Kulturreise in die Vergangenheit: Die Klassische Moderne

Words by Jana Ahrens
Klassische Moderne
Klassisch und modern, das ist ein Widerspruch, oder? Nicht, wenn es um Kunst-Epochen geht!
 

Die Klassische Moderne fasst Malerei, Architektur, Literatur, Fotografie und auch Design einer Zeit zusammen, die uns noch heute stark beeinflusst. Eine stilistische Reise in die Vergangenheit mit ein bisschen Nostalgie:

Perspektive, Proportionsregeln, Goldener Schnitt? Pah, wir machen das jetzt ganz anders!

Einfach gesagt, ist diese Herangehensweise das das Credo der Künstler, die wir heute als die Begründer der Klassischen Moderne betrachten. Dazu gehören Berühmtheiten wie Pablo PicassoHenri Matisse oder Paul Klee. Das klingt jetzt erst mal ziemlich bunt und wild.

Im Flur der Bauhaus Fakultät in Dessau. Inspiration pur!
Im Flur der Bauhaus Fakultät in Dessau. Inspiration pur!

Doch auch außerhalb von Frankreich und abseits der Malerei hat die Klassische Moderne ihre Spuren hinterlassen. Und in der Architektur war das gar nicht so bunt und wild. Hier ging es eher um eine neue Sachlichkeit. Darum, schöne und bezahlbare Gebäude auf die Bedürfnisse der Menschen abzustimmen und einladend zu gestalten. Das ist mal besser und mal schlechter gelungen, aber auch hier bleibt der Einfluss von großen Gestaltern wie Frank Lloyd WrightLe Corbusier oder Mies van de Rohe ungebrochen. Sie gründeten das Bauhaus und damit einen ganz neuen Stil, der sich auch auf Design und Mode auswirkte. 

Designer Courrège brachte Architektur und Mode in der klassischen Moderne zusammen.
Designer Courrège brachte Architektur und Mode in der klassischen Moderne zusammen.

Der Modedesigner André Courrège war beispielsweise Architekt und Modedesigner. Nach seiner Lehrzeit bei Balenciaga begann er unter eigenem Namen Entwürfe zu gestalten, die den modernen Einfluss der Raumfahrt und der immer wichtigeren Fernreisen mit dem Flugzeug Rechnung trugen. Klassische Moderne heißt nämlich auch: Auf in die Zukunft. 

Die Mondrian Kleider von Yves Saint Laurent machten Color Blocking besonders schick.
Die Mondrian Kleider von Yves Saint Laurent machten Color Blocking besonders schick.

Das ging auch an bereits etablierten Designern, wie zum Beispiel Yves Saint Laurent, nicht spurlos vorbei. Sein Bild der modernen Frau zeigte sich in adaptierten Herrenlooks, wie dem Smoking-Anzug. Aber auch Bezüge zur modernen Kunst machten seinen Ansatz aus. Unvergessen wird in diesem Zusammenhang sein unkompliziertes Kleid mit dem Print eines Mondrian-Gemäldes bleiben.

Auch diesen Herbst sind die Kollektionen wieder geprägt von den Einflüssen der Klassischen Moderne. Sowohl den Look der Garconne, als auch den Einfluss von geradlinigen Mustern aus der OP-Art, haben wir dieser Epoche zu verdanken. Und der uneingeschränkte Glaube an die Zukunft? Nun, der hat sich in eine vorwärtsgewandte Nostalgie verwandelt.

