Kulturreise in die Vergangenheit: Die Klassische Moderne.

01.09.2017
Words by Jana Ahrens
Fassade der Bauhaus Wohnanlagen in Dessau

Klassisch und modern, das ist ein Widerspruch, oder? Nicht, wenn es um Kunst-Epochen geht! Die Klassische Moderne fasst Malerei, Architektur, Literatur, Fotografie und auch Design einer Zeit zusammen, die uns noch heute stark beeinflusst. Eine stilistische Reise in die Vergangenheit mit ein bisschen Nostalgie:

Perspektive, Proportionsregeln, Goldener Schnitt? Pah, wir machen das jetzt ganz anders!

Einfach gesagt, ist diese Herangehensweise das das Credo der Künstler, die wir heute als die Begründer der Klassischen Moderne betrachten. Dazu gehören Berühmtheiten wie Pablo Picasso, Henri Matisse oder Paul Klee. Das klingt jetzt erst mal ziemlich bunt und wild.

Flur der Bauhaus Fakultät in Dessau mit roten Rahmen
Im Flur der Bauhaus Fakultät in Dessau. Inspiration pur!

Doch auch außerhalb von Frankreich und abseits der Malerei hat die Klassische Moderne ihre Spuren hinterlassen. Und in der Architektur war das gar nicht so bunt und wild. Hier ging es eher um eine neue Sachlichkeit. Darum, schöne und bezahlbare Gebäude auf die Bedürfnisse der Menschen abzustimmen und einladend zu gestalten. Das ist mal besser und mal schlechter gelungen, aber auch hier bleibt der Einfluss von großen Gestaltern wie Frank Lloyd Wright, Le Corbusier oder Mies van de Rohe ungebrochen. Sie gründeten das Bauhaus und damit einen ganz neuen Stil, der sich auch auf Design und Mode auswirkte.

Courrège Entwürfe in Schwarz-Weiß
Designer Courrège brachte Architektur und Mode in der klassischen Moderne zusammen.

Der Modedesigner André Courrège war beispielsweise Architekt und Modedesigner. Nach seiner Lehrzeit bei Balenciaga begann er unter eigenem Namen Entwürfe zu gestalten, die den modernen Einfluss der Raumfahrt und der immer wichtigeren Fernreisen mit dem Flugzeug Rechnung trugen. Klassische Moderne heißt nämlich auch: Auf in die Zukunft.

Etuikleider mit kontrastreichen Farben, hier in Schwarz-Weiß
Die Mondrian Kleider von Yves Saint Laurent machten Color Blocking besonders schick.

Das ging auch an bereits etablierten Designern, wie zum Beispiel Yves Saint Laurent, nicht spurlos vorbei. Sein Bild der modernen Frau zeigte sich in adaptierten Herrenlooks, wie dem Smoking-Anzug. Aber auch Bezüge zur modernen Kunst machten seinen Ansatz aus. Unvergessen wird in diesem Zusammenhang sein unkompliziertes Kleid mit dem Print eines Mondrian-Gemäldes bleiben.

Auch diesen Herbst sind die Kollektionen wieder geprägt von den Einflüssen der Klassischen Moderne. Sowohl den Look der Garconne, als auch den Einfluss von geradlinigen Mustern aus der OP-Art, haben wir dieser Epoche zu verdanken. Und der uneingeschränkte Glaube an die Zukunft? Nun, der hat sich in eine vorwärtsgewandte Nostalgie verwandelt.

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Jana Ahrens

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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