Wichtige Fakten: Schwangerschaftsabbruch in Deutschland

Words by Jana Ahrens
Photography: Gabriel Matula
Schwarz-Weiß-Portrait einer schreienden Frau mit verzerrtem Gesicht und verkrampften Händen neben dem Kopf
Über Schwangerschaftsabbrüche wird dieser Tage heiß diskutiert. Um so wichtiger ist es, in diesen Diskussionen die Fakten nicht aus den Augen zu verlieren. Sieben der aus unserer Sicht wichtigsten haben wir für euch zusammengestellt.

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche geht zurück

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland ist im europäischen Vergleich gering: Seit 2008 lassen weniger als 6 von 1.000 Frauen einen Schwangerschaftsabbruch durchführen. Die Daten beziehen sich auf Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren. Hinzu kommt, dass die Zahlen der Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland seit 1997 rückläufig sind. 

Nur wenige ungewollte Schwangerschaften enden mit einem Abbruch der Schwangerschaft

Die World Health Organisation (WHO) gibt an, dass nach einer Schätzung von 2012 41 % aller Schwangerschaften weltweit ungewollt waren. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hat 2016 in einer Studie festgestellt, dass in Deutschland 33,7 % der registrierten Schwangerschaften nicht beabsichtigt, 18 % explizit ungewollt waren. Trotzdem haben sich 57 % dieser Frauen dann doch für ein Kind entschieden. 

Hauptgründe für einen Schwangerschaftsabbruch sind gesellschaftlicher Natur

Derselben Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zufolge geben 34 % der Frauen, die einen Abbruch durchführen, an, dass sie es aufgrund einer schwierigen partnerschaftlichen Situation tun. Dicht gefolgt von beruflicher und finanzieller Unsicherheit mit 20,3 %. 

 

Am 15. Februar 2019 wurde im Deutschen Bundestag zur Verbesserung des Informationsrechts bei Schwangerschaftsabbrüchen diskutiert.

Fehlende Verhütung ist nicht der Hauptgrund für Schwangerschaftsabbrüche

Nur vier von 100 Frauen gaben in einer Studie von 2011 an, dass sie heterosexuell sind, kein Kind wollen und trotzdem nicht verhüten. Unter den Frauen, die ungewollt schwanger wurden, haben 42,9 % verhütet. Dabei ist zu bemerken, dass sich die restlichen 57,1 % nicht zwangsläufig für einen Schwangerschaftsabbruch entschieden haben. 

Nur bedingte Kostenübernahme durch Krankenkassen

Die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch selber werden nicht automatisch von den Krankenkassen übernommen. Lediglich die Beratungen und Untersuchungen vor und nach dem Abbruch werden regulär von den Kassen getragen. Die 300 bis 600 €, die der eigentliche Eingriff kostet, müssen von der schwangeren Frau selber getragen werden, wenn ihr Einkommen eine bestimmte Grenze nicht unterschreitet. Ansonsten kann sie einen Antrag auf Finanzierungszusage bei einer beliebigen Krankenkasse stellen. 

Die Durchführung eines Schwangerschaftsabbruches wird im Medizinstudium nicht behandelt

Die rechtlichen und ethischen Aspekte des Eingriffs werden in Seminaren zu pränataler Diagnostik zwar unterrichtet, die praktische Durchführung sucht man in den meisten Curricula jedoch vergebens. Viele Studierende, die den Eingriff selber üben wollen, organisieren sich dazu außerhalb der Pflichtkurse in Gruppen und üben an Papaya-Früchten

 

Methoden für Schwangerschaftsabbrüche ändern sich 

In Deutschland werden die meisten Schwangerschaftsabbrüche als Vakuumabsaugung, auch Vakuumaspiration genannt, durchgeführt. Seitdem das Abbruch-Medikament Mifegyne zugelassen wurde, sinkt die Zahl der Abbrüche durch Vakuumaspiration und steigt die Zahl der medikamentösen Abbrüche. Dabei gilt weiterhin: Die Gesamtzahl der Abbrüche steigt nicht an, sondern geht zurück. Der Prozentsatz der medikamentösen Abbrüche in Deutschland liegt mit 20 % immer noch weit unter dem von Frankreich mit mehr als 60 % und unter dem der Schweiz mit 72 %.

Dazu Passend

Der neue Paragraf 219a und #WasFürnSpahn

Heute stimmt der Bundestag über den Gesetzesentwurf zum Paragrafen 219a ab. Obgleich in Frage steht, wie sinnvoll der Paragraf überhaupt ist, hat sich die Große Koalition auf einen Kompromiss geeinigt, nach dem der Paragraf leicht verändert im Strafgesetzbuch beibehalten wird. Empörung hat unter anderem die Bewilligung von 5 Millionen Euro ausgelöst, mit denen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Studie zu den seelischen Folgen von Schwangerschaftsabbrüchen finanzieren möchte. Dieses Vorhaben hat eine Onlinepetition nach sich gezogen. „#WasFürnSpahn: Herr Spahn, 5 Millionen Euro für Hilfe statt Hass“ hat mittlerweile fast 70.000 Unterschriften gesammelt.
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Jana Ahrens

Chefredakteurin

Jana Ahrens liebt die Auseinandersetzung mit der Mode und mit den Gegenständen und Situationen eines modernen Lebens. Sie interessiert sich weniger für schöne Dinge, als eher für die Schönheit ihrer Umstände. Im Januar 2018 hat sie die Chefredaktion des Monda Magazins übernommen.

1 Kommentar

Uwe Schwarz
#1 — vor 2 Monaten 2 Wochen
Danke! Dieser Artikel ist sehr aufschlussreich.
Die Frage »Ist Abtreibung für Sie grundsätzlich akzeptabel?« ist für mich hier schlecht zu beantworten. Warum? Was ist hier mit grundsätzlich gemeint? Im rechtlichen Sinne heißt grundsätzlich: »Solange kein Grund dagegen spricht.« In diesem SInne bin ich auf jeden Fall für ein Verbot von Abtreibung. Von meiner moralischen Weltsicht her, ist das Kind vom Zeitpunkt der Verbindung von Samenzelle und Eizelle ein Mensch. Deshalb ist für mich persönlich eine Abtreibung immer die Tötung eines Kindes. Ich weiß, dass manche Frauen sich aus für sie argen Notlagen für eine Abtreibung entscheiden, auch deshalb möchte ich keine grundsätzliche Verurteilung aussprechen! Aber grundsätzlich sollte eine Abtreibung eben nicht erfolgen. Ich sehe hier eben auch keinen Unterschied, ob das Kind noch im Leib der Mutter ist oder nicht, ob es einen bestimmten Entwicklungsstand erreicht hat oder nicht. Ein Kind ist ein eigenes Wesen, kein Organ des Körpers der Frau.

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