 

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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

4 Kommentare

Karlheinz Guthe
#2 — vor 3 Monaten 1 Woche
Leider fehlen in diesem ausschliesslich lobhudelnden Artikel über die sog. »Moderne«, kritische Aspekte ihrer dogmatischen Geschmacksbildungsauffassung hinsichtlich der Verabsolutierung der Flachdachkiste als unabdingbares Leitbild der zeitgenössischer Architektur seit 100 Jahren mit all ihren schlimmen städtebaulichen Begleiterscheinungen, insbesonders vor dem Hintergrund einer Revivalmode seit 20 Jahren, die die sog. »Postmoderne« ablöste, indem die scheußlichen architektonisch-städtebaulichen Entgleisungen der oftmals vielgescholtenen 60er und 70er Jahre propagandistisch von den allermeisten Medien sowie von Investoren und der Mehrheit der politischen »Elite« dazu benutzt werden, zu suggerieren, dass heute viel sensibler gebaut würde, wobei jedoch in Wirklichkeit damit verschleiert wird, dass heute viel schlimmer, überdimensionierter und globiger flachdachklotzig drauflosverschandelt wird als früher.

Dabei drängt sich der durchaus begründete Verdacht auf, dass dies als dogmatisch versnobte vermeintlich mit intellektueller Attitüde überzuckertes Geschäftsmodell ästhetisch anspruchsloser Kommerzinvestoren daherkommt, die der geneigten Öffentlichkeit und den Beamten- und Polit- und Professur-Marionetten, wie am Beispiel »des Kaisers neue Kleider« suggerieren soll, dass die Flachdachkiste als Archetyp in der Architektur eben so und nicht anders zu sein hat.

Unter dem Aspekt einer evolutionären gestalterischen Weiterentwicklung hat der zur ideologisch-künstlerischen Sackgasse, erstarrte Bauhausdogmatismus aus den o.g. Gründen gänzlich versagt und ist im Prinzip in seinem Absolutheitsanspruch vermeintlicher Menschheitsbeglückung vom prinzipiellen Grundsatz her bis heute genauso schlimm, wie die damals fast gleichzeitig sich entwickelnde scheinkünstlerische »Blut- und Boden«-Ideologie der Nazis, welche wiederum die ideologisch-künstlerische Konkurrenz des Bauhauses pauschal als vermeintlich »jüdisch-bolschewistisch« verunglimpfte, verdammte und verbot.
Eckhard Fecke
#2.1 — vor 2 Monaten 1 Woche
Sie haben leider den Bauhausgedanken überhaupt nicht verstanden. Kennen Sie die Architektur des Bauhauses aus eigener Anschauung? Das hat nichts mit den »Arbeiterschließfächern« der DDR-Zeit oder mit stupiden Hochhaussiedlungen zu tun, die aus der Wohnungsnot der Nachkriegszeit entstanden sind. Fahren Sie mal nach Dessau und schauen Sie sich die Siedlung Törten an, oder die Meisterhäuser nahe der Bauhausschule. Gehen Sie mal hinein in das Kandinsky- oder Klee-Haus und wundern Sie sich über die Lichtdurchflutung der Räume und ihre Anordnung. Die Bauhaussiedlungen sind überall dort, wo diese Architektur gewirkt hat, inzwischen sehr begehrte Wohnviertel geworden, allesamt mit Flachdächern, aber architektonisch gekonnt, durchdacht und weitaus künstlerischer im Anspruch, als das typisch deutsche Satteldachhaus. Ich stimme allerdings mit Ihrer Bewertung der scheinkünstlerischen Blut- und Boden-Ideologie der Nazis überein. Denen waren vor allen Dingen die liberal denkenden Bauhauskünstler ein Dorn im Auge.

In reply to #2 by Karlheinz Guthe

e.vadas
#1 — vor 4 Monaten 1 Woche
Kleine Korrektur: Keiner der erwähnten Architekten war Gründer des Bauhauses. Mies van der Rohe hat es allerdings von 1930 bis 1932 geleitet.
Eckhard Fecke
#1.1 — vor 2 Monaten 2 Wochen
Korrekt! Hier wäre am besten wohl van der Velde mit seiner Kunstgewerbeschule in Weimar genannt worden, oder später in Dessau Walter Gropius.

In reply to #1 by e.vadas

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