, Fashion-Innovation jenseits der Großstädte

25.10.2018
Words by Jana Ahrens
Simplicity Campus

München, Berlin, Hamburg: Wenn es um moderne Unternehmen und die Start-up-Szene geht, dann dreht sich das meist ums Leben und Arbeiten in Großstädten. Doch was passiert abseits der Metropolen? Wir haben die Ballungszentren mal hinter uns gelassen und uns umgeschaut.

Nur einen Verkehrskreisel von der Autobahnabfahrt A2-21 entfernt, versteckt sich ein Stück moderner Architektur hinter einem dichten Bambusgarten. Dass sich hier ein Kleinod unter den deutschen Modeunternehmen verbirgt, ist bei der Anreise – erst kilometerweit über die Autobahn und dann entlang von Kuhweiden – nicht direkt anzunehmen. Doch einmal auf dem Simplicity-Campus angekommen, wird schnell klar: Hier sind wir näher an der Zukunft als in vielen Metropolen.

Die Simplicity GmbH in Oelde
Die minimalistische Architektur am Campus strahlt Wärme und Gastlichkeit aus. Bildquelle: Simplicity GmbH

Trotz minimalistischer Architektur und gegossenem Estrichfußboden strahlt das Hauptgebäude der Simplicity GmbH überall Wärme und Gastlichkeit aus. Die Gänge sind lichtdurchflutet, und im offenen Bereich, um die beeindruckenden Kaffeemaschinen herum, tummeln sich auffällig viele junge Menschen. Ungefähr die Hälfte von ihnen arbeitet schon richtig lange hier. Geringe Personalfluktuation bei geringem Durchschnittsalter, davon träumen viele Unternehmer. Wie also klappt das bei Simplicity – einer progressiven Mode-Firma, die zwei Modemarken für Frauen – OPUS und someday – unter einem Dach vereint?

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Darf man dem Human Resources Team glauben, so liegt es vor allem daran, dass Simplicity das klassische Abteilungsdenken schon vor längerer Zeit über Bord geworfen hat. Es gibt sie zwar noch, die Überbegriffe wie Online Marketing, Quality Control oder Merchandise. Doch um das Unternehmen möglichst agil und effizient voranzubringen, gibt es für alle Mitarbeiter*innen die Möglichkeit, sich mit Ideen und Fragen an alle anderen zu wenden. Egal ob es sich dabei um die Geschäftsführung, um Kolleginnen oder Kollegen aus der Logistik, oder um jemanden aus dem Vertrieb handelt. Das ist die Basis der Unternehmenskultur. Entsteht aus diesem Austausch ein Projekt mit Potential, so wird eine sogenannte “Box” erstellt. Das ist ein Projektteam, in dem Kollegen verschiedener Abteilungen gemeinsam innerhalb eines festen Zeitrahmens eine Idee umsetzen können. So haben alle jederzeit die Möglichkeit, in eine leitende Rolle zu schlüpfen. Alle, die “outside of the box” denken können, schaffen sich hier also einfach ihre eigene “Box”.

Der Campus
Simplicity profitiert von den vielen Quereinsteigern die hier mithilfe von Weiterbildungsprogrammen unterstützt und geschult werden. Bildquelle: Simplicity GmbH

Mit der richtigen Einstellung und Motivation kann Fachliches jederzeit dazugelernt werden.

– Nina Meier, Head of HR bei Simplicity

Dabei wird von allen darauf geachtet, die Kolleginnen und Kollegen entsprechend ihrer Stärken einzusetzen. Daraus ergeben sich sicherlich allerlei Herausforderungen für die Mitarbeiter*innen. Aber diese Teamstruktur signalisiert auch großes Vertrauen in die Fähigkeiten von Einzelnen. Und das schätzen gerade junge Menschen, die sich ordentlich was zutrauen und noch viel erreichen möchten. Aber das Unternehmen profitiert nicht nur vom niedrigen Durchschnittsalter der Teams. Sondern auch von den vielen Quereinsteigern, die hier mithilfe von Weiterbildungsprogrammen unterstützt und geschult werden. Denn über eine Sache sind sich alle Einstellungsverantwortlichen einig: Was primär zählt, sind nicht die Noten oder Zeugnisse, die aus der Schule, der Ausbildung oder den vorangegangenen Anstellungen mitgebracht werden. Was zählt, ist die Persönlichkeit. “Mit der richtigen Einstellung und Motivation kann Fachliches jederzeit dazugelernt werden”, sagt Nina Meier, Head of HR bei Simplicity.

Persönlichkeit ist natürlich ein vager Begriff, wenn es um Einstellungskriterien geht. Was vereint also die Mitarbeiter*innen dieser Firma? Alle hier können sich für Mode begeistern, das ist klar. Das ist auch schlicht und ergreifend eine Voraussetzung. Eine gewisse Offenheit und die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, scheint die Teams ebenfalls zu einen. Und dann ist da noch die Sache mit der Nachhaltigkeit: Mode ist für niemanden hier eine Frage von “heute in, morgen out”. Trends werden zwar interessiert beobachtet. Doch die Kollektionen, die von hier aus über Deutschland hinaus auch nach Österreich, Finnland, Irland sowie in die Schweiz, die Niederlande und in andere Länder verschickt werden, sind übersaisonal tragbar. Dafür sorgen sorgfältiges Design und hohe Qualität.

Campus Lounge
Die Campus Lounge lädt zum Entspannen und kreativ sein ein. Bildquelle: Simplicity GmbH

Aber auch über Fashion hinaus denken die Simplicity-Mitarbeiter*innen nachhaltig. Aus dem Boxen-Prinzip – also aus den selbstinitiierten Projekt-Teams – sind viele erfolgreiche Ideen zum Schutz der Umwelt entstanden und umgesetzt worden. Ob beim Versand der Bestellungen oder in der internen Kommunikation – alle Prozesse werden immer wieder auf Möglichkeiten überprüft, sinnvoll Ressourcen zu sparen. Außerdem wurden Bienenvölker auf dem Campus angesiedelt und verschiedene Teammitglieder zu Imkern ausgebildet. Ein weiteres Indiz: Leergut ist in den Büros von Simplicity schlicht nicht zu finden. Das erspart den Teams nicht nur Unordnung, es ist auch nachhaltig. Denn an der offenen Kaffeebar gibt es – neben gutem Kaffee –Unmengen an Glasflaschen, die auf dem Weg an den Schreibtisch mit vorgefiltertem und bei Bedarf aufgesprudeltem Leitungswasser gefüllt werden können. Die leeren Flaschen landen dann abends einfach in der Spülmaschine und werden am nächsten Morgen neu befüllt.

Und das Beste daran ist, dass die Gerichte rein gar nichts mit Kantinenessen zu tun haben.

– Anne Fäth, Head of Online Marketing

Aber was sagen die Mitarbeiter*innen außerhalb des HR-Teams über die Gründe, warum sie sich für einen Job bei Simplicity entschieden haben? Eine kurze Umfrage an der heiß geliebten Kaffeebar ergibt: Neben der guten Stimmung in den Teams loben die Mitarbeiter*innen ausnahmslos das Food-Team. Auf dem Campus gibt es mehrmals in der Woche ein reichhaltiges Mittagessen, das vor Ort frisch zubereitet wird. “Und das Beste daran ist”, schwärmt Head of Online Marketing Anne Fäth, “dass die Gerichte rein gar nichts mit Kantinenessen zu tun haben.” Alle lieben die ausgewogene, regionale Küche, die auch immer mal wieder überraschende Snacks für die Kaffeebar bereithält.

Gesunde Ernährung wird bei Simplicity groß geschrieben
Das Food-Team sorgt regelmäßig für gesunde und abwechslungsreiche Gerichte. Bildquelle: Simplicity GmbH

Wem jetzt die weiblichen Namen im Kontext von “Head of”-Positionen aufgefallen sind, hat gut aufgepasst. Das ist Normalität bei Simplicity. Frauen in Führungspositionen müssen hier nicht mit einer Quote verordnet werden. Sie sind einfach da. Auch das sorgt für ein ganz anderes Arbeitsklima, als es oft in anderen mittelständischen Unternehmen Usus ist. Die so weit verbreitete männerorientierte Dude-Bro-Culture, die sich in jungen Teams von Start-ups oder Agenturen schnell breit macht, sucht man bei Simplicity vergebens. So wie sich die Mode von OPUS und someday an selbstbewusste und starke Frauen wendet, so stehen auch die Mitarbeiterinnen von Simplicity mit beiden Beinen im Leben und in vielen Fällen ganz oben auf der Karriereleiter.

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Jana Ahrens

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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