, Gibt es sie, die Jeans mit reinem Gewissen?

27.10.2018
Words by Jana Ahrens
Gibt es sie, die Jeans mit reinem Gewissen?

Die klassische Jeans wurde von Levi Strauss als besonders nachhaltiges Kleidungsstück erfunden. Robust verwebte Baumwolle, doppelt vernähte Kanten und mit Nieten verstärkte Taschen – all das sorgte für Langlebigkeit. Manche Jeans wurden über drei Generationen vererbt. Wie sieht es heute aus mit der Nachhaltigkeit der unablässig beliebten Hose?

Die Geschichte der Blue Jeans
Blue Jeans mussten harte Arbeits- und Wetterbedingungen überstehen können; Bildquelle: Unsplash

Der Ursprung der Denim Blue Jeans

“Denim”, das ist ein Stoff, aus dem – neben Hosen – auch Jacken, Kleider, Röcke und inzwischen auch Einrichtungsgegenstände gemacht werden. “Jeans” bezeichnet hingegen eine bestimmte Form von Hose, die oft aus Denim gefertigt ist. Doch was sie vor allem anderen auszeichnet, sind die Taschen auf der Rückseite, die doppelten Nähte und die Nieten an den Taschen. Diese Verstärkungen und praktischen Details waren ursprünglich kein Stilmittel, sondern wichtige Elemente einer Arbeitsbekleidung. Blue Jeans mussten harte Arbeits- und Wetterbedingungen überstehen können. Dabei musste das Denim für diese Hosen nicht zwangsläufig blau sein. Aber Denim mit Indigofärbung war von Anfang an die beliebteste Variante. Nicht nur, weil dieses Blau sich besonders einfach und intensiv im Baumwollstoff fixieren ließ – Indigo war sehr selten und blaue Kleidung deshalb auf der ganzen Welt ein Symbol für Status und Reichtum. Wer also hart arbeiten musste und trotzdem etwas auf sich hielt – also einen gewissen Stolz an den Tag legte – trug indigoblaue Jeans.

Die Geschichte der Blue Jeans
Jeans unterliegen – ganz wie Laufsteg-Mode – einem eigenen Trend-Zyklus; Bildquelle: Unsplash

Die Popularität von Waschungen

Darauf basiert in gewisser Hinsicht noch heute die Popularität von Blue Jeans. In der Zeit zwischen den 50er und 70er Jahren waren es zunächst junge, rebellische Menschen aus dem Bürgertum, die sich über das Tragen von Blue Jeans mit der Arbeiterklasse solidarisieren wollten. Danach waren es reiche Menschen, die mit dem Tragen von ausgewaschenen Jeans ihre Lässigkeit unterstreichen wollten. Inzwischen sind Blue Jeans weltweit so populär, dass sich ein eigenes Modesegment um das Denim-Produkt entwickelt hat. Unzählige Waschungen und Qualitäten sind verfügbar. Jeans unterliegen – ganz wie Laufsteg-Mode – einem eigenen Trend-Zyklus, der immer wieder für neue Entwicklungen sorgt und zum Kaufen einer Vielzahl von Varianten anregt. Das mit der Nachhaltigkeit, nun, das ist durch diese Entwicklung weitestgehend verloren gegangen.

Ist meine Jeans gewaschen?

Ungewaschene Jeans gibt es fast gar nicht mehr. Selbst wenn die Hosen keine auffällig helleren oder aufgerauten Stellen haben und tief dunkel gefärbt sind: Ungewaschener Denim ist stocksteif und deshalb bei den meisten Konsumenten unbeliebt. Also werden alle Jeans vorgewaschen. Dazu kommt, dass den meisten Hosen ein Anteil an flexiblen Synthetikstoffen beigemischt wird, damit sich die Jeans bequemer tragen lassen. Indigo ist obendrein auch heute noch relativ teuer. Um die große Nachfrage am Markt zu befriedigen, wird deshalb hauptsächlich mit synthetischem Indigo gearbeitet. Und der ist giftig. So ist die Jeans innerhalb der letzten 200 Jahre vom Nachhaltigkeitsvorbild zu einem der umweltschädlichsten Kleidungsstücke der Welt geworden. Die Kombination aus Waschungen, synthetischen Färbungen und intensiver Behandlung der Stoffe führt dazu, dass die Jeans-Industrie beispielsweise in China der drittgrößte Produzent giftigen Schmutzwassers ist.

Gibt es nachhaltige Jeans?
Es ist sinnvoll, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Jeans-Marke sich auf welchen Aspekt der Nachhaltigkeit konzentriert; Bildquelle: Unsplash

Worauf kann ich achten?

Da wir uns heute aber an den gewaschenen Griff und Look von Jeanshosen gewöhnt haben, ist es für massentaugliche Jeans-Marken unglaublich schwierig, wirklich nachhaltige Jeans zu produzieren. Deshalb empfehlen Umweltschützer und Bekleidungsspezialisten, sich beim Kauf von Jeans erst einmal auf den Aspekt zu konzentrieren, der uns als Konsumenten am wichtigsten ist. Es gibt inzwischen diverse Jeans-Marken, die hier einen Schwerpunkt in die eine oder andere Richtung setzen. In Warenhausketten wie Peek & Cloppenburg werden sie parallel angeboten. Hier kann eine Auswahl getroffen werden: Wollen wir auf toxische Färbemittel verzichten? Soll es sich um Biobaumwolle handeln? Sollen die Hosen aus lokaler oder regionaler Produktion kommen? Um sicher zu gehen, dass die Abwässer gründlich geklärt werden, bevor sie in Flüsse und Seen gelangen? Es ist sinnvoll, sich einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Jeans-Marke sich auf welchen Aspekt der Nachhaltigkeit konzentriert. Das Modelabel Armedangels beispielsweise verwendet bei der Herstellung seiner Jeans keine giftigen Substanzen (und legt auch noch Wert auf eine faire Produktion). Armedangels wirbt beispielsweise gerade damit, dass bei der Herstellung ihrer Jeans keine giftigen Substanzen verwendet werden. Abschließend ist noch zu sagen, dass es der Umwelt besonders guttut, wenn wir möglichst wenige Jeans kaufen. Wenn wir die, die wir besitzen und lieben, so lange tragen und pflegen, wie es irgendwie möglich ist. Das können wir heute genauso versuchen, wie es die Träger der ersten Generation Blue Jeans getan haben. Eine schöne Tradition.

Das Beitragsbild ist übrigens von Ricardo Gomez Angel auf Unsplash

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Jana Ahrens

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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