2050: Die Zukunft unseres Essens in Bildern

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Die Zukunft des Essens in Bildern

Die Designerin Gemma Warriner hat die Zukunft unserer Ernährung in schmackhaft schöne Infografiken übersetzt. Doch bei genauerem Hinsehen kann einem der Appetit schon ein bisschen vergehen.

Das Thema Ernährung spielt für uns eine große Rolle. Zum einen natürlich, weil Nahrung für uns lebenswichtig ist. Zum anderen aber auch, weil die Auswahl groß und immer wieder von ständig wechselnden Trends beeinflusst ist, was uns vor die Qual der Wahl stellt. Im Moment haben wir noch die Möglichkeit, frei zu entscheiden, doch was passiert, wenn das Thema Ernährung irgendwann zu einem harten Kampf wird? Das zeigen die beeindruckenden und erschreckenden Bilder von Gemma Warriner.

Gemma Warriner

 

Twenty-Fifty ist eine visuelle Erkundung der globalen Nahrungsmittelkrise, die für das Jahr 2050 vorhergesagt wird – spätestens dann wird die Nachfrage die auf unserer Erde verfügbaren Nahrungsresourcen überschreiten. Das Projekt präsentiert eine Serie von acht Datenvisualisierungsplakaten, die jeweils einen der Haupteinflussfaktoren für diese zukünftige Krise zeigen, als da wären: Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, Nahrungsmittelproduktion, Lebensmittelverschwendung, genetische Veränderung, Klimawandel, Konsumtrends und Agrobiodiversität.

Durch die Beschaffung und das Fotografieren von Lebensmitteln, die repräsentativ für meine eigenen Datenvisualisierungen sind, möchte das Projekt die Verbraucher herausfordern und darüber aufklären, wie sich für die Zukunft entwickeln kann.

Gemma Warriner

Und im Grunde wünschen wir uns doch alle, dass unsere Familien und alle Generationen nach uns auch in Zukunft an einem Ort leben können, an dem sie sich sicher und geborgen fühlen und in Frieden leben können. Dazu gehört auch, dass genügend Ressourcen vorhanden sind. Wie genau es jedoch aussehen könnte, wenn wir aufhören, uns weiter um unseren Planeten und mögliche Alternativen zu bemühen, zeigen die Grafiken.

Lebensmittel

Die Zwiebel steht für das globale Bevölkerungswachstum, das bis 2050 vorausgesagt und wahrscheinlich der wichtigste Auslöser der globalen Nahrungsmittelkrise sein wird. In Erwartung eines weltweiten Anstiegs um 2,7 Milliarden Menschen wird eine geschätzte Gesamtbevölkerung von über 9,3 Milliarden die Landwirtschaft und die bereits vorhandenen globalen Ressourcen stark belasten.

Lebensmittel

Dieser Granatapfel stellt das Urbanisierungsphänomen dar, das sich weltweit rasant über alle Kulturen und Kontinente hinweg entwickelt. Parallel zum prognostizierten Bevölkerungswachstum wird die städtische Bevölkerung bis zum Jahr 2030 voraussichtlich 60 % der gesamten Weltbevölkerung ausmachen und bis zum Jahr 2050 sogar 70 % erreichen.

Lebensmittel

Ein Pilz, der uns große Sorgen macht: Um der Nachfrage der wachsenden Weltbevölkerung und der benötigten Kalorienzufuhr pro Kopf gerecht zu werden, wird bis 2050 eine Steigerung der Nahrungsmittelproduktion um 70 % erwartet. Die weltweite Produktion von Getreide – vorwiegend Weizen, Reis und Mais, die etwa 50 % des menschlichen Verbrauchs ausmachen – wird ab 2050 um 1200 Millionen Tonnen zunehmen. Auch die Produktion anderer Rohstoffe wie Gemüse, Öl, Fleisch und Zucker muss deutlich erhöht werden, um die Nachfrage decken zu können. Hier stellt sich die Frage: Können wir diese Produktionsmengen überhaupt erreichen?

