Luigi Colani – Was die Design-Legende der Welt hinterlässt

Words by Arzu Gül
Photography: Marchi Mobile
ARTIKEL ANHÖREN ARTIKEL ANHÖREN BEENDEN
Jetzt anhören
LKW MMpro von Marchi Mobile, welcher von Colani Design wurde
Schließen

Der deutsche Design-Visionär Luigi Colani war ein Vorbild für viele Generationen. Er designte nicht nur einzigartige Autos, Rennwagen und Lastwagen, sondern entwickelte als Universal-Designer so ziemlich alles – von Kugelschreibern über Möbel, Brillen, Tassen und Fernsehern bis hin zu Flugzeugen. Nun ist er im Alter von 91 Jahren in Karlsruhe verstorben. Was bleibt, sind seine einzigartigen und avantgardistischen Designs und sein Sinn für Nachhaltigkeit.

 

Colani war seiner Zeit voraus. Er selbst behauptete von sich, in keine Zeit zu passen. Sein Sinn für Ästhetik und Design und sein unverkennbarer aerodynamischer Stil mit ausschließlich runden Formen machten ihn zu einer Marke, die weltweite Erfolge feierte. In den 70er und 80er Jahren war er einer der ersten Designer, die ihre Produkte unter ihrem eigenen Namen vermarkteten – mit dem unverwechselbaren, wellenförmigen Schriftzug »Colani«. 

Aus diesem Grund waren Colanis Produkte rund

Auch als Laie lässt sich Colanis Handschrift im Handumdrehen erkennen: Seine Welt war rund, alle seine Entwürfe und Produkte weisen den für ihn typischen runden Schwung und eine organische Form auf. Für ihn war dies eine logische Schlussfolgerung, schließlich seien der Planet, auf dem wir zu Hause sind, sowie alle Elemente der Natur und sogar der Mensch ausschließlich rund. Eckige Produkte zu kreieren, ja auch nur ein Lineal zu benutzen, wäre somit eine Handlung gegen die eigene Natur. 

Schon in den 80er Jahren schaffte er das, was Produktentwickler heute noch versuchen

Möglicherweise hatte Colani mit dem, was er sagte, sogar recht. Denn seine Werke konnten nicht nur durch eine schöne Ästhetik überzeugen, sondern immer auch im Hinblick auf Funktionalität und Effizienz. Seine Studienjahre in Paris im Bereich Aerodynamik haben vielfach Früchte getragen: Ein Meisterwerk ist wohl der futuristische LKW, den Colani für Marchi Mobile designte. Das Besondere: Neben der markanten runden Frontschreibe, dem luxuriösen Design und der extravaganten Innenausstattung ist es ihm gelungen, allein durch das aerodynamische Design den Spritverbrauch um über 25 % zu senken. Der cW-Wert (Strömungswiderstandskoeffizient) des LKWs lässt sich mit dem eines Sportwagens vergleichen. Wenn man bedenkt, dass Colani den ersten Entwurf für dieses Gefährt bereits in den 80er Jahren entwickelte, wird einem klar, dass die Bezeichnung »Visionär« passender nicht sein könnte. 

Aufgrund der verschärften Regelungen in Bezug auf CO2-Werte arbeiten immer mehr Hersteller an effizienteren Lösungen und versuchen, ihre LKWs stromlinienförmiger zu gestalten. Ein Vorbild hierfür könnten nun Colanis Entwürfe sein, die von Marchi Mobile gekauft, aufwendig in Eigenarbeit angepasst und unter dem Namen MMPro perfektioniert wurden. Colani selbst sagte: »Ich könnte dieser Welt auf die Sprünge helfen! Aber ich will es nicht mehr.« – Es bleibt zu hoffen, dass sein Design-Erbe trotzdem weitergetragen wird. Der Umwelt zuliebe.

Dazu Passend

Die neue Mobilitätskultur rund um Elektrofahrzeuge

Ob Zweirad oder Auto, bei der modernen Mobilität ging es nie nur um praktische Überlegungen. Schon seit der Erfindung von motorisierten Fahrzeugen spielten immer auch kulturelle Aspekte – wie die Sehnsucht nach Abenteuer und Freiheit, das Bedürfnis nach Statussymbolen und der Wunsch, zu einer Gruppe von Gleichgesinnten zu gehören – eine wichtige Rolle. Das ist heute nicht anders. Ein Unternehmen aus Hamburg hat das erkannt und bietet neben futuristischen Elektrofahrzeugen ein vielfältiges Kulturprogramm um E-Roller, E-Bikes und E-Lieferfahrzeuge.

Share:

Arzu Guel

Redakteurin

Nach einem MBA in Medienmanagement und Stationen in der Produktentwicklung, Objektleitung und Vermarktung von Magazinen, hat Arzu Guel zurück zu ihrer eigentlichen Leidenschaft, dem Schreiben und Kreieren von Content, gefunden. Seit September 2019 schreibt sie nicht nur für Monda Magazin, sondern entwickelt auch Formate für unseren Instagram-Kanal. Sie brennt für die Themen Digitalisierung, Future Trends und für Menschen mit einzigartigen Geschichten.

Kommentieren