

Ende März dieses Jahres kam für McCartney der große Befreiungsschlag. Sie kaufte, nach 17 Jahren, die 50 % Anteile, die der Kering-Konzern aufgrund der Gucci-Kollaboration noch an ihrem Unternehmen hielt, aus eigenem Invest auf und ist seitdem Leiterin eines unabhängigen, weltweit erfolgreichen Modehauses. Eher eine Seltenheit in einer Zeit, in der die Modebranche im Ganzen mit den globalen Umwälzungen zu kämpfen hat. Hut ab! 

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ModeStyling

Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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