Zen als Sinnbild für Gelassenheit: Woher kommt das eigentlich?

13.02.2018
Words by Jana Ahrens

Der Wunsch oder die Empfehlung zum Zen ist inzwischen schon in der Alltagssprache angekommen, wenn es um Gelassenheit und Ausgeglichenheit geht. Aber woher kommt diese Formulierung eigentlich? Was ist Zen?

Im Ursprung ist Zen die japanische Bezeichnung für eine bestimmte Form des Buddhismus. Diese Form reduziert die Lehre auf ein absolutes Minimum. Es ist sogar die Aussage eines Zen-Meisters an einen Verzweifelten überliefert:

„Ich würde dir gern irgendetwas anbieten, um dir zu helfen, aber im Zen haben wir überhaupt nichts.“

Das heißt, das Zen nicht versucht etwas ganz Besonderes zu sein. Diese Form des Glaubens hat kein Ziel. Gemeint ist damit, dass wir als wertende, sehr stark vom Verstand geleitete Wesen versuchen wieder mehr im Moment zu leben. Zen-Praktizierende lassen sich auf Erfahrungen und Handlungen ein, um auf diese Weise Gefühle und Denken in Einklang zu bringen.

Um diesen Aspekt des Zen zu fördern, gibt es natürlich auch Methoden. In so fern ist der Fokus auf das Nichts-haben im Zen eher übertragend zu sehen. Meditation ist ein wichtiges Kern-Element des Zen. Und aus diesem Zusammenhang ergibt sich auch eine eigene Ästhetik. Wer also einmal die Stimmung des Zen hier in unserer westlichen Welt ausprobieren möchte, der kann beispielsweise einen Zengarten besuchen. Sie stammen aus dem klösterlichen Umfeld der Zen-Meditation und sind inzwischen in vielen Städten zu finden.

Gärten der Welt – Berlin

Gehakter Steingarten im japanischen Garten
Der meditativ gehakte Steingarten in Marzahn, Berlin. Bildquelle: Wikipedia

Auch die Gärten der Welt in Berlin Marzahn warten mit einem Zengarten auf. Er ist ein Resultat der Städtefreundschaft zwischen Tokio und Berlin. Wasserläufe umgeben einen Trockengarten und gezielt gesetzte, große Steine. Diese Steine können ebenfalls der Fokus einer Meditation sein und werden bewusst nicht erklärt. Es ist dem Betrachter überlassen zu verstehen, welcher Sinn sich aus dieser Landschaft erschließen lässt. Und denken wir darüber nach, so befinden wir uns schon mitten in einer Meditation.
Planten un Blomen – Hamburg

Teepavillon und Blick auf Teich Planten und Blomen
Fast mystisch ist der japanische Garten in Hamburg. Bildquelle: Wikipedia

Zwischen Congress Center Hamburg und Hamburger Messe findet sich eine kleine ruhige Oase mit japanischem Teehaus. Dieses ist von einem perfekt inszenierten, kleinen See umgeben. Die daran anschließenden Landschaftselemente wirken wie eine beruhigende Miniatur, die trotz der klaren, strengen Anordnung Platz zum Durchatmen und Entspannen lässt. Und damit fasst der Garten die Idee des Zen auch sehr gut zusammen.

Botanischer Garten – Augsburg

Japanischer Holz-Pavillon und Garten mit Steinen und Gras
Der Blick aus dem japanischen Pavillon im Botanischen Garten Augsburg. Bilquelle: Wikipedia

Der Zengarten im Botanischen Garten von Augsburg wurde durch den japanischen Architekten Yoshikuni Araki umgesetzt und orientiert sich eng an Vorbildern aus der japanischen Kaiserstadt Kyōto. Im Zentrum des Parks steht die Anlagen eines Teiches und wiederum die mit Bedeutung aufgeladene Inszenierung von großen Steinen, die extra für diesen Garten aus dem Fichtelgebirge hier her gebracht wurden. Von einem traditionellen Holzpavillon aus können so die feinen Wellen auf dem Wasser beobachtet und die Ruhe der Landschaft genossen werden.

Das Beitragsbild ist übrigens von Priscilla du Preez auf Unsplash.

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Jana Ahrens

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Bis 2013 hat sie als Modedesignerin gearbeitet. Seitdem widmet sie sich dem Schreiben. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

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