Das Anti-Smartphone: Bewusst unpraktisch und wunderschön!

Words by Jana Ahrens
Photography: Leonhard Hilzensauer
Anti-Smartphone

Für viele ist der Griff zum mobilen Telefon inzwischen eher eine Gewohnheit, denn eine bewusste Entscheidung. Das Smartphone ist praktisch, unterhaltsam, aber der Griff danach nicht unbedingt gesund.

 

Der Designer Klemens Schillinger hat sich des Themas Anti-Smartphone verspielt und doch ernstzunehmend angenommen.

Smartphone
Das Smartphone reduziert auf Gesten.

Meditation, Yoga und das Thema Achtsamkeit im Allgemeinen werden immer populärer. Das ist sicherlich kein Zufall, wenn wir parallel die Veränderungen in unserer Mediennutzung beobachten. Die Buchindustrie schwächelt, die Streaming-Dienste hingegen boomen und Social-Media-Inhalte lassen unsere Aufmerksamkeit ständig wandern. Im Zentrum dieser Veränderungen steht ein Gerät: Smartphones sind für viele aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Auf ihren Displays spielt sich ein großer Teil dieser neuen Art von Unterhaltung und Medienkonsum ab.

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Eines der Substitute Phones von Klemens Schillinger.

 

Doch manche von euch werden es schon an sich selber beobachtet haben: Der Griff zu dem eckigen, flachen Kasten in der Hosen-, Jacken-, oder Handtasche ist manchmal gar nicht mehr bewusst und zielgerichtet. Das Entsperren des Bildschirms, das Tippen auf ein App-Logo und manchmal sogar noch die Scrollbewegung können inzwischen so automatisiert ablaufen, dass wir uns kurz danach erst fragen: Was wollte ich denn jetzt eigentlich?

Da könnte sich direkt die Frage anschließen: Ist es wirklich so wichtig, dass es dieses technische Gerät mit all den Ablenkungen ist, das wir aus der Tasche ziehen? Oder geht es uns in Wirklichkeit hauptsächlich um das Haptische, um die angenehme Oberfläche und die bekannten Bewegungen, die uns in Form von Griffen und Gesten ein Gefühl von Sicherheit vermitteln?

Phones
Achtsamkeit durch Ersatzgerät?

So oder ähnlich könnte Klemens Schillinger gedacht haben, als er die Substitute Phones entwarf: schwarze, wohlgeformte, flache Quader mit abgerundeten Ecken, in die in verschiedenen Versionen Steinkugeln in unterschiedlichen Ausrichtungen eingelassen sind, über die wir mit dem Finger hinwegfahren können. Dabei drehen sich die Kugeln und vermitteln ein angenehmes Gefühl, das dem Scrollen ähnelt.

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 Diese Geste imitiert das Scrollen durch Seiten oder Streams.

Die Form des Substitute Phone bildet ein durchschnittliches Smartphone nach. Die Funktion ist jedoch auf die Bewegungen reduziert, die wir täglich hunderte von Malen machen.

Ersetzen wir also einfach für einen Nachmittag das Smartphone in der Tasche durch dieses Substitut. Lassen wir einfach mal auf uns wirken, wie oft wir trotzdem danach greifen und wie beruhigend die Gesten sein können, ohne dass dabei auch nur eine einzige App aufgerufen wird. Ach ja, als angenehme Fassade des Rückzugs – zum Beispiel in öffentlichen Verkehrsmitteln oder an der Bushaltestelle – können sie natürlich auch dienen, wenn wir uns als abgelenkt ausgeben möchten.

 
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So ein Griff zum Substitute Phone kann ungemein beruhigen.
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Nutzer können sich, dank der Design-Varianz, für ihre Lieblingsgeste entscheiden.

 

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Straight up and down mit dem Substitute Phone.
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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Dabei interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Zum Schönen gehört natürlich auch, wenn sich komplexe Themen in verständliche Zusammenhänge zerlegen lassen. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

5 Kommentare

Robert
#5 — vor 11 Monaten 1 Woche
Ein netter, künstlerischer Gag mit dem Versuch, die Leute wieder durch Wachrütteln aus der Welt des virtuellen Sumpfs herauszuholen, in den sie schon vor langer Zeit allzu unbewusst abgestiegen sind...aber ganz ehrlich: wenn ich mir noch etwas Verstand und Rückbesinnung auf das wahre Leben bewahrt habe, dann kann ich das Smartphone auch genausogut mal abschalten, in die Ecke werfen. Insofern stimme ich Stefan in der reinen Sache des Objektes zu ; nicht aber in der grundsätzlichen Idee des Künstlers. Ich habe auch schon undurchsichtige Aufkleber in Smartphone-Form gesehen, die - natürlich auch als Gag - in einer Medikamentenverpackung angeboten wurden - Aufdruck »gegen Smartphone-Sucht«.
Stefan
#4 — vor 11 Monaten 1 Woche
Was für ein SCHWACHNSINN
Axel
#3 — vor 1 Jahr
Gehört zu den Dingen, welches die Menschheit nicht braucht!
Martin-Jochen Schulz
#2 — vor 1 Jahr 1 Monat
ein erster Schritt und die Welt gehört Dir wieder, toll!
E.Zeno genthe
#1 — vor 1 Jahr 3 Monaten
Gut gemeint und gut gemacht + viel erfolg dabei !

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