Wechseljahre: Wie gefährlich ist eine Hormontherapie?

Words by Claudia Marisa Alves de Castro
Photography: Bbh Singapore auf Unsplash
Lesezeit: 2 Minuten
Wie gefährlich sind Hormonpräparate während der Wechseljahre?

Die Wechseljahre können ganz schön unangenehm sein. Hormonpillen und -therapien sollen Abhilfe schaffen. Doch wie ungesund sind derartige Maßnahmen?

 

Die Wechseljahre und die sogenannte Menopause, mit der die Periode endgültig ausbleibt, werden von unangenehmen Symptomen begleitet. Jetzt wollen ForscherInnen sogar herausgefunden haben, dass die Wechseljahre für ein erhöhtes Alzheimer- und Demenzrisiko verantwortlich sind. Um die negativen Begleiterscheinungen dieser Lebensphase einzudämmen und gegen die zunehmende Vergesslichkeit anzukämpfen, können Frauen eine Hormontherapie beginnen. Nun stellt sich die Frage: Wie sicher ist eigentlich die Einnahme derartiger Präparate?

Hormonpräparate ohne Nebenwirkungen?

Bereits seit Mitte der 1960er Jahre wurden Frauen Hormonpräparate verschrieben, die die Symptome der Wechseljahre abmildern sollten – und dies auch zuverlässig taten. So zuverlässig, dass diese Hormontherapie zum Standard wurde. Anfang der 2000er bekamen fast alle Frauen in den 50ern eine solche Therapie verschrieben und schluckten die hochdosierten Medikamente, um den Körper wieder in so etwas wie ein Gleichgewicht zu bringen. Allerdings machte sich damals, ähnlich wie bei der Anti-Babypille, so gut wie niemand über die Nebenwirkungen Gedanken – die bekanntermaßen häufig erst nach längerer Zeit auftreten. 

Tödliche Nebenwirkungen 

Im Jahr 2002 folgte dann die ernüchternde Erkenntnis. Eine Langzeitstudie, die an Frauen in den USA durchgeführt worden war, zeigte, dass die chemisch veränderten Östrogen- und Progesteronpräparate durchaus ihre Tücken aufweisen. Denn viele der Frauen erkrankten an Krebs oder erlitten Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Zudem trat auch häufig die Krankheit auf, vor der sich Frauen in den Wechseljahren laut neuster Erkenntnisse offenbar auch ohne Medikamente fürchten müssen: Demenz. Warum also werden diese Therapien überhaupt noch angeboten, wenn sie schwere Erkrankungen zur Folge haben können? 

Viele WissenschaftlerInnen und ÄrtzInnen betonen, der Einsatz von Hormonpräparaten dürfe nicht grundsätzlich verteufelt werden. Richtig dosiert können sie Frauen den psychischen und körperlichen Leidensdruck, der immer wieder unterschätzt und zum Teil sogar belächelt wird, nehmen und für ein entspannteres Leben sorgen. Doch heißt es auch, wie in einem Artikel auf Geo, dass Hormonpillen nicht standardmäßig verschrieben werden, sondern nur dann als letzte Wahl zum Einsatz kommen sollten, wenn nicht-hormonelle, nebenwirkungsärmere Medikamente nicht die gewünschte Wirkung zeigen oder gänzlich versagen. Wenn also nicht anders möglich, sollten Hormone in geringster Dosis verabreicht werden.

 

Was zudem häufig außer Acht gelassen wird: Grundlegende hormonelle Veränderungen finden im Körper einer Frau ihr ganzes Leben über statt. Was in den letzten Monaten noch gut tat, gilt nicht zwangsläufig auch für die kommende Zeit. Deshalb sollte sich auch bzw. gerade während der hormonellen Umstellung in den Wechseljahren niemand darauf verlassen, dass Medikamente die gesamte Zeit über passgenau sind – eventuell muss die Dosierung sogar jährlich angepasst werden, um eine gute Balance zwischen Nutzen und erhöhtem Gesundheitsrisiko hinzubekommen. 

Also – auch wenn ihr eurer Ärztin oder eurem Arzt voll und ganz vertraut, lohnt sich in Bezug auf eine Hormonersatztherapie die intensive Nachfrage und Recherche, bevor die Medikamente, die einem Erleichterung verschaffen sollen, am Ende alles nur noch schlimmer werden lassen…

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Claudia Marisa Alves de Castro

Redaktionsleiterin

Claudia Alves de Castro kommt vom Land, war aber nie für die Kleinstadt gemacht. Jetzt – da sie in Hamburg lebt – kann sie ihrem Interesse für Menschen, Geschichten und dem Schreiben freien Lauf lassen. Vom Lifestyle- und Fashionblog, über die Arbeit beim Fernsehen vor und hinter der Kamera, bis hin zu den Online-Redaktionen großer Verlage, Claudia ist mit allen Medien-Wassern gewaschen. Neben ihrer Leidenschaft für ihren Beruf, macht sie ihre Liebe für Kultur, Medien und Reisen besonders glücklich. Seit März 2018 schreibt sie über all das bei uns.

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