 

Lebensmittel

Dieser Knoblauch symbolisiert die starke Lebensmittelverschwendung, denn mehr als ein Drittel der Nahrungsmittel, die für den menschlichen Verzehr produziert werden, geht jedes Jahr verloren oder wird weltweit vergeudet – wobei 35 % dieses Verlustes direkt den Verbraucherabfällen geschuldet sind. Zusätzlich, zu dem Durchschnitt von 1,3 Milliarden Tonnen an Lebensmitteln, die in der gesamten Lebensmittelversorgungskette verworfen werden, stellt dieser Verlust auch die Verschwendung knapper Ressourcen dar.

Lebensmittel

Eigentlich sieht dieser Kohl gar nicht mal so schlecht aus – jedoch weist er auf etwas Erschreckendes hin. Bis zum Jahr 2050 wird erwartet, dass gentechnisch veränderte Anbauflächen um 90 % zunehmen und gentechnikfreies Ackerland mit einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 1,6 Millionen Hektar verdrängen. Das bringt eine Vielzahl von Bedrohungen für die Umwelt, das natürliche Ökosystem und die biologische Vielfalt mit sich. Kurzfristig mag Gentechnik eine schnelle Problemlösung versprechen, sie legt aber gleichzeitig die Grundlage für langfristige Widrigkeiten.

Lebensmittel

Die Artischocke steht für den Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und der Agrarwirtschaft, die in Bezug auf die zu erwartende globale Ernährungskrise im Jahr 2050 ein wichtiges Thema sein wird. Angesichts der extremen Veränderung der Wetterbedingungen muss sich die landwirtschaftliche Produktion dem fortschreitenden Klimawandel anpassen, der, wie wir wissen, offensichtlich bereits in Gang ist. Die mittlere globale Oberflächentemperatur wird aufgrund der steigenden CO2-Konzentration in der Atmosphäre bis 2050 um bis zu 3° C steigen. Sollten nicht bald nachhaltige Produktionsprozesse angestrebt werden, wird die CO2-Konzentration sogar noch weiter steigen. 

Lebensmittel

Es ist von grundlegender Bedeutung, existierende Verhaltensmuster und Konsumtrends zu verstehen. Nur so lässt sich vorhersagen, inwieweit die Ressourcen der Erde ausreichen könnten, die künftig zu erwartende Bevölkerung zu ernähren. Was uns die Durian hier zeigen soll: In Bezug auf die wachsende städtische Bevölkerung und das steigende Einkommensniveau wurde festgestellt, dass 50 % der Gesamtbevölkerung im Jahr 2050 30 % mehr Nahrungsmittel als nötig verbrauchen werden, während die steigenden Preise für Nahrungsmittel ein Drittel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben lassen, sind weitere 10% in diesem Szenario sogar unterernährt.

 

Lebensmittel

Agrobiodiversität bezieht sich auf die Vielfalt und Variabilität von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen, die direkt oder indirekt für Ernährung und Landwirtschaft verwendet werden. Das komplexe Thema wird hier durch einen Kürbis repräsentiert. Es wird erwartet, dass weltweit die Biodiversität in der Pflanzenvielfalt bis zum Jahr 2050 um 90 % zurückgehen wird, während die restlichen 10 % unseren Verbrauchsbedarf decken werden. Der Verlust der biologischen Vielfalt, eine wesentliche Ressource für die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelproduktion, verringert die Stabilität und Widerstandsfähigkeit von Pflanzen- und Tierarten und führt zu einer Abhängigkeit und vermehrten Nutzung von chemischen Düngemitteln.

Wow – wir hätten wirklich nie gedacht, dass uns eine Zwiebel, ein Granatapfel, ein Pilz, ein Knoblauch, ein Kohl, eine Artischocke, eine Durian und ein Kürbis so zum Nachdenken anregen würden. Dank Gemma Warriner wissen wir, dass in den nächsten Jahren noch einige Lösungen für Ernährungsprobleme gefunden werden müssen, damit das Jahr 2050 für viele von uns und unsere Nachkommen ein angenehmes Jahr wird.

Mehr zu Gemma Warriner findest du bei Instagram und auf ihrer Webseite

 

